2016 im Jahresrückblick

Vorwort
Schon der zweite Jahresrückblick. Und tatsächlich, ich konnte wirklich so manche positive Entwicklung in meiner Buchstabenbäckerei verzeichnen. Ich arbeite an der Qualität der Bilder, die Zugriffszahlen steigen und es ergeben sich immer wieder wertvolle Bekanntschaften, alles auch ohne, dass ich jemanden dafür bezahle oder selber für irgendwas bezahlt werde. Es war auch so ein wenig das Jahr meine Träume und es tut mir jetzt schon leid, aber es wird grad etwas sentimental und kitschig. Denn traumtechnisch war im 2016 die ganze Bandbreite da; schön, feucht, alb und so oft auch albern. Deswegen habe ich im Rahmen meines verträumten Resümees  vermutlich auch eine wirklich schreckliche Collage gebastelt die aussieht, als ob ich dabei geschlafen hätte. Sorry.
 
 
 
war meiner. Ich Egosau. Den Chevy Camaro habe ich mir ja eigentlich schon im 2015 im Rahmen einer Reise in die USA aus dem Konto gesprengt. Und damit habe ich mir einen lange gehegten Wunsch erfüllt, den nach einem dummen, durstigen und alten Musclecar. Am 03. März wär's dann so weit, klein Chevy wurde bei mir vor der Haustür abgeladen. Was habe ich mir fast in die Hose gemacht vor Freude.
 
 
Ja, seitdem erfreut mich dieser ungezügelte Säufer mit seinem klapprigen Charme und dem entspannenden Sound seines Smallblock V8's. Das tut er überraschend zuverlässig, einzig ein Massefehler hat mal eines der Standlichter ausgezwickt. Und auch wenn ich eigentlich nie ein Cabrio haben wollte, gab es doch die eine oder andere Fahrt an den warmen Tagen, die ich offen genossen habe und dabei die Vorzüge einer Kopfbedeckung zu schätzen gelernt habe. Ein Sonnenstich hat mich an einem Sonntag im Juli mal kurz niedergeknüppelt, aber das war's wert. Damit bin ich dann auch angefixt, ich mag noch mehr solche Autos haben.
 
Ein Albtraum. Im Rahmen eines weiteren spontanen Aufenthalts in den USA waren wir auf natürlich ein Fahrzeug angewiesen. ÖV's sind ja nicht so das Ding der Amis und auch wir waren uns eigentlich völlig sicher, dass wir im Land der unzähligen Zapfsäulen standesgemäss acht Töpfe befeuern wollten, so wie immer. War aber im 2016 nix.
 
 
Anstelle eines uns schon vertrauten und heiss geliebten Chevy Tahoe's stellte man uns einen fabrikneuen Ford Expedition mit einem V6 Ecoboost Playmobilmotor hin. Also, nicht dass der aufgeladene V6 zu wenig Dampf gehabt hätte, aber dieser Schrank war in Summe so ein Haufen deprimierenden Blechs, dass ich über die 10 Tage unseres Aufenthalts einen regelrechten Hass auf das Auto entwickelt habe. Die Leistungsentfaltung glich eher einem Containerschiff und dass das Getriebe seine Gänge in Baywatchzeitlupe sortiert hat, machte den Aufenthalt in der grobschlächtigen Plastiklandschaft auch nicht besser. Ein spontaner 270° Richtungswechsel auf einer vierspurigen Kreuzung irgendwo in Venice FL bestätigte unseren Eindruck, man kann mit einem Motorhome nur schwer driften.  Immerhin, die Klimaanlage haben Sie anscheinend aus einem Footballstadion aus- und in den Expedition eingebaut. Aber in Summe, schrecklich.
 
Und wieder auf der schönen Seite des Autofahrerlebens. Ich muss ja gestehen, dass mich Briten nicht so packen, wie es z.B. die Amis oder auch die deutschen Hersteller tun. Bei Jaguar ist die Ausnahme aber fast schon eine Regel. Absolut keinen Zweifel gibt es bei dem für mich sowieso schönsten Briten überhaupt und einem meiner Top-3 Autos. Der E-Type Roadster.
 
 
Dass der E ein wunderschön gezeichnetes Auto ist, wusste ich ja schon von unzähligen Bildern oder der persönlichen Begegnung an Szenemeetings. Aber selber fahren? Ich war etwas skeptisch, denn gerade alte Briten geniessen oft den (unberechtigten) Ruf, fragile Klapperkisten zu sein und sich schrecklich zu fahren. Ich fürchtete also ein wenig darum, dass der Mythos E-Type für mich persönlich eine wirklich üble Delle abkriegen würde, sollte ich wirklich selber dieses Auto zu spüren kriegen. Aber kurz gesagt, dem war nicht so. Der E-Type bleibt mir als ein wirklich agiles und lebendiges Spassgerät in Erinnerung, welches ich nun auch haben möchte. Schöner Mist verdiene ich meine Kohle nicht mit dem Handel von bewusstseinserweiternden Substanzen oder HP MoneyJet Printern. Aber ich jammere nicht, immerhin hatte ich dieses riesige Glück, dieses Meisterwerk und den feuchten Traum von so vielen Petrolheads selber zu fühlen. Nicht selbstverständlich.
 
