Nissan Qashqai N-Connecta 1.6dCi

Vorwort
Das war's dann mit dem süssen Leben, Orgien in Hubraum und Drehmoment, rumfläzen in Tierhäuten und wohlriechenden Hölzern, der Geruch nach verbranntem Gummi und verdampfenden Betriebsflüssigkeiten. Zurück in der "sichtbaren" Autofahrerwelt angekommen erwartet mich der graue Autofahreralltag. Kleine Benziner, schnatterige Diesel, aufmüpfige Kleinwagen und diese unfassbar langweilige Vernunft. Bäh. Wo ich doch unvernünftige Autos so mag. Und sie mich.
 
Was denn?
Ein Nissan Qashqai N-Connecta 1.6dCi mit 130PS, sechs manuelle Gänge und entgegen der hochbeinigen Optik Frontantrieb.
 

 
 
Laufleistung
8'600km.
 
Wie weit?
160km, wie man sieht nachts und das meiste davon Autobahn.
 
Handbuch gelesen?
Ich weiss, das überrascht jetzt extrem, aber nein.  
 
Erster Eindruck
Eine erschreckte, graue Maus. Nichts aufregendes, aber auch nichts, was in mir jetzt den Wunsch aufkeimen lässt, so lange in die Parkhausbeleuchtung zu starren  bis ich vorübergehend erblinde. Der Qashqai ist grundsätzlich ein korrektes Auto, abgesehen von dem wirklich saublöden Namen. Nach dem Q kommt immer ein U und meine Backslashtaste hat heute deswegen schon Überstunden gemacht. Die Bedeutung gründet in einem Nomadenstamm, der im Südwesten des Irans seinen Ursprung hat. Was das mit einem geländeuntauglichen Soft-SUV mit Frontantrieb gemeinsam hat ist mir ein Rätsel, aber es gab auch schon wesentlich unglücklichere Namensgebungen.  
 
Zeigefinger (Assistenzsysteme)
ABS, ESP, Fernlichtassistent, Spurhalteassistent, Notbremsassistent, Totwinkelassistent, Kaffeeempfehlungsassistent. Im Kaschkwatsch sind also eine Menge Assistenten unterwegs.
 
Innenraum
Ja, ich weiss, die Bilder sind sehr dunkel. Das lag daran, dass dies wirklich die letzten Bilder von meinem damaligen Handy mit der sterbenden Kamera waren und es war dummerweise gerade auch noch Nacht. Aber, viel verpassen tut man deswegen nicht, es ist nämlich alles grau, teilweise noch etwas grauer und auch schwarz. Dem Innenraum des Kraschkalif geht der Charme mancher Europäer ab, daran ändert auch tiefschwarz glänzendes Rotzmagnetenplastik nix. Alles erscheint ein wenig härter und grobschlächtiger. Man kann aber auch sagen, dass der Innenraum solide gebaut ist und vermutlich auch nach einigen Jahren nicht so speckig und abgewetzt daherkommt, wie so manch anderes Interieur.
 

Wo es ebenfalls noch Potential gäbe wäre in der Ergonomie. Schalter und Knöpfe sind nicht nur in Form und Grösse zahlreich, sondern auch noch weitläufig verstreut. Allein auf der Höhe und oberhalb des linken Knies finden sich z.B. nochmal eine Handvoll Knöpfe für die Assis und Helligkeit der Armaturenbrettbeleuchtung. Dass gerade die Fensterheberschalter ihr Dasein unbeleuchtet in der Finsternis fristen müssen versteh ich auch nicht. Und die Knöpfe und Wippenschalter auf dem Lenkrad erinnern mich an den 2004er Toyota Corolla.  Kurz; im Quatschkai muss man sich erstmal an die Bedienung und Materialien gewöhnen. Dann wird's aber sicher gehen.

Das von mir beanspruchte und beheizte Stoffgestühl verdient Lob. Die Sitzposition ist angenehm und SUV-typisch hoch und einigermassen straff gepolstert. Natürlich ist der Sitz nicht sportlich konturiert, aber wozu auch, der Kratschei ist auch kein Sportler.

