Das Boot mit dem gelben Rumpf und den beiden Aussenbordern

Vorwort
Folgendes erreichte mich diese Woche via Wunschkonzert;
 
Wie wäre es mit einem Powerboot? Oder so'n Turibomber a la Dom. Rep. mit 500 Yami 2-Tackt PS?
 
OK, dann gibt's heute mal Boot. Also eigentlich gab's das für mich vor anderthalb Jahren im Urlaub, dort wo ich das Club Car getestet habe und dabei die Grenzen der Fahrphysik unter Einsatz von Leib und Leben erforscht habe. Das Boot durfte ich leider nicht selber fahren weil ich a) keinen Bootsführerschein habe und b) wir wohl alle an einem Felsen zerschellt wären, während ich fett grinsend die Hebel auf die Platte gedrückt hätte. War wohl besser so, wenn ich nach 10 Stunden Flug nicht auch noch ein Boot versenkt hätte. Diesmal also aus der Sicht eines Passagiers.
 
Was denn?
Ein "Turibomber" mit zwei Yamaha 4.2L F250s V6 Aussenbordern. Jeweils 250PS bei 5500 Umdrehungen, macht dann eine "Systemleistung" von 500PS. Am Arsch. Ich habe leider keine Ahnung, wer der Hersteller von diesem Wassertaxi ist.
 
 
Und nein, dass da vorne ist nicht das Bordklo. Ich vermute, dort ist die Kombüse und es gab grad Pommes.   
 
Laufleistung
Ich habe keinen blassen Dunst, aber der Pott wird schon ein paar Betriebsstunden gehabt haben.  
 
Wie weit?
ca. 90km. über Wasser bei wenig Verkehr.

Handbuch gelesen?
Nein, aber ich habe eine Schwimmweste gekriegt, damit wusste ich auch schon alles, was ich wissen musste. Ob die Crew damit ihre Zweifel an meiner oder der Schwimmfähigkeit des Bootes zum Ausdruck bringen wollte, weiss ich bis heute nicht. Ich hab die Gurte von der Weste jedenfalls gut festgezurrt.    
 
Erster Eindruck
Das Taxi ist da! 

 
Macht ganz schön Wirbel. Wobei, im ersten Moment war ich schon etwas enttäuscht. Als ich im Prospekt unseres gebuchten Domizils las, dass der Transfer vom Flughafen zum Hotel mit einem Speedboat stattfinden würde, hatte sich in meinem Kopf schon ein Bild verfestigt. Hinten fläzend in einem ellenlangen Scarab 38KV (das Miami Vice Boot), welches über den indischen Ozean ballert. Dazu der Sound von zwei brüllenden Mercury V8's. Hier schwankte allerdings eben ein solches Turiboot auf den Steg zu, mit zwei knatternden V6 Aussenbordern. Aber hey, es schwimmt.
 
Zeigefinger (Assistenzsysteme)
Kompass und nautisches Navi. Keine Bremse im herkömmlichen Sinn. Kein ESP. Lenkpräzision einer Kuh mit Gleichgewichtsstörungen. Wir werden hier alle draufgehen.   
 
Eine Bootsfahrt die ist lustig, eine Bootsfahrt die tut weh!
 
Innenraum
Fiberglas wo das Auge hinblickt. Ein paar Kunststoffkissen und Haltegriffe aus Chromstahl. Dass übermässig Holz, Leder und Alcantara in diesem Boot keinen Sinn macht, stellte ich nach zehn Minuten Fahrt fest. Wasserabweisend ist das Zauberwort und vermutlich aus demselben Grund baut man auch keine Küchen aus Holz, Leder und Alcantara, auch wenn's geil aussehen würde.  
 
