Opel Mokka 1.6 CDTI DPF

Vorwort
Einen guten Mokka findet man nicht bei Starbucks. Dort findet man bekannterweise nur Diabetes und unaussprechliches braunes Wasser mit Flavours en masse, meist im Gegenwert eines Bausparvertrages. Guter Mokka wird aus staubfeinem Kaffeepulver in einem Kännchen aufgebrüht und ist damit auch eine der ältesten Arten, die verpennte Birne frühmorgens kaltzustarten. Und nicht vergessen, die Tasse nie mit dem Kopf im Genick leermachen, sonst knirscht's beim Zähneputzen.
 
Was denn?
Ein bzw. zwei Opel Mokkas mit dem 136PS 1.6CDTi Triebwerk, morgens um halb fünf mit Frontantrieb und Automatik, abends mit Allradantrieb und manuellem 6-Gang Getriebe.
 
 
  
Laufleistung
13'300km auf dem Automaten bzw. 9900km auf dem manuellen 6-Gänger.
 
Wie weit?
280km, jeweils halbe halbe.

Handbuch gelesen?
War keins da. Hat auch nicht interessiert, die beiden Buden kamen mit Minimalausstattung daher.
 
Erster Eindruck
Knutschig, knuffig, gedrängt, klein, hoch, Hamster mit Verstopfung, jedoch weniger geländetauglich.
 
Zeigefinger (Assistenzsysteme)
ABS, ESP.

Innenraum
Es riecht schon nach Opel. Nicht im negativen Sinne, der Innenraumgeruch ist bei den neuen Opels gar nicht mal so ein übler, eine Mischung aus Pfeifentabak und Waschmittel.


Das Armaturenbrett bzw. die Mittelkonsole entsprechen dem Opel-Trim der letzten fünf bis gefühlte zehn Jahre. Das entspricht auch der Ergonomie und auch das ist im Grunde nichts negatives. Alles ist da wo's hingehört, nur die Flut an Schaltern, Hebelchen und Wippen ist eine tsunamigleiche. Zu viel. Dafür dass die beiden Autos mit einer eher minimalen Ausstattungsvariante daher kamen sind es einfach zu viele Knöpfe, viele in Doppelfunktion in der Mittelkonsole. Und diese scheinen auch gleich noch eine Drittfunktion als Bacondetector zu erfüllen, fettige Finger scheinen im Mokka nix verloren zu haben. Das fällt nämlich sofort ins Auge und sieht sofort aus wie in einem Auto der 200'000-Kilometerklasse.  


Einen Malus im Innenraum muss ich wirklich anmotzen. Die Mittelarmlehne. Wär mir beim Automaten nie im Leben aufgefallen, aber am Abend im Handschalter offenbarte sich ein kleiner aber gemeiner Konstruktionsfehler. Dieser Stoffpimmel ist beim Schalten nämlich unheimlich im Weg und küsst vor allem bei den geraden Gängen immer den Ellbogen. Doof.


Die Sitze waren nach meinem Empfinden opeltypisch formidabel. Sitzen kann man in Rüsselsheim wirklich immer gut. Auch die Sitzposition in Relation zu den 16 Dutzend Funktionen  ist relativ angenehm. Beim Mokka allerdings erscheint der Eindruck von einem Hochsitz etwas ausgeprägter als in anderen Mini-SUV's, ich hatte plötzlich das Bedürfnis auf ne Wiese zu fahren, anzuhalten, das Fenster runterzulassen und mit nem Fernglas im Gesicht darauf zu warten, bis ein Rudel Hirsche vorbeitrabte. Oder ein Schwarm Füchse. Oder ein Sack voll Frösche.


 
Geschmackssache, aber ich find die Armaturen in den Opeln der letzten Jahre immer so schön Raumschiff enterpreisig. So auch hier, obwohl sehr simpel gehalten sind die Informationen im Tacho gut ablesbar und das Lichtspiel lässt die Zifferblätter im Raum schweben. Geiler Scheiss.

Das ist alles an Stoff, den man dem Mokka geben konnte.

Die ersten Kilometer
Die fanden im Automatenmokka statt. Und oje. Mühsam ernährt sich das Eichhörnchen und genau so verhielt sich auch der Mokka. Keine Spur von Temperament. Dafür viel Drehzahl und stressfreie Schaltvorgänge.
 
Nach 10 Kilometern
Auffallend, der Diesel im Mokka ist kein Brummer, kein Nagler und auch kein Schreier. Er schnattert dezent vor sich hin und verrichtet seine Arbeit einem gewissenhaften Finanzbeamten gleich. Wenn er schon nicht schnell ist, er hält wenigstens die Klappe.   

Multimediaplunder
Willkommen in der Mittelklasse von 2008. Kein Bluetooth für das smarte Phone, kein Steckplatz für eine Esdekarte. Dafür gibt's einen CD-Player und eine USB-Schnittstelle um das smarte Telifon zu laden bzw. entsprechende Speichermedien.

 
Klingen tut der Lautsprecherverein im Mokka nicht sooo übel, ausgeglichen, mit präzisem Tiefgang aber leider ohne Pegelfestigkeit. Das Radio bzw. die Sendertreue entspricht aber dem Seefunk von einem U-Boot von 1931. Rauschen, kratzen oder gleich der komplette Kontaktabbruch zum nächsten Sendemast. Das war eigentlich schon 1989 kein Problem mehr. Jedenfalls bei Blaupunkt.   
 
Die Fahrt
Die eigentliche Fahrt fand frühmorgens ohne Verkehr auf der leeren Autobahn statt. Also ganz entspannt. Nicht so entspannt empfand ich die Lenkung. Die verlangte nämlich immer wieder nach Korrekturen. Kann natürlich auch sein, dass ich um die Tageszeit die Körpermotorik eines Waffenschmiedes besitze, aber ich fand mich immer wieder zu nahe an den Fahrbahnbegrenzungen. Im Gegensatz zu mir war der Mokka also ein nervöser und für meinen Geschmack und die Tageszeit etwas zu aufgedreht, zumindest was die Spurtreue anbelangte. Eigentlich naheliegend, dass es vielleicht doch an mir lag war, dass der Handschalter dieses Verhalten nicht an den Tag legte. bzw. an die Nacht. Aber vielleicht war's mir um die späte Stunde auch einfach wurscht, wo ich gerade herumeierte.

Fahrwerkstechnisch gibt's Pluspunkte für den Mokka. Er fühlte sich so gar nicht wie ein hochbeiniger Hamster an und das obwohl er bei weitem nicht so straff gefedert war wie z.B. der Tiguan oder auch der Q3. Einzig der kurze Radstand verleitete die Bude ab und zu zu einem leichten Hoppeln über kurz aufeinanderfolgende Bodenwellen. Für mich jedoch nicht weiter tragisch. Soll er doch.

Schalt mal selber.
Was zumindest beim Automaten etwas nervte waren die Windgeräusche. Permanent schniefte es aus den Seitenfensterrahmen und die Windschutzscheibe schien dem Fahrtwind auch eher lautstark die Stirn zu bieten. Aber ansonsten war es im Mokka eher ruhig. Und überhaupt fühlt sich der Mokka sehr solide und um einiges grösser an, als er in Wirklichkeit ist. Das schafft Vertrauen auch für die Langstrecke und dementsprechend hätte ich auch keine Bedenken, mit dem Kompakt-SUV aus Rüsselsheim längere Strecken runterzureissen. Ach ja, der Handschalter hatte den Start-Stop Kim Jong Un an Bord. Allerdings war der Schalter eine Nummer grösser als unser moppeliger Diktator aus Pjöngjang.

Wäre da nicht das 1.6 Liter grosse, wenn auch recht müde Dieseltriebwerk. Hat man wenigstens im Handschalter noch etwas Resttemperament in den unteren drei Gängen, wird dieses vom Automaten bereits beim Anfahren niedergemeuchelt. Das Getriebe scheint überhaupt nur Statist zu sein, die Hauptarbeit wird vom Wandler abgerissen und der tut anscheinend auch nix anderes, als Öl aufzuheizen. Ein Doppelkupplungsfahrstufensortiergerät wäre hier die bessere Wahl. Die hat man aber nicht, gibt's nämlich nicht.

Aber trotz allen diesen kleinen Defiziten, der Mokka hat seine Stärken durchaus bewiesen. Er kann ruhig, gelassen und solide Kilometer fressen. Er ist übersichtlich weil kompakt und hat durchaus seinen Charme. Und er kommt trotz seiner bald schon vierjährigen Modellbauzeit immer noch akzeptabel modern daher. Damit; nicht so dass ich himmelhochjauchzend durch vom Mietwagenschalter davonspringe, sollte ich wieder mal einen Mokka kriegen, aber er ist immer noch besser als so manches, was in anderen Konzernen als das Mass der Dinge betrachtet wird.
 
Fazit
Passt scho. Er ist definitiv mehr entkoffeinierter Lungo als Mokka, für einen richtigen Mokka fehlt im die Stärke und das Temperament. Aber er ist solide, hat Langstreckenqualitäten, lässt sich sicherlich auch noch etwas besser ausstatten als die beiden Kassengestelle die ich hatte und ist unterm Strich optimal geschmacksneutral. Kein Auto für Liebhaber, aber perfekt für jene Leute, die auch lieber mal in die Pommesbude um die Ecke fahren anstatt zum Italo-marokkanischen Franzosen mit 13 Gault-Millau Punkten. Und obwohl ich den Handschalter etwas spritziger, falsch, etwas weniger lahm finde, würde ich zum Automaten raten. Passt einfach besser zu dem sonst schon eher gemächlichen Temperament des Mokka.
 
Kaufen?
Wenn das Preis/Leistungsverhältnis wichtiger ist als flotte Fahrleistungen, hippes Multimedia und poliertes Wurzelholz im Innenraum, dann kann man den Mokka getrost kaufen. Dafür kriegt man ein solides Auto, mit dem 4x4 auch sicherlich mit guter Wintertauglichkeit. Natürlich ist das dann immer noch kein Auto, um eine 200 Jahre alte Eiche aus einem schlammigen Wald zu ziehen, aber um zum Startpunkt von nem Wanderweg zu fahren reicht's allemal. Zumindest vorne ist das Raumgefühl in dieser Fahrzeugklasse wirklich gut und das subjektive Empfinden einer hohen Sitzposition erscheint mir in der Klasse am besten, da kommen Tiguan, Q3 und auch der Tucson irgendwie nicht mit. und wer gerne mal aus dem Auto heraus einen Problembären abknallt, hat im Mokka dieselben guten Aussichten wie in einem Range Rover.

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Über Duck@Cars

Mit dem Drehmomentschlüssel in der Hand zur Welt gekommen, aufgezogen mit Super verbleit. Wenn andere mit Lego gespielt haben, hat er Reifen gestapelt. Das ist Duck. Und das ist Quatsch. Tatsächlich ein Bürohengst der IT-Sorte, gerne und viel unterwegs und noch viel lieber hinter seinem Instrument. Benzin im Blut. Maschinen im Kopf. Rad ab.

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