Ich blieb noch ein wenig im Königreich der alten Briten. Auf eben einem der Szenemeetings im Sommer lief ich zweimal an meinem nächsten Highlight vorbei, bevor ich erkannte was für ein Juwel ohne Glanz da vor mir stand.
 
 
Zweifelsfrei handelte es sich hier um ein absolutes und wirkliches Unikat. Ich wär völlig baff ob der morbiden Schönheit dieses alten Briten und ich wollte mehr über diesen schwarzen Ritter erfahren. Nach ein wenig Recherche war der Besitzer ausfindig gemacht und man zeigte sich bereit, mich in die Nähe des DB2/4 Mark III zu lassen. Und zwar so, dass ich locker zwei Stunden lang mit meiner Spiegelreflex um das Auto herumturnen durfte. Auch das, nicht selbstverständlich. Zurück bleibt für mich persönlich die Ehre, dass ich auch diese Ansammlung von Handwerkskunst anfassen, riechen und vor allem hören durfte. Und mein Gott, war dieser Aston laut! Unvergesslich.
 
Wenn's läuft, dann läuft's. Anders kann ich das irgendwie nicht erklären, dass ich innerhalb weniger Monate gleich zwei meiner automobilen Helden persönlich kennenlernen durfte. Kurzzeitig dachte ich, dass ich wohl demnächst tot umfalle und mir mein Karma noch den einen oder anderen Gefallen machen wollte, bevor ich an einem Steak ersticke und dann ins Gras beisse.
 
 
Der Flügeltürer war für mich eigentlich immer einer der wenn nicht sogar der schönste Sportwagen aller Zeiten. Auch hier, dass ich diesem Auto mal so nahe komme, hätte ich mir so nicht ausgemalt. Trotzdem geschah es, dass ich auch den Benz an einem wunderschönen Herbsttag von allen Seiten fotografisch festhalten durfte. Und auch wenn der alte Herr erst bei der zweiten Begegnung für eine Ausfahrt willig war, litt der Heldenmythos aus meiner Sicht überhaupt nicht. Er war wirklich ein bemerkenswerter Sportwagen, als solcher gebaut und auch als solcher gefahren. Die Qualität der Restauration war auf einem nie dagewesenen Level und so perfekt, wie dieser Tag mit dem SL gewesen war. Nicht selbstverständlich.
 
Ich hätte meinen linken Schneidezahn darauf verwettet, dass es nicht mehr schlimmer kommen konnte, als es im Juli mit dem Ford Expedition gewesen war. Wurde es, im November. Die Franzosen hatten es nach dem Mégane im 2015 tatsächlich schon wieder geschafft, die mieseste Erfahrung des Jahres auf die Räder zu stellen. Also, für meine persönlichen Massstäbe.
 
 
Dasselbe Rezept wie bei Mégane, ein lust- und emotionslos zusammenkonstruiertes Etwas, welches grad so die Minimalanforderungen an ein Auto erfüllt. Es fährt von A nach B und kann Bremsen. Alles andere, Innenraum, Bedienung, Motorisierung und Antrieb wurde bei diesem Auto einfach irgendwie gemacht, aber anscheinend ohne solchen Dingen wie Fahrspass, Laufkultur, Optik, Haptik oder Charme Beachtung zu schenken. Pfui, wäh, geh weg! 
 
Alfa Romeo Giulia
Mein Herz schlägt wirklich schneller, wenn feurige Italiener mein Blickfeld erfassen und das muss nicht zwingend ein Ferrari oder Maserati sein. Die Giulia fand ich schon auf den Pressebildern im letzten Jahr absolut atemberaubend, dass sie mir in der wirklichen Welt aber dermassen den Sabber aus dem Gesicht treiben sollte, damit habe ich nicht gerechnet.
 
