Neulich an der Tanke in Amerika

Vorwort
In den Staaten drüben ist ja alles ein wenig grösser. Die Autos, die LKW's, die Portionen und auch die Tankstellen. Allerdings unterscheiden sich die Spritpumpereien dort in ein paar wesentlichen Punkten von jenen in unseren Breitengraden. So ist z.B. der flüssige Dinosaurier pro Liter um einiges günstiger zu kriegen. Letzte Woche haben wir unseren Schrank für umgerechnet knapp 0.58 Schweizer Franklin pro Liter betankt. Und auch sonst unterscheidet sich der Ablauf des Tankens etwas anders; man geht erst rein, blecht einen festen Betrag für die Säule und dann kann man wieder raus und kann seinen Schlitten mit dem besten und raffiniertesten 91er Zeug aus Alaska füllen. Aber auch sonst geht es da ein wenig anders zu und her. 

Letzte Woche...
War es mal wieder so weit. Ich war ja wieder "drüben", im sonnigen Süden der vereinigten Staaten, wo Alligatoren gerne mal die Hauskatze verputzen und es sich dann verdauenderweise im Pool gemütlich machen. Und natürlich ging diese Lustreise nicht, ohne dass wir uns einen viel zu grossen Karren gemietet haben, der in etwa dieselben Raumverhältnisse geboten hat, wie die Präsidentensuite im Bellagio in Vegas. Angenehmer Nebeneffekt von so einer Burg auf Räder, sie säuft Sprit wie ein schwarzes Loch. Und weil wir auch ordentlich Meilen runtergerissen haben, mussten wir ab und zu eine Tränke aufsuchen, wo sich der dämliche Ford (der kommt dann die nächsten Wochen hier rein) volllaufen lassen konnte. Ich beobachtete die geschäftige Szenerie, während der zum Tode verurteilte Sprit in den Ford reinsprudelte.  



Der Haufen Schrott
Während des Tankvorgangs kompensierte ich meine etwas über Normal liegende Transpiration mit einem Gatorade mit Schlumpf-Mandelgeschmack, als sich ein ziemlich fertiges Lincoln Town Car an eine Zapfsäule quälte. Und mit fertig meine ich, dass man damit in den meisten europäischen Staaten ein bis zwölf Jahre Knast dafür kriegt, mit sowas noch auf die Strasse zu gehen. Die Aufhängungen an der Hinterachse waren längst kollabiert, wenn denn überhaupt noch vorhanden und aus dem Motorraum klang es, als ob das Auto mit Metallspänen angereichertem Super Plus laufen würde. An dem Auto war kein einziges Stück Blech zu finden, welches nicht verbeult, zerkratzt, durchgerostet oder vergammelt war. Der etwas salopp gekleidete Besitzer dieses Haufen Altmetalls füllte Most für zehn Dollar in seinen goldfarbenen Eimer und hatte damit den Wert des Autos gleich mal verfünffacht, immerhin, er hat ihn nicht gleich vollgemacht. Als er weggefahren ist dachte ich mir noch, was für ein Wunder der Technik, 20 Jahre alt, vermutlich noch nie eine Werkstatt von innen gesehen, aber es rollt tatsächlich noch. Unter unsäglichen Geräuschen, die ein Auto einfach nicht machen sollte, bog er auf die vierspurige Strasse ein und klapperte von dannen. Ich bekam langsam aber spürbar ein Schleudertrauma vom Kopfschütteln.
 
Ein paar Meilen später auf dem Highway haben wir das Towncar dann nochmal gesehen, auf dem Grünstreifen mit eingeknicktem linkem Vorderrad. Wer hätte gedacht, dass die Hinterachse noch das stabilste Teil des desolaten Fahrwerks war. Sorry für die verzockten zehn Mücken, aber es war vorauszusehen, dass dieser Schlitten in der Presse eine bessere Figur gemacht hätte als auf dem Highway. Die nächsten 10 Dollar Sprit werden wohl eher auf als in dem TownCar landen, kurz bevor der Besitzer ein Streichholz draufschnippt und davonläuft, ohne sich umzudrehen.

