Opel Astra 1.4 Turbo "Dynamic"

Vorwort
Wenn das Thermometer 37° Aussentemperatur anzeigt hat das auch so seine Nachteile. In erster Linie transpiriert man halt leise vor sich hin, fühlt sich ein wenig unwohl und so schlichtes Zeug wie Schuhe binden lässt uns innerhalb von 10 Sekunden ca. einen Liter Flüssigkeit verlieren. Ausser, man sitzt in einem Auto der heutigen Zeit, wo die Klimaanlage mehr Leistung hat, als ein Fiat 500 vor 70 Jahren überhaupt an Motorleistung zur Verfügung hatte um von A nach B zu kommen. Was leben wir Sofakartoffeln doch in einer tollen Zeit, wo unsere Fahrzeuge zuverlässig dafür sorgen, dass die Umwelt und die Natur nicht an uns ran kommt. Ausser dann, wenn wir das Fenster runterlassen und das Gefühl aufkommt, jemand halte uns einen Fön ins Gesicht. Puuuh....

Was denn?
Ein Opel Astra 1.4 Turbo mit einem 6-Stufen Automatikgetriebe. Benzinmaschine mit 150 PS und 235 Nm Drehmoment. In Jägerauskurpfalz-Grün. 




Laufleistung
3600km.

Wie weit?
160km. 

Erster Eindruck
So sieht also der vermutlich letzte kompakte Opel aus, an welchem nicht irgendwelche mässig motivierten französischen Ingenieure darüber diskutierten, ob man den Schalter für den Tempomaten entweder in der Mittelkonsole oder doch besser gleich im Kofferraum unter dem Ersatzrad anbringen könnte. Nein ernsthaft, der Astra ist als Opel der heutigen Zeit sofort erkennbar. Und damit bin ich auch etwas enttäuscht. Zu sehr sieht er aus wie der alte. Zu wenig Mut scheint mir in das Design eingeflossen. Aber ok, damit hat man bei Opel meiner Meinung nach auch nix falsch gemacht. Ist halt immer noch ein Astra und keine Rakete zum Mars.

Zeigefinger (Assistenzsysteme)
ABS, ESP, Kollisionswarner, aktiver Spurhalteassistent, Abstandswarner, Verkehrsschildererkennung.  

Innenraum
Auch hier scheint mir nicht so viel Neues passiert zu sein. Man ist von dem überladenen Knopfhausen in der Mittelkonsole abgekommen. Im Kombiinstrument findet sich nun auch ein Farbdisplay. Aber ansonsten...


letzte Generation
Gerade bei den Innenraummaterialien scheint man auf Bewährtes zurückgegriffen zu haben. Weniger kommt es mir so vor als ob ich im neuen Astra sitze, sondern im alten nach einer Modellpflege. Und auch wenn der Schwung im neuen Armaturenbrett von ganz woanders herkommt, der grosse Wow-Effekt bleibt aus. Das Design wirkt frisch, aber nicht gerade revolutionär. Man wird sehen, wie sich das in 5 Jahren so macht. 


Die Sitze sind wie gewohnt etwas, auf welches man bei Opel immer noch Wert legt. Jede Menge (genug!) Einstellmöglichkeiten helfen beim Finden der idealen Sitzposition. Und schlussendlich findet man sich in einem straffen, gut konturierten und wertigen Sitz wieder, welcher keinen Anlass zur Klage gibt. 



Altbewährt
Beim Instrumentencluster scheint man auch entspannt auf Altbewährtes zurückgegriffen zu haben. Sieht auch hier eher nach dezentem Facelift als nach komplett neuem Auto aus. Dass man Tankanzeige und Temperaturanzeige von links nach rechts getauscht hat, scheint das Ergebnis einer hitzigen  Schlägerei unter Innenraumdesignern zu sein. Trotzdem, kein Wow von mir dafür. 


