Mazda 6 Sport Wagon Skyactiv 150 4WD "Ambition"

Vorwort
Das Land der Mittelklassekombis ist ja ein ruhiges. Nicht so wie bei den SUV'lern, wo es gerade zu und her geht wie in Mordor und ein Ork nach dem anderen mir erhobener Streitaxt in den Markt reinstürmt. Kombis sind seit Urzeiten Bestandteil aller Modellpaletten, sie sind parkplatzkonform, geräumig und gelten als vernünftig. Beherrscht wird der Markt der Kombis von den Passaten, dem Volk der Wagen. Und damit haben Sie nicht viele Thronschubser zu befürchten, werden die Passaten doch beschützt von den Superben, den A6en und den Frodos der Kombiwelt, den Octavias.

Was denn?
Ein Mazda 6 Sport Wagon Skyactiv 150 4WD. Damit ist eigentlich alles gesagt, sechs Gänge, 150 Diesel-PS und präsente 380Nm, verteilt auf alle vier Räder. 




Da lacht der Weisskittel


Laufleistung
8600km.

Wie weit?
ca. 150km.

Erster Eindruck
Gross. Der Mazda 6 Kombi ist schon eine Menge Blech. Und dafür ist er wiederum ziemlich gekonnt und filigran gezeichnet. Das aktuelle Markengesicht von Mazda wird mit ordentlich Chrom(imitat) verziert und das sieht auch ziemlich schnieke aus. Nach gängiger Meinung sind die Japaner ja oft nicht so geschickt, wenn es um solche Feinheiten geht und auch meine eigene Erfahrung bestätigt dies doch auch ab und zu. Doch hier kann ich gut damit leben, die Formensprache des Mazda ist eine eigene und damit auch unverwechselbar. 

Zeigefinger (Assistenzsysteme)
ABS, ESP, Totwinkelassistent und Spurwarner.

Innenraum
Auch hier, die Japaner üben sich in vornehmer Zurückhaltung. Keine Knopforgien oder Bedienkonzepte mit der Grundlage einer explodierten Hifianlage aus den 90ern. Extravaganzen erlaubt sich der Mazda in seinem Inneren keine und auch die Materialien machen einen klassenüblich wertigen Eindruck. Lediglich die farb- und kontrastlose Gestaltung hinterlässt einen etwas gelangweilten Eindruck. Aber wie gesagt, wir sind ja nicht in SUV-Mordor und wollen da auch gar nicht hin. Alles voll korrekt. 



Der Sitzkomfort weicht ebenso nicht von den geltenden Normen ab. Eher weich gepolstert ist der Fahrersitz ein anschmiegsamer Geselle der sich auch auf weiten Strecken unauffällig verhält. In dieser Ausführung wurde dem Gestühl Stoff gegeben, was dem guten Gesamteindruck des Innenraums keinen Abbruch tut. 



Die ersten Meter
Kleiner LKW. So klingt der 6er beim Kaltstart, dumpf nagelnd. Das tut er aber auch eher zurückhaltend, der Innenraum ist üppig gedämmt und das unterstreicht schon auf den ersten Metern den Eindruck, dass es sich hier um ein ziemlich erwachsenes und solides Auto handelt. Fein auch schon auf den ersten Metern, die Frontlaternen mit LED-Leuchtmitteln und aktivem Kurvenlicht. Nix zu meckern hier.

Nach zehn Kilometern
Abgesehen davon, dass sich der mittlerweile warme Diesel komplett aus der Wahrnehmung des Fahrers entzogen hat, hat sich der erste gute Eindruck nicht verändert. Gelassen bügelt der grosse Mazda über die nächtliche Autobahn und lässt etwas Entspannung aufkommen.

Multimediaplunder
Mazda erlaubt dem 6er auch in der Unterhaltungssparte keine grossen Sprünge. Das 7" grosse Display auf dem Armaturenbrett ist top ablesbar und die Bedienung desselben erfolgt entweder durch ein Drehrad in der Mittelkonsole oder die körpereigene Peripherie, (Wurst)Finger.


Meistens jedenfalls. So ganz schlüssig wurde mir die Bedienung dieses Systems nämlich während der kurzen gemeinsamen Zeit nicht. Nicht dass das System unsäglich kompliziert wäre, aber ein wenig mehr intuitive Benutzerführung würde nicht schaden. Und was dem Standardsystem ebenfalls nicht schaden würde, wäre etwas mehr Liebe bei der Lautsprecherbestückung. Auch dieser Japaner ist leider keine Ausnahme, wenn es darum geht, fast schon etwas unterdurchschnittlich motiviert mit der Wiedergabe von Musik umzugehen. Oben wie untenrum klingt das alles etwas dünn. Abhilfe würde da vermutlich nur die gehobenere Ausstattungslinie "Revolution" bieten, dort ist nämlich von Haus aus ein Bose System verbaut. 

Konnektivität ist wiederum keine Schwäche welche sich das System im Mazda leistet, USB, Klinke, Bluetooth, alles da. 

Die Fahrt
Meine Heimreise gestaltet sich seltsam vertraut. Der Mazda ist bereits nach weniger Kilometern ein freundlicher und alles andere als ein fremder Gefährte. Die Lenkung ist überraschend direkt und das manuelle Sechsganggetriebe leistet keinerlei Widerstand beim Wechseln von Fahrstufen. Der Motor ist im warmen Zustand so gut wie gar nicht wahr zu nehmen und würde ich es nicht wissen, ich könnte so nicht mit Bestimmtheit sagen, ob es sich hier um einen Diesel oder Benziner handelt. Damit spult der lange Lulatsch Kilometer um Kilometer locker flockig runter und ich werde langsam davon überzeugt, dass ich hier mal wieder mit einer grauen Maus aus dem Kombiregal unterwegs bin. Wenn auch eine ziemlich grosse graue Maus.