Teenage Gangster
Fast gleichzeitig mit dem Town Car fuhr auch ein schwarzer Dodge Ram 2500 an einer der Säulen vor. Beiläufig zu erwähnen ist, dass das Fahrzeug nicht mehr ganz dem Originalzustand entsprach, gefühlte 40cm höher gelegt und dicke Stossdämpfer blitzten aus den Radkästen, in welchen aberwitzige grosse Geländereifen auf verchromten Felgen ihr Dasein als den letzten Todesstoss für die Lenkpräzision fristeten. Bis auf die Frontscheibe waren alle Glasteile, also auch die Scheinwerfer rabenschwarz getönt. Wäre die Moskau Inkasso mit einem ihrer Touaregs daneben gestanden, es hätte ausgesehen wie Dick und Doof. Und dann passierte es, der Fahrer stieg aus. Bzw. er fiel mehr so aus seinem RAM raus. Und es war umso grotesker, dass es sich dabei um einen maximal 17 jährigen Teenager handelte. Ich fragte mich, ob er das Auto geklaut hat oder ob's einfach seinem grösseren Bruder gehört? Die Hose auf halb acht gezogen, weisses Trägershirt und den Körperbau und Bartwuchs von Justin Bieber mit 15, so  trottete er mit dem Handy vor dem Gesicht in den Shop rein, kam mit einer Jumbodose RedBull wieder raus und füllte eine Menge(!) Diesel in den düsteren Truck. Es sah wirklich grotesk aus, sein Kopf reichte trotz schiefem Baseballcap nicht über die Brücke seines durstigen Koffers.  Der Einstieg in seinen (oder wessen auch immer) Ram glich der Erstbesteigung des Mount Everest und er meisterte die Übung fast ohne dass ihm sein RedBull erst auf das Trittbrett und dann auf den Boden fiel. Aber nur fast. Ich hoffe, er hat die Dose danach nicht gleich aufgemacht, ansonsten hätte das Innenleben des schwarzen Ungetüms wohl noch wochenlang nach Gummibärchen gerochen. Passt irgendwie nicht so zu so einem Bock aus der Hölle, dort drin sollte es nach über Feuer gebratenem Steak und Diesel riechen und nicht nach Prinzessin aus der Dose.

Das Rentnerpaar
Sie kamen ganz gemütlich in einem ziemlich gepflegten Lexus daher. Und mit gemütlich meine ich, dass sie mit ca. 0.04 Meilen pro Stunde an die Zapfsäule rollten und damit bei Google Maps als Hindernis verzeichnet werden. Ungewohnter Anblick für mich, wo doch die Renter in unseren Gefilden grundsätzlich für überhaupt nichts Zeit haben und immer schwer in Eile sind, ausser wenn es im Supermarkt darum geht, den Betrag von 120 Öcken in kleinstem Kleingeld zu bezahlen. Die beiden aber hätten aber auch für das Cover von "Retired today" getaugt, im kakifarbenen Partnerlook, braungebrannte Walnusshaut im Gesicht und mit dezentem Goldschmuck behangen. Der dunkelbraune LS430 mit dem vanillefarbenen Interieur passte da auch noch wie die berühmte Faust aufs Auge. Grampa ging mit beherztem Schritt in den Shop rein und kam mit zwei Salaten im Plastikgeschirr und zwei Wassern wieder aus dem Shop raus. Die Herrschaften lebten anscheinend gesund und waren wohl auch finanziell nicht schlecht dagestanden, kostete doch Wasser und Salat mehr als ein paar Hotdogs und Cola. Vermutlich auch mehr als der goldene Lincoln von vorhin. Seine Frau indessen blieb im Auto sitzen und strickte ziemlich beherzt an einem Paar Socken. Vielleicht war's auch eine Tischdecke im Anfangsstadium, ich kenn mich mit Stricken so gar nicht aus. Sympathisches Pärchen, das wars jedenfalls so lange, bis ich den Aufkleber am Heck des Lexus' erblickte; "Vote for Trump". Mit dem kriegen sie dann auch Salat, nämlich DEN Salat.
 