Die ersten Meter
Ein Benziner brummelt mir beim Start nach dem klassischen Dreh am Schlüssel entgegen. Der Antritt ist ok und der Leistungsklasse entsprechend ausreichend. Ich warte immer noch auf die grosse Überraschung, welche ich mir ein wenig vom neuen Astra erhofft habe. Die scheint aber noch auf sich warten zu lassen. 

Nach zehn Kilometern
Ich erinnere mich an den letzten Astra. Der kam mir damals so schwer vor, so massiv und mit der Beweglichkeit von einem Reisekoffer am 23kg Fluglinienlimit. Der neue hier aber, der fühlt sich wesentlich leichtfüssiger an. Kompakter und auch agiler. Ich stelle fest, dass ich mal wieder in der Golfklasse angekommen bin. Und vermutlich habe ich dann auch gegähnt, war auch schon spät. 

Multimediaplunder
Ich muss schon wieder meckern. Weil, schon wieder habe ich den Eindruck, dass ich in einem Fahrzeug sitze, welches "nur" eine Modellpflege erhalten hat. Im Astra empfängt mich kein System, welches ich z.B. per Drehknopf in der Mittelkonsole blind bedienen könnte. Oder ein System welches ich per Telepathie bedienen könnte. Oder mit wildem Gestikulieren. Auf jeden Fall sehe ich mich im Astra mit einer Bordunterhaltung konfrontiert, welche bei der Bedienung immer meine volle Aufmerksamkeit voraussetzt. Auf einer Fläche von 30x30cm sitzt ein grosser Touchscreen und ein paar Dreh- und Druckknöpfe. Blind bedienen? Fehlanzeige. Immer schön gucken wo man drauftatscht.


Trotz diesen bedientechnischen Ausflug in das Jahr 2012 verdient die mediale Bordintelligenz auch Lob. Das Bedienkonzept ist zu Ende gedacht und das System arbeitet auch ziemlich subito. Dank I-net Anbindung und WiFi-Accesspoint ist der neue Astra auch im Onlinezeitalter angekommen und bietet zeitgemässe Konnektivität. Klangtechnisch habe ich vielleicht auch eine Überraschung erwartet und zu meiner Überraschung wurde ich dann doch nicht überrascht. Klingt bei DAB wie auch bei Bluetoothzuspieler passabel, ein Sound wie Schnitzelpommes, geht immer und ist ok.  

Die Fahrt
Da brummelt der Vierzehnhunderter vor sich hin, hörbar aber nicht störend. Das Getriebe schaltet gerne frühzeitig, das scheint der Spritsparwut geschuldet zu sein. Und gerade an solchen Tagen, wo die Hitze gnadenlos zuschlägt, scheint diese Getriebecharakteristik gegen den Astra zu arbeiten. Spürbar angestrengt ringt der Turbolader nach kalter Luft, die er in den Motor schaufeln kann. Nur, bei 37°C im Stau wird das nix. Das Triebwerk leidet genau so unter der Hitze wie ich. Es scheint träge, etwas pampig und unmotiviert. Ich fühle mit dem Astra und der Motor kriegt von mir auch ein wenig Mitleid. Zu seinem Leidwesen kriegt er aber auf einer Auffahrt dann doch noch ein wenig auf die Fresse. Meiner Erwartung entsprechend passieren auch hier keine Wunder und es stellt sich auch kein Wow-Effekt ein. Wie halt so ein 150PS-Kompakter halt rennen kann, nicht? Für die Pozilei in Grossbritannien wird's sicher mehr als reichen.

