Peugeot 3008 Crossover Blue HDi S&S

Vorwort
Höhenflüge sind was schönes. Sie beweisen, dass das Leben nicht immer nur doof, langsam, scheisse, gemein, hässlich, träge, mühsam, schwarz und orange ist. Manchmal kommen Sie wie ein Geschenk rüber, auf dem Silbertablet bei Sonnenschein, überreicht von einer richtig knorken Braut im Feenkostüm und drei freien Wünschen dazu. Aber Höhenflüge hätten auch keinen Stellenwert, wenn man nicht wüsste, wie hoch man eigentlich gerade ist bzw. war. Für diese Eichung der Sinne benötigt es leider auch Tiefflüge. Also hässliche Dinge, welche einem von einem schwer atmenden, nach Schweiss und Ziegen riechenden Typen überreicht werden. So passiert bei mir, nach meinem letzten Höhenflug wurde mir ein Fass voll Schneckenrotz vor die Füsse gekippt. Hatte ich wohl irgendwie verdient...
 
Was denn?
Ein Peugeot 3008 Crossover, 120 Diesel-PS und irgendeine Automatik, vermutlich Frontantrieb.
 
 
 
Ein neuer Tiefpunkt, nicht nur vom Design.  
 
Laufleistung
16'540km.
 
Wie weit?
140 schreckliche Folterkilometer durch die Agglomeration der Hölle.
 
Handbuch gelesen?
Nein. Ich wollt eigentlich gar nix über das Auto wissen.  
 
Erster Eindruck
"Möchten Sie lieber einen Megane Scenic oder..." "Ich nehm' den anderen!" . Ja, da hätte ich mal nicht so vorschnell sein sollen, als mich die nette Dame am Schalter gefragt hat, welches Auto ich lieber hätte um nach Hause zu kommen. Notiz an mich: Man sollte die Leute ausreden lassen! Aber, ich steh zu meinem Wort, also raus ins Mietwagenparkhaus, den aufkommenden Brechreiz an einer schwarzen Giulia abreagieren und erstmal mein Handgepäck in den Kofferraum reinschmeissen. Wobei ich mir an der Heckklappe gleich zwei Fingernägel abgerissen habe, also zwei Nägel mit einer Klappe. Einen nehm' ich auf meine Kappe, aber der andere geht auf den Pöscho. Der 3008 und ich sind jetzt schon Freunde fürs Leben.
 
Zeigefinger (Assistenzsysteme)
ABS, ESP und ein Motor, welcher aufkeimende Raserei schon im Ansatz erfolgreich verhindert.
 
Innenraum
Ich hatte noch Hoffnung auf den Innenraum. Weil dort haben die Franzosen manchmal ein wirklich gutes Händchen, letztens ja gesehen beim Talisman. Aber, meine Hoffnung hat nur eine saftige Backpfeife gekriegt. Ich mein...


Da ist er wieder, dieser Hass eines Designers, dessen Kaffee im Büro vier Euro gekostet und trotzdem nach Watussiurin geschmeckt hat. Ja, es hat hie und da ein paar Fetzen Lederimitat, welches mit feinen Nähten versehen ist. Und ja, die Materialien sind zumindest auf den ersten Blick in der Fahrzeugklasse völlig OK. Aber dem zweiten Blick hält dieser Innenraum nicht Stand, da hilft auch ein Head-Up Display und der aufklappbare Monitor nix.

Erinnern tut das alles irgendwie an längst vergangene Zeiten. Ein DIN-Radio! Die von Rotzplastik umrahmte Schaltkulisse bietet dem Wählhebel keinen Widerstand und das Einlegen einer Fahrstufe klingt wie wenn man etwas aus Lego kaputtmacht. Der einzige Becherhalter ist so klein, dass nicht mal mein Handy reinpasst, was das Ding sonst überall tut. Und dann noch die drei Sorten von Schaltern und Knöpfen, Kippen, Drehen und Drücken. Keiner fühlt sich an wie der andere, aber alle fühlen sich an, als ob sie eigentlich gar nicht gedrückt, gedreht oder gekippelt werden wollen.


Die Sitze sind noch das einzig Gute in dem Innenraum. Sie verhindern, dass ich beim Türaufmachen nicht sofort aus dem etwas höheren Auto falle und sind angenehm straff gepolstert. Und Sie haben Popoheizung, was ich jetzt erst auf den Fotos sehe. Hätt ich das mal an dem Abend gewusst, als ich dieses Vehikel mit nach Hause genommen habe.
 