Die ersten Kilometer
In so einer Hafenzufahrt darf man ja nicht volle Kanne fahren, es kann ja durchaus sein dass da mal ein Schlauchboot voll mit orientierungslosen Touristen in den Wellen rumeiert. Die Aussenborder brummeln dezent vor sich hin, während man entspannt hin und herschwankt. So langsam verstehe ich die Faszination von so einem Boot, das ist wie besoffen zu sein, ohne was getrunken zu haben. Vermutlich umso lustiger, wenn man seine Zeit auf so nem Kahn paniert verbringt. Ich lass den Gedanken mal wirken.
 
Multimediaplunder
Der Kapitän singt irgendwelche einheimische Folklore. Oder er vertreibt die Möwen, ich kann's bis heute nicht genau sagen. Das war's dann auch mit der musikalischen Untermalung, den Rest machen die Aussenborder in Stereo und versetzen dabei das ganze Gefährt in wohlige Vibration. Sehr schön.
 
Die Fahrt
Als wir aus der Hafeneinfahrt auf die hohe See zusteuern, fängt die Crew an, ringsherum die durchsichtigen Plastikvorhänge zuzuziehen. Also, sie machen alles dicht, denn es hat nicht nur rundherum eine Menge versalzenes Nudelwasser, es zieht auch die Mutter aller Gewitter auf uns zu. Am Horizont zucken die Blitze in einer Wand aus Regen um die Wette. Nachdem man sich vergewissert hat, dass auch alle Passagiere ihr Erfrischungstüchlein und eine Flasche Wasser zum dran festhalten haben, legt der Käptn die beiden Hebel auf den Tisch. Die beiden Yamahas schreien auf, ich höre die Titelmelodie von Miami Vice in meinem Kopf hallen, während die Gischt meterweit vom Rumpf wegpeitscht.

Oh du fröhliche, ab dem Zeitpunkt wird sich für mich jede Achterbahn mit diesem Schiff messen müssen. Das Gewitter gibt alles, genau wie die zwölf Zylinder im Heck und die Höhe der Wellen hat jetzt leicht besorgniserregende Ausmasse angenommen. Das scheint den Kerl mit dem Lenkrad aber nicht weiter zu kümmern, mein Handy spuckt ambitionierte 72km/h aufs Display, was für meine Ansprüche an ein Speedboat bei diesem Wellengang mehr als ausreichend ist. Vor allem auch deswegen, dass die Wasserflasche in meiner Hand eine nette Geste des Personals war, aber man hätte mir doch sagen können, dass es nicht zum trinken gedacht ist. Ich finde das selbst raus, das Wasser ist zur Erfrischung gedacht und so schütte ich mir den Flascheninhalt bei jedem Aufschlagen auf einer Welle entweder ins Gesicht, aufs Shirt oder dort auf die Hose, wo's wirklich blöd aussieht wenn man unter Leuten ist. Immerhin ich finde die turbulente Bootsfahrt lustig und schön.


Nicht so amüsiert waren unsere beiden asiatischen Mitpassagiere. Vor allem die Dame versuchte sich an allem festzuhalten was da war und ihr stand der Horror ins Gesicht geschrieben. Das Personal hat den Unmut allerdings bemerkt und der Kapitän nahm den Hebel ein wenig vom Tisch, wohl in Sorge um unsere Bandscheiben, welche so langsam die Konsistenz von püriertem Lachs annahmen. Soll heissen, er reduzierte die Geschwindigkeit auf 65km/h und ich habe es dann auch noch geschafft, einen Schluck aus der Flasche zu nehmen. Das Erfrischungstüchlein hatte indes seine Daseinsberechtigung verwirkt. Das Boot war zwar gegen unten erstaunlich wasserdicht, aber von der Seite her peitschte uns der Regen an die Backe. Dafür, dass ich gerade 10 Stunden Flug hinter mir hatte, war ich so erfrischt wie selten. Indes betrug die Sichtweite in dem tobenden Monsungewitter noch ungefähr 20 Meter, das hinterliess aber den Hebelmeister am Lenkrad sichtlich unbeeindruckt. Meine Freundin hat sich unterdessen eine Mütze über die Ohren gezogen, irgendwie hatte auch ich mir die Ankunft in einem tropischen Paradies etwas anders vorgestellt. Ich stelle aber trotzdem irgendwann fest, dass sich meine Mundwinkel permanent nach hinten ziehen. So schlimm war's also auch wieder nicht.

