Audi A5 1.8 TFSi Cabriolet

Vorwort
Der Frühling ist da, jedenfalls ab und zu. Und das treibt uns alle wieder vermehrt nach draussen, in die Sonne, dort wo die Vögel zwitschern, die Bäume dank Blätternachwuchs wieder rauschen und die Fahrradfahrer die Strasse wieder für sich entdeckt haben. Autofahrer befreien ihre Autos vom Winterdreck, packen Sommerreifen drauf und verspüren wieder den kalten aber angenehmen Hauch einer arbeitenden Klimaanlage anstelle dem trockenen Husten von der Heizung. Ja, es geht wieder bergauf, die Tage werden länger und es riecht abends wieder nach gegrilltem Tier. Man hört aus der Nachbarschaft das Klingen von zusammenstossenden Gläsern und das Lachen von leicht Betrunkenen. Nur, ist es nicht ein wenig doof, wenn man bei dem schönen Wetter irgendwo hinfahren muss, in einer hermetisch abgeschotteten Fahrgastzelle und auch das herunterfahren von allen Fenstern nur darin resultiert, dass alles lose Papier im ganzen Innenraum herumfliegt? Oder wie bei mir schon, der Fahrzeugschein von der Sonnenblende zum Fenster raus? Flupp! Macht dann minus 40 Schweizer Fränkli.
 
Was denn?
Ein Audi A5 1.8 TFSi Cabriolet mit 177 PS und 320 Nm ab 1600 Umdrehungen. Die Leistung wird durch eine stufenloses, von Audi Multitronic Getriebe an die Vorderräder abgegeben.
 

 
Laufleistung
600km, also quasi fabrikneu.
 
Wie weit?
Ca. 140km.

Handbuch gelesen?
Nein, nicht mein erster Audi.
 
Erster Eindruck
Als ich diese Woche den Wetterbericht gesehen habe, verspürte ich ein wenig Wehmut. Mein eigenes fahrendes Sonnenstudio stand fahrbereit in der Garage, aber ich musste ausser Landes. Als man mir aber den Schlüssel zum A5 in die Hand gedrückt hat und beiläufig erwähnt hat; "Cabrio!" war meine Laune wieder auf die sonnige Seite des Lebens gerückt. Damit, erster Eindruck; Yay! Einer der schöneren Audis.

Zeigefinger (Assistenzsysteme)
ABS, ESP.

Innenraum
Innenräume können sie ja schon, die Ingolstädter. Wobei mir hier die Materialien im A5 etwas, sagen wir mal robuster erschienen als in den Konzernbrüdern. Das scheint der erhöhten Anforderungen an Wetterfestigkeit und Vogelkacke geschuldet und damit auch OK. Geschlossen ist das Raumgefühl wie in einem normalen A5 Coupé, offen lässt sich nicht mehr von Raumgefühl sprechen. Ne, hier kommt die berühmte grosse Freiheit des Offenfahrens wirklich voll zum Zug.

Schön schön, wenn sich der blaue Himmel die Aluapplikationen einfärbt :-)
 
Die Sitze aus (Kunst?)leder verdienen nicht unbedingt den Preis für das beste Gestühl der Branche, sind aber vor allem für Langstrecke OK. Sportlich wäre anders, aber im Cabrio liegt die Priorität weniger im Kurvenräubern, denn viel mehr im Cruisen und Bummeln.
 
Die Bedienung im A5 ist ebenfalls auditypisch durchdacht und die Anordnung der Bedienelemente sind nach etwas Eingewöhnungszeit völlig OK. Die Mittelkonsole ist fahrerorientiert und die Ablesbarkeit der Instrumente ist auch bei wechselnden Lichtverhältnissen tiptop