 
Nicht nur optisch ein Kracher, auch fahrdynamisch ist dieser Alfa wieder ein echter Alfa. Sportlich, heckangetrieben und ehrlich. Dieses Auto war nicht nur für mich eine Klatsche, sondern auch für die versammelte Konkurrenz in Ihrem Segment. Nur wenige Autos funktionieren in einem sündigen Rot. Eine C-Klasse? Ein 3er BMW? Ein Toyota Avensis? Niemals. Mein grösster Wehrmutstropfen war, dass ich nicht mehr Zeit mit der Giulia hatte. Ich hätte auch für Sie gerne die Spiegelreflex  dabei und einen Nachmittag Zeit gehabt um ihr den Auftritt in meinem Kiosk hier zu verschaffen, den Sie verdient hätte. Leider blieb es bei einer gehetzten Fahrt zum Flughafen und Bildern von einem Handy, dessen Kamera im Sterben lag. Ich gebe aber die Hoffnung nicht auf, wieder einmal auf die Giulia zu treffen. Dann werde ich Sie zum Essen  an den See fahren, sie im besten Licht erscheinen lassen und meine C-Klasse sowas von betrügen, dass ich nachher Rückenschmerzen haben werde.  
 
Ein weiteres und das jüngste Highlight in meiner Laufbahn als Treibstofffanatiker war der Spritwoch im Dezember. Aufgrund einiger spontaner Entscheidungen verschiedener Leute kam es, dass man sich traf, einzig und alleine dem Zweck, eine Menge Hubraum zu befeuern.
 
 
Nicht nur, dass die beiden Probanden mit ihren grossen Sauger V8's einen wunderschönen Soundtrack über die ausgemergelte Landschaft gelegt haben. Auch die Standzeiten dazwischen, im Gespräch unter Autonarren waren an dem Spass, welchen man an solchen Autos haben kann, kaum zu überbieten. Und auch wenn man sich absolut einig war, dass ein saugender V8 mit Hubraum jenseits der sechs Liter ein zuverlässiger Garant für Fahrspass sein muss, wurde doch der eine oder andere Horizont erweitert. Auch meiner. Dass schlussendlich auch noch Blut geflossen ist rundete mein Jahr gebührend ab. Autos können zur Herzensangelegenheit werden. Und dafür spende ich gerne mal ein wenig Herzblut.
 
Danke.
An die Leser, die hier regelmässig reinschauen, kommentieren, mir Mails schreiben und damit auch wertvolles Feedback geben. An diejenigen, welche sich dieses Jahr die Zeit genommen haben, um mir hier so einiges zu ermöglichen. Ich fühle mich geehrt und auch ein wenig privilegiert, dass ich das hier alles so tun kann, wie ich es möchte, das betrachte ich nicht als selbstverständlich.
 
Und danke an den Peugeot 3008, welcher meine Massstäbe zuverlässig und ohne Rücksicht auf Verluste nach unten verschoben hat. Dann als ich dachte, es kann nicht mehr viel schlimmer kommen. Wenn die Franzosen für 2017 den Hattrick voll machen wollen, ich bin sowas von bereit. Es muss aber nicht unbedingt sein, gebt anderen auch mal eine Chance.
 
 
 
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Über Duck@Cars

Mit dem Drehmomentschlüssel in der Hand zur Welt gekommen, aufgezogen mit Super verbleit. Wenn andere mit Lego gespielt haben, hat er Reifen gestapelt. Das ist Duck. Und das ist Quatsch. Tatsächlich ein Bürohengst der IT-Sorte, gerne und viel unterwegs und noch viel lieber hinter seinem Instrument. Benzin im Blut. Maschinen im Kopf. Rad ab.

3 Kommentare :

  1. Hallo Duck, sehr schöner Rückblick! - Ich hoffe sehr, dass Du weiterhin in der gewohnten Kurzweiligkeit berichtest.
    Du kannst nicht jedes Auto rückblickend erwähnen, das ist klar. Aber dass der BMW - Du weisst, welchen ich meine! - es nicht hier in den Rückblick geschafft hat, ist eine Frechheit sondergleichen. :D

    Viele Grüße aus Sachsen,
    Eno.

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    1. Hi Eno

      Falls du DEN BMW meinst, der war noch 2015 ;-)

      Gruss
      Ente

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    2. Ja, ich meine DEN BMW ;)
      Ohje, hab grad noch einmal geschaut. Das war tatsächlich schon 2015 - unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht. Ich hätte Stein und Bein geschworen, dass das irgendwann 2016 war.

      Ich nehme meine Unmutsbekundung zurück und bitte um Entschuldigung! ;)

      Eno.

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Kommentare und Kritik sind immer herzlich willkommen. Grundsätzlich wird jeder Kommentar veröffentlicht und ggf. spiele ich auch noch Senfautomat. Auf verletzten Markenstolz gehe ich aber idR nicht ein.
Nicht veröffentlicht wird all jenes Zeug, welches unsere geschätzten Rechtsverdreher so zum Leben benötigen. Dazu gehören Beleidigungen, Verleumdungen, Rufmord etc.

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