 
Die ersten Kilometer
Es dieselt. Es nagelt. Der kalte Motor ist kein Ohrenschmeichler. Abgesehen davon ist das Auto aber erfreulich übersichtlich, die Zirkelei durch das Parkhaus gestaltet sich entspannt und fernab jener Randsteine, an welchen schon eine Menge schwarzes Gummi klebt.
 
Nach 10 Kilometern
Der Diesel ist mittlerweile warm und damit auch ruhig(er). Die Autobahn scheint aber nicht das bevorzugte Terrain des Kasparkei zu sein, zugleich straff gefedert und doch etwas schwammig sucht sich das Auto immer wieder mal neue Wege. Es fehlt etwas an Gefühl in der Lenkung, der Spurassistent erweist sich als hilfreich, wenn auch nicht als absolut notwendig. Ein gewisses Mass an Aufmerksamkeit für die Strasse hat denselben Effekt, man ballert nicht in Leitplanken rein.  
 
Multimediaplunder
Nissan Connect nennt sich das in meinem Exemplar verbaute Mediasystem. Nissan scheint den Trend des Internets der Dinge durchaus erkannt zu haben und mit dem Nissan Connect System scheint man einige Ideen in die Tat umgesetzt zu haben. Sicherlich nicht die krasseste Neuheit, aber trotzdem sinnvoll empfinde ich die Möglichkeit, Navigationsrouten vom heimischen Rechner oder Handy aus auf das System zu schicken. Wo ich mich aber mal kurz an der Schläfe kratzen möchte, ist bei den Möglichkeiten auf Facebook und Twitter zu surfen, News zu lesen, einen Tisch im Restaurant oder ein Hotel via Tripadvisor zu buchen. Und damit der Internetkram funktioniert, braucht es ein Smartphone mit Internetzugang und eine dazugehörige App. Scheint mir ziemlich doppelt gemoppelt und ich sehe jetzt keinen grossartigen Mehrwert darin, Messaging etc. auf einem Display in einer Mittelkonsole abzuwickeln. "Gesendet von meinem Nissan Connect", so ein Vermerk unter dem Fratzenbuchstatus hat irgendwie etwas leicht Peinliches. "Gesendet von meinem Hello Kitty Föhn" wäre zwar auch nicht wirkich der Hammer, hätte aber wenigtens das Potential, um eine Konversation zu starten.


Die Kernaufgabe, nämlich die Wiedergabe von Musik, erledigt das System natürlich auch, ab CD, USB, SD oder Bluetooth, dies aber aber nicht sehr gefühlvoll. Dafür, dass man hier einen auf moderne neue Medien macht, klingt gerade basslastiges Chartgedöns ziemlich pampig. Und auch etwas eher feiner produzierte und detaillierte Musik klingt wie wenn Sie aus einem Keller hochdröhnt. Wirklich, was haben die Japaner gegen gute Lautsprecherbestückungen in Ihren Autos?

Die Fahrt
"Wenn ihre Vernunft Begeisterung sucht" - so wird der Knatschkai bei Nissan zusammenfassend beschrieben. Und das ist eigentlich nicht mal so unzutreffend. Tatsächlich kommt die graue Maus ziemlich vernünftig daher, wenn es um den Fahreindruck geht. Hier locken keine übermässigen Leistungsreserven unter dem Gasfuss. Die Schaltung gehört zu jenen Exemplaren, welche die Knackigkeit von drei Wochen altem Salat haben, aber dennoch präzise sind. Auch erwartet den ambitionierten Fahrer keine messerscharfe oder übermässig direkte Lenkung und verführt so zur flotten Kurvenhatz. Und auch das Fahrwerk ist eines jener Sorte, welches seinen Job sehr gut macht, aber dabei keine schlafenden Emotionen weckt. Also ja, meine Vernunft frohlockt wahrlich und scheint über den Watschbrei mehr als verzückt zu sein. Mein Autofahrerherz aber, das weint, nein es hat einen regelrechten Heulkrampf. So stell ich mir die komplette Resignation vor, wenn man mit dem Autofahren als Spassveranstaltung abgeschlossen hat.