Zurück zu meinem kurzen Alltag mit dem neuen Astra. Ich hatte hohe Erwartungen an den neuen Golfkonkurrenten aus Rüsselsheim. Vor allem leichter sollte er sein und das hat er tatsächlich auch erfüllt. Er fährt sich spürbar(!) leichtfüssiger wie sein Vorgänger. Und damit hat er wieder zu seinen Klassenkameraden aufgeschlossen. Tatsächlich fühlt sich der aktuelle Astra nicht mehr an als ob man die Kotflügel mit Beton verstärkt hatte. Die Lenkung ist ebenfalls nochmal wesentlich präziser und gleichzeitig auch etwas kuscheliger geworden. Man hat eher das Gefühl dass man das Fahrzeug unter Kontrolle hat und nicht umgekehrt, so wie es mir von seinem Vorgänger in Erinnerung blieb. Er federt straff aber (oh Wunder) auch nicht zu straff. Nix rumpelt, klappert oder scheppert. Die Hinterachse tut nix ausser Unebenheiten wegbügeln und das ist auch gut so. Also, anfühlen tut sich der Astra auf jeden Fall gut und er vermittelt ein angenehm modernes Fahrgefühl. Das war's dann aber auch schon. Emotionen sind entsprechend meinen Erwartungen keine aufgekommen. Und damit auch keine wirkliche Zuneigung. Es gibt manchmal Fahrzeuge, denen sieht man an dass sie schon durch viele mehr oder weniger sorgsame Hände gegangen sind. Und die tun mir dann auch so ein bisschen leid. Beim Astra war das nicht so. Und wenn ein eimergrosses Brandloch im Beifahrersitz gewesen wäre, meh.

Damit verblassen meine Erinnerungen an die Fahrt an den Astra auch wieder. War ein angenehmer Ritt ohne grosse Überraschungen und gänzlich ohne Wow-Effekte. Ob Opel mit diesem Astra eine breitere Käuferschaft ansprechen wird wie mit dem letzten Modell wird sich zeigen. Ich habe leider kein gutes Gefühl, aber ich würde es Opel wirklich von Herzen gönnen, wenn Sie mit dem Astra wieder Boden gut machen können. Denn unter dem Strich haben Sie überhaupt nichts falsch gemacht. 

Fazit
In der Golfklasse sind die Kämpfe leise, aber hart. Alle Hersteller buhlen um die Käuferschaft, jener Schlag Leute, die einfach nur ein gutes Auto haben wollen, Punkt. Und all diese Hersteller tun dies immer weniger durch Mut, Emotionen oder Revolutionen, sondern immer mehr durch altbewährtes, der Farbe Grau und dem Fahrgefühl eines guten, fabrikneuen Bürostuhls. Risiken geht man keine ein und genau dort hat man bei Opel auch angedockt. Der neue Astra ist wie der Alte, einfach ohne dessen Macken und Mankos und daraus lässt sich kein Vorwurf stricken. Sie haben den Astra einfach sanft perfektioniert und sich damit dort im Markt eingereiht, wo sich schon so viele tummeln. Gratulation Opel, ihr habt zuverlässig und akkurat dasselbe getan, was alle anderen auch tun. 

Kaufen?
Kaufempfehlungen in der Golfklasse empfinde ich je mehr desto absurder. Die Fahrzeuge unterscheiden abgesehen von Optik und Designsprachen kaum noch voneinander. Das Universalrezept, dass man sich einfach am Wolfsburger Mitbewerber orientiert ist kein schlechtes. Und es lässt sich nicht abstreiten, dass sich fast alle Hersteller penibel daran halten, dieselben Qualitätsstandards bieten und sogar innerhalb ihrer eigenen Designkonzepte keine grossen Sprünge mehr machen. Der Astra ist da keine Ausnahme, das Rezept wurde konsequent umgesetzt, es lässt jedoch wirklich Mut vermissen, dieses Auto mit dem Blitz, ganz ohne Salz und Pfeffer. Mal schauen, was die Franzosen zukünftig an Finessen in die neuen Opels einbringen. Wehe, ihr macht dieses Auto schlechter! 

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Über Duck@Cars

Mit dem Drehmomentschlüssel in der Hand zur Welt gekommen, aufgezogen mit Super verbleit. Wenn andere mit Lego gespielt haben, hat er Reifen gestapelt. Das ist Duck. Und das ist Quatsch. Tatsächlich ein Bürohengst der IT-Sorte, gerne und viel unterwegs und noch viel lieber hinter seinem Instrument. Benzin im Blut. Maschinen im Kopf. Rad ab.

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