Irgendwann fällt mir auf, dass ich den 6er eigentlich noch gar nicht durchgetreten habe. Das liegt hauptsächlich daran, dass der Selbstzünder keine Gewalt braucht, um den grossen Kombi in Schwung zu bringen. Bei vielen anderen Autos ist das Pedal bereits an der ersten Autobahnauffahrt im Teppich, einfach weil sonst nix geht. Aber dieses Triebwerk kommt früh mit seinem üppigen Drehmoment an den Start und auch dies unterstreicht den eher gelassenen Charakter des 6. 

Trotzdem, das kann so nicht weitergehen. Das Auto wird schliesslich als "Sport Wagon" bezeichnet, also fahr ich mal kurz rechts ran und mach mich psychisch bereit für einen Sprint auf die erlaubte Höchstgeschwindigkeit. Grosse Hoffnungen habe ich keine, bis anhin hat sich das Auto eher zurückhaltend verhalten und war jetzt nicht unbedingt das, was ich temperamentvoll nennen würde. Und dann kommt doch noch die grosse Überraschung. Erstmal, der Allradantrieb lässt den Wunsch nach einer Traktionskontrolle gar nicht aufkommen. Und nach dem guten Antritt aus dem Stand dreht der Diesel mühelos und durchaus agil bis 5000 Umdrehungen, ich hätte vom subjektiven Eindruck her mehr als 150PS vermutet. Und ich bin angenehm überrascht, man kann den Kombi durchaus mal sportlich fliegen lassen und dabei macht die stramme Lenkung auch wirklich Sinn. Trotz wabbliger Winterbereifung zirkelt die graue Maus unangestrengt durch Kurven, so ein ganz klein wenig Spass macht er dann doch noch, der Grosse von Mazda. Auch weil das Heck nicht so tot rüberkommt wie bei den frontgetriebenen Klassenkameraden. 

Dieser Aha-Moment begleitet mich dann auch noch für den Rest meiner Heimreise. Ich denke, gerade der Allradantrieb reisst's beim 6er raus, das üppige Drehmoment äussert sich nicht durch plötzlich aufkommendes Eigenleben in der Lenkung und blinkende ESP-Lämpchen sondern einfach nur in selbstverständlichem und souveränen Vortrieb. Noch lustiger wäre das Triebwerk nur in Verbindung mit Heckantrieb, dies würde nochmal eine gute Portion Sport in den Wagon packen. Aber dafür gibt's ja auch noch andere Hersteller. Und mal unter uns, es ist ja immer noch ein 150PS-Kombi welchen die Nachbarn höchstens beiläufig mal am Rande wahrnehmen und kein Auto, welches man sonntags um vier Uhr früh über die nächstgelegene Passstrasse schmeisst. 

Zurück im heimischen Fuhrpark gehe ich nochmal um den grauen Kombi rum. Er gefällt mir immer noch und nach unserer kurz anmutenden Reise denke ich für mich so; "Gutes Auto". Ich gebe den Schlüssel ab und laufe in Richtung Parkhaus, wo meine C-Klasse wartet. Und ich drehe mich unbewusst nochmal nach dem Mazda um und denke nochmals; "Gutes Auto". Nicht übel Mazda, das schaffen nicht viele.

Fazit
Im Vergleich zu seinen hauptsächlich deutschen Mitstreitern schlägt er sich wirklich sehr, sehr wacker. Er braucht sich nicht vor Passat & Co. zu verstecken. Trotz der überraschenden Agilität ist er aber keine wirkliche Alternative (abgesehen von den Anschaffungskosten) zu einem Dreier oder Fümpfer. Gegenüber den Audis fehlt es etwas an Liebe zum Detail im Innenraum. Betrachtet man den Mazda 6 aber in Summe, dann tut sich die Konkurrenz in einigen Punkten etwas schwer. Gerade das Triebwerk hat in Kombination mit dem Allradantrieb eine Menge Punkte gemacht. Und das bei mir als notorischen Dieselhasser. Und vielleicht auch darum, dass der 6er nicht als der Pseudosportler daherkommt, welcher dann nach den ersten paar Metern keuchend nach Luft schnappt, trotz gedrückter Sporttaste und bedrohlich rot beleuchteten Armaturen. Damit ist der Mazda 6 zwar immer noch eine grosse, graue Maus, aber eine überraschend agile. 

Kaufen?
Mich wundert, dass nicht mehr von den Mazdas auf der Strasse zu sehen sind. Das Auto ist richtig gut zu fahren, sieht gut aus, kostet weniger als ein Flugzeugträger, hat einen souveränen Antrieb und gute Technik verbaut. Auch bei diesem Kombi lohnt sich der Blick über die Grenzen des Reiches der Passaten, bietet er doch eine Menge Ausstattung und einen tollen Fahreindruck für tendenziell weniger Penunzen. Also ja, der Mazda 6 ist kaufbar. 
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Über Duck@Cars

Mit dem Drehmomentschlüssel in der Hand zur Welt gekommen, aufgezogen mit Super verbleit. Wenn andere mit Lego gespielt haben, hat er Reifen gestapelt. Das ist Duck. Und das ist Quatsch. Tatsächlich ein Bürohengst der IT-Sorte, gerne und viel unterwegs und noch viel lieber hinter seinem Instrument. Benzin im Blut. Maschinen im Kopf. Rad ab.

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