Fussballmama
Fussballmama kam in einem silbernen Nissan Maxima daher, welcher anscheinend auch schon in den einen oder anderen Parkrempler mit einem Caterpillar verwickelt war. Eine Stossstange am Heck braucht kein Mensch und ist sie erstmal ab, muss man sie auch nicht mehr neu lackieren, so spart man gleich noch ein paar Dollares. Fussballmutti war ziemlich üppig geschminkt, um nicht zu sagen, ihr Gesicht hatte etwas von einem Werk von Hundertwasser. Dazu passte auch ihr pinkfarbenes Top, die halbe Jeans und die neongrünen FlipFlops. Auf dem Weg in den Shop tipselte sie wohl noch schnell zwei drei Nachrichten, während sie in das zweite Handy (mit pinker Hülle) ohne Punkt und ohne Komma reinsabbelte. Natürlich im Freisprechmodus. Im Auto selber blieben sitzen; Rodney, Vordersitz, ca. 16, handysüchtig. Billy Bob, ca. 10 Jahre, handysüchtig. Und Daytona Brittnay, ca. 8 Jahre, handysüchtig. Wieviele Handys hatte diese Familie eigentlich? Mama kam auch dann auch bald mal wieder aus dem Shop raus, zwischenzeitlich sabbelte sie in das andere Handy rein und war immer noch bester Laune, so hatte sie ihrer Handyjunkies eine Tüte voll mit bunt verpackten Süssigkeiten und eine grosse Flasche Mountain Dew mitgebracht und ich mag's mir gar nicht in Erinnerung rufen, für sich selbst ein undefinierbares Schinkenerzeugnis unter die Achsel geklemmt. Kann sich halt nicht jeder Salat und Wasser leisten dort.
 
Officer Dwayne the Rock Johnson
Officer Johnson kam mit seinem Ford Crown Victoria völlig überraschend aus einer ungepflasterten Gasse neben dem Shop hervor. Überhaupt ist die Pozilistendichte in den Staaten etwas höher als bei uns, um nicht zu sagen, sie sind einfach überall. Z.B. auf diesem Bild, hier sind mindestens zwei Streifenwagen drauf: (der zweite ist knifflig). Und es ist nicht auszuschliessen, dass noch ca. vier oder fünf zivile Pozileiautos, zwei SUV's vom FBI und ein VAN von der Homeland Security drauf sind. Das fällt spätestens dann auf, wenn irgendwo etwas passiert und plötzlich der halbe Verkehr vor einem anfängt bunt zu blinken und orchestral hupend gen Horizont schnitzelt.
 
 
Officer Johnson war aber ein Zeitgenosse von der entspannten Sorte, er drehte noch eine Zeitlupenrunde um die Zapfsäulen, bevor er sein teilgepanzertes Discotaxi mit Rammbock vor dem Shop parkierte und sich aus dem Crown Vic herausschälte. Danach folgte erstmal ausführliches Sortieren der polizeilichen Kronjuwelen. Officer Johnson war ca. einsfünfundneunzig gross und so breit wie ein Bus. Wo bei anderen Cops das ganze Geraffel um den Gurt inkl. Menschenlocher etwas überdimensioniert aussieht, sah es bei ihm irgendwie nach Spielzeugpistole und dem Batmanallzweckgürtel aus dem Kostümverleih aus. Wenn man sich jemandem der Verhaftung nicht widersetzen sollte, dann war es dieser Typ. Solche Spargel wie mich hätte er wohl einfach am Gürtel hochgehoben, auszappeln lassen und mit dem anderen Arm die Sonnenbrille auf die Glatze hochgeschoben. Johnson holte sich im Shop eine Schokomilch in der Grösse eines Benzinkanisters und schüttete sich diese entspannt rein, während er die Szenerie um die Zapfsäulen durch seine schwarze Sonnenbrille abscannte. Manchmal hat man ja in den USA das Gefühl, dass immer irgendwo irgendwas eskalieren könnte, aber zu dem Zeitpunkt hätte ein amokfahrender Panzer die Strasse runterkommen können, ich war mir gewiss, Officer Johnson hätte die Situation unter Kontrolle gebracht. Er hatte ja seine Schokomilch. Und zur Verstärkung den lauten Schrotfön im Crown Vic.  
 
Zwischenzeitlich war dann unser dämlicher Ford auch wieder voll, ich Depp hatte die Menge an Sprit fürs Geld unterschätzt und so musste ich einen Dollar in Benzin in der Säule drin lassen. Aber immer noch besser als 10 Dollar Sprit in ein 94er TownCar gefüllt.
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Über Duck@Cars

Mit dem Drehmomentschlüssel in der Hand zur Welt gekommen, aufgezogen mit Super verbleit. Wenn andere mit Lego gespielt haben, hat er Reifen gestapelt. Das ist Duck. Und das ist Quatsch. Tatsächlich ein Bürohengst der IT-Sorte, gerne und viel unterwegs und noch viel lieber hinter seinem Instrument. Benzin im Blut. Maschinen im Kopf. Rad ab.

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