Die ersten Kilometer
Die ersten Kilometer verbringe ich teils in Fahrt, teils im Stau. Und ich kann mich nicht festlegen, ob der 3008 im Stand oder in Fahrt am meisten Spass macht.
 
Nach 10 Kilometern
Auf dem Tacho steht Kilometer 11 und ich steh im Stau. Ich schreibe wehmütig eine Nachricht inkl. Foto an einen guten Bekannten mit automobilem Sachverstand, dass ich dieses Auto gerne wieder zurückbringen möchte. Seine Antwort bestand aus dem Schokoladensmiley und dem Affen, der nix sehen möchte. Nur mein Heimweh verhindert, dass ich nicht den Rückwärtsgang einlege und die 11km auf dem Pannenstreifen wieder zurückfahre, um dieses Malheur in Schwarz wieder auf seinen Parkplatz zu stellen und zu behaupten, dass z.B. die Reifendruckkontrolle etwas von einem platten Reifen faselt oder Flammen aus dem CD-Einschub gezüngelt haben. Ich schwör! 
 
Multimediaplunder
Wie gesagt, es hat ein DIN-Radio. Und dieses ist gekoppelt mit einem aufklappbaren Display auf dem Armaturenbrett als Informationsdingsbums. Bedient wird dieses Relikt aus dem kalten Krieg blind mit den auch von Renault bekannten aber trotzdem unsäglichen Bediensatelliten an der Lenksäule mit Druckpunkten wie ein Nokia Handy aus den 30er Jahren. Wahlweise kann man auch am Radio direkt herumfummeln, kurz bevor man in die erstbeste Badewannenausstellung reindonnert. 
 
 
Können tut das irgendwie alles nix. Ok, das ist jetzt etwas gemein, das Konstrukt kann auch Bluetoothtelefonie und dessen Audiowiedergabe. Titelinformationen werden dem Zuhörer aber prinzipiell vorenthalten. Auf dem gefühlt zwei Kilometer weit entfernten Display steht stoisch nur der Name von meinem Handy und ein Kompass. Der Klang lässt sich eigentlich nicht in netten Worten beschreiben, aber man kann sich das so vorstellen; Seeeds fette Bässe klingen so als ob man sich die Ohren mit einer Pferdebürste blutig schrubbt.
 
Kurz zusammengefasst: die Bordkapelle versetzt mich wieder zurück in jene Jahre, als wir noch selber Autoradios eingebaut und uns über scheppernde Papierlautsprecher kaputtgelacht haben.  
 
Die Fahrt
Ja, der 3008 und ich hatten einen wirklich schlechten Start und mir tun zwei Fingerkuppen weh. Und danach wurde es auch nicht mehr besser. Die Kombination des ruppigen Diesels und der keineahnungwievielegänge-Automatik sind wirklich eine Strafe für jeden, der auch nur ein Fünkchen lieber Auto wie in einem vollbesetzten und muffigen Bus mit-fährt. Vollgas bewirkt zwar, dass das Auto lauter, aber irgendwie nicht so wirklich schneller wird. Der Motor scheint nur gegen den Wandler oder eine schleifende Kupplung anzukämpfen, aber Vortrieb ist wirklich nicht das Ding vom 3008 und würde der Digitaltacho nicht ab und zu mal ein km/h dazuaddieren, ich würde behaupten, dass ich mich in einem schlechten Fahrsimulator befinde.
 
Und auch beim Rumstehen auf der vollen Autobahn habe ich wieder einen Trip zurück in der Zeit. Erinnert sich noch jemand an jene Zeiten, als die Motoren dermassen unruhig liefen, dass der Lichtkegel vom Scheinwerfer vibriert hat? Voilà! Das passiert auch im 3008. Die Maschine läuft im Stand dermassen unruhig, dass man sich Massagesitze eigentlich sparen kann.
 
Und wenn ich schon mit dem Auto rumstehe, was fällt mir da ins Auge?
 
 
Sowas hatte ich letztens in einem richtigen Geländefahrzeug gesehen. Ein Terrain-Wählschalter. Fadengerade Strasse, Kurven im Schnee, linksseitiges abkommen von der Strasse und das Befahren einer Kaktusfarm? Hatte ich dem 3008 etwa unrecht getan und er war tatsächlich ein Allrad, also ein Auto welches wenigstens in der Zombieapokalypse weiter kommt als ein Fahrrad? Leider nein. Der Schalter nennt sich Pack Motricité Grip Control . Er ist also nix anderes, als eine verstellbare Traktionskontrolle. Und den Scherz der Franzosen muss man sich mal so richtig geben; die packen einen lahmen Diesel an ein Getriebe aus Brot und verpassen diesem Konstrukt eine verstellbare Traktionskontrolle. Als ich das realisiert und verarbeitet habe (also ca. zwei Tage danach) konnte ich mir einen kleinen Gluckser nicht verkneifen.  
 

Irgendwann komme ich an diesem kalten, verregneten Abend dann doch noch in Fahrt. Der Regensensor wittert auch in kilometerlangen Tunnels noch sintflutartige Regenfälle und die Scheibenwischer gehen irgendwann in den Verdampfungsmodus über. Also jenen Modus, welcher die paar weniger Wassertropfen aufgrund der Reibungswärme der Gummis auf der trockenen Scheibe eben verdampfen lässt, noch bevor sie gewischt werden können. Die Musik habe ich mittlerweile abgestellt, die Lautsprecher kommen sowieso nicht gegen das Fahrgeräusch bei Regen an, ohne dass auch Robbie Williams klingt wie Experimentalmusik von The Prodigy.
 
Ich hol mir noch ein paar ChickenWings und Pommes, bevor ich den Franzosen in die heimische Garage stelle und hoffe, dass er nicht ansteckend ist.
 
Abschliessend sind wir wieder bei der Fee mit dem Silbertablet, sie war auch an diesem Abend wirklich da. Nur, ich Vollpfosten hatte sie leider nicht erkannt, sie sass am Mietwagenschalter und wollte mir einen Renault Mégane Scenic anbieten. Ich Idiot hab ihr aber das Tablet aus der Hand geschlagen mich dem miefenden Typen mit dem Schneckenrotz zugewandt. Selber schuld.
 
Fazit
Letztens hat mich jemand zu Kauf eines Neuwagens in der Golfklasse um Rat gefragt. Meine Kernaussage war grob umrissen, dass man heutzutage nicht mehr so viel falsch machen kann, wenn man sich an die bekannten Gesichter und Namen hält. Damals kannte ich den 3008 noch nicht. Zum Glück war vor ein paar Tagen auf Facebook ein Foto drauf, er hat sich wirklich nen Golf gekauft. So gesehen; mit dem 3008 kann man eigentlich auch nix falsch machen. Sofern man (automobil-)masochistisch veranlagt ist. Und das scheinen nur wenige zu sein, die Verkaufszahlen sprechen da für sich. Mit Peugeots 5.2% Marktanteil deckt sich das vermutlich ziemlich genau mit dem Anteil der Bevölkerung, welche sich den Keller gerne etwas dunkler gestaltet. Oder aber, man kauft sich einen 3008, weil einem aus Prinzip alles scheissegal ist.

Kaufen?
Als ich das Auto im Firmenfuhrpark abgestellt habe, wurde ich vom Fuhrparkchef umgehend gefragt: "Was bringst da für ein Glump?!". Und der Mann hat wirklich Ahnung von Autos. Also nein, ich kann aus meiner Warte keine Kaufempfehlung aussprechen, ausser man braucht ein Auto um irgendwas zu transportieren, was sowieso nur den Innenraum ruiniert. Also, ein Rudel nasse Neufundländer, Krankenhausabfälle oder zwei Zentner Atommüll.

PS: normalerweise hübsche ich meine Bilder ein wenig auf, aber hier sah ich da keinen Sinn darin. Es gibt zu Recht auch keine Kosmetikindustrie für Schweine.

PPS: ich hab nix gegen die französische Automobilindustrie, aber wir haben anscheinend einfach kein Glück miteinander. Pardong, gell?
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Über Duck@Cars

Mit dem Drehmomentschlüssel in der Hand zur Welt gekommen, aufgezogen mit Super verbleit. Wenn andere mit Lego gespielt haben, hat er Reifen gestapelt. Das ist Duck. Und das ist Quatsch. Tatsächlich ein Bürohengst der IT-Sorte, gerne und viel unterwegs und noch viel lieber hinter seinem Instrument. Benzin im Blut. Maschinen im Kopf. Rad ab.

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