Wie schon erwähnt, Autobahnen sind nicht das bevorzugte Terrain des nissanschen Nomaden. Er mag immer wieder etwas korrigiert werden, die Lenkung ist um die Mittellage etwas arg gefühllos und die 130 Dieselpferde mögen auch keine flotten Überholsprints. Man zieht auf die Autobahn rauf, drückt den Tempomaten und wartet einfach, bis die Zielausfahrt erreicht ist. Dazwischen passiert nicht viel im Land der Emotionen, dafür aber wälzt sich die Vernunft in einem Kissenmeer der Sorglosigkeit und wähnt sich dabei in der absoluten Sicherheit, dass keine führerscheingefährdenden Tempoexzesse stattfinden werden. Was für ein Kontrast zu letzter Woche, als mir Drehmoment und Leistung mit einem Bagger vor die Füsse gekippt wurden.

Abseits der Autobahn ist schon eher die Welt des Latschei. Übersichtlich wie er ist, ist das Rangieren in Stadt und Kuhkaff keine grosse Herausforderung und wessen Vernunft keine flott ausgeführten Parkmanöver mag, der wird von Kameras und Radar an allen Ecken und Enden des Autos unterstützt. Abseits der schnellen Strassen funktioniert das Auto also wunderbar und ist im urbanen Umfeld wirklich sehr praktisch.  

Praktisch scheint übrigens das Motto der Konstrukteure gewesen zu sein. Trotz dem einen oder anderen Manko glänzt der Nissan durch viele Detaillösungen, die den Alltag erleichtern sollen. Die einen tun das etwas mehr, die anderen etwas weniger, aber grundsätzlich kann man dem Auto eine gute Alltagstauglichkeit attestieren. Zumindest so weit ich das in der kurzen Zeit beurteilen konnte.

Viel mehr gibt es von der Fahrt leider nicht zu berichten, wie gesagt, zwischen dem Ein- und dem Aussteigen passiert nicht viel. Und das fasst den Kaschkei ziemlich gut zusammen, unauffällig, grau, vernünftig. Langweilig.

Fazit
Der Erfolg gibt Nissan eigentlich Recht, der Qashqai ist ein Auto für die Masse. Der Trend zu dem frontgetriebenen SUV wird bedient, die Bude wird aber trotzdem als Vernunftsauto beworben. Dazu spickt man das Auto unter Hilfe von einem Multimediasystem in die Onlinewelt, Facebook, Twitter, Apps und was sonst noch alles zum sozialen Überleben wichtig erscheint. Das scheint zwar sehr hip und modern, aber eigentlich ist es aber schon wieder etwas unvernünftig und ich für meinen Teil geniesse die Zeit im Auto oder Flugzeug, da kann man endlich mal offline sein. Lässt man aber diese ganze Vernetzungsgeschichte weg, bleibt immer noch ein modernes und praktisches Auto mit all dem anderen Schnickschnack, mit dem man vor ein paar Jahren noch dicke Premiumlimousinen ausgestattet hat. Sehr vernünftig also.

Kaufen?
Ja nu, was ist die Alternative? Im Markt dieser Soft-SUV's tummeln sich viele andere mehr oder weniger grauen Mäuse. Der Nissan scheint aber tatsächlich noch die vernünftigste all dieser grauen Mäuse zu sein. Die Motorisierungen sind moderat, die Ausstattungen eher üppig. Sportlich steht auch nicht auf dem Zettel, der Qashqai ist also fernab jeglicher Schandtat. Also ja, wer auch bei der Preisgestaltung Vernunft walten lassen will, macht mit dem Nissan vermutlich nix falsch.  
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Über Duck@Cars

Mit dem Drehmomentschlüssel in der Hand zur Welt gekommen, aufgezogen mit Super verbleit. Wenn andere mit Lego gespielt haben, hat er Reifen gestapelt. Das ist Duck. Und das ist Quatsch. Tatsächlich ein Bürohengst der IT-Sorte, gerne und viel unterwegs und noch viel lieber hinter seinem Instrument. Benzin im Blut. Maschinen im Kopf. Rad ab.

1 Kommentare :

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