Speedboote sind nichts für Leute mit Rückenproblemen. Stellenweise verwischte die Grenze zwischen dem Fahren auf Wasser und dem Fliegen in der Luft. Daran erinnert hat uns das jeweils sehr harte Aufschlagen auf dem Wasser, schön ungefiltert durch die Fiberglasmulde und dem dünnen Kissen unter meinem Hintern und die Gischt, welche immer weiter vom Boot davonflog. Das macht so ca. zwanzig Minuten lang Spass, irgendwann aber wünscht man sich dann tatsächlich den seidenweichen Fahrkomfort eines Autos, zum Beispiel von einem Caterham Super Seven mit einem richtig straffen Sportfahrwerk in einem Geröllfeld.  

Der Heimweg war nicht weniger actionreich, abgesehen davon, dass wir diesen nicht in einer apokalyptischen Sturzflut absolviert haben. Etwas wehmütig war uns schon, als der Schiffchenchef wieder die Hebel auf den Tisch genagelt und uns mit lächerlicher Geschwindigkeit von unserer Insel weggebracht hat. Für einmal hatte ich mir gewünscht, dass die Aussenborder nur 50 PS ins Meer reinzwirbeln, leider wurden wir dennoch mit dem Schub von 500 plärrenden PS in Richtung Heimat gefahren. Es war zum jubeln und heulen gleichzeitig.
 
Fazit
Dass man so ein gut motorisiertes Boot sein Eigen nennen möchte, kann ich zwar nachvollziehen, aber irgendwie möchte ich trotzdem keins haben. Gut, so ein Riva Sportboot mit einem Zwölfzylinder von Lamborghini im Heck ist ja auch noch was feines fürs Auge. Aber selber haben und unterhalten? Ne. Aber mitfahren? Ja gerne, immer wieder, Bootfahren macht auch bei übelstem Regenwetter Laune. Aber das nächste mal bitte keine Wasserflaschen, sondern Caipirinha aus der Sportflasche. Das hat vermutlich Stil. Was dieses mit 500 Yamaha-PS gesegnete Speedboat anbelangt:


 
Kaufen?
Meine Recherchen verliefen irgendwo im Sand einer Insel im indischen Ozean. Ich habe keine Ahnung, was dieses spezielle Boot kostet, ich weiss nicht mal, wer den Kahn gebaut hat. Aber, meine Suche hat mich auf diverse Portale geführt, wo der Handel mit Booten im sechs- und siebenstelligen Bereich geführt wird. Dafür kauf ich mir etwas, was zwar auch absaufen kann, dabei aber viel weniger nass macht. Und uU auch dasselbe Fahrverhalten von so einem Turibomber hat, mit 500 PS, einer katastrophalen Lenkpräzision und der Bremsleistung von Bremsbelägen aus Vollkornbrot auf gelochten Holzscheiben.  
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Über Duck@Cars

Mit dem Drehmomentschlüssel in der Hand zur Welt gekommen, aufgezogen mit Super verbleit. Wenn andere mit Lego gespielt haben, hat er Reifen gestapelt. Das ist Duck. Und das ist Quatsch. Tatsächlich ein Bürohengst der IT-Sorte, gerne und viel unterwegs und noch viel lieber hinter seinem Instrument. Benzin im Blut. Maschinen im Kopf. Rad ab.

4 Kommentare :

  1. So muss es sein, gut, wenn's Regnet is es auch dann nicht angenehm. "Wenns obe schiffet und untä schäicht, s'isch guet S'Valserwasser ,-)"
    PS: Kann man nen Pic hochladen?

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    1. Pic hochladen geht leider ned hier. Also, geht schon, aber nur für mich ;-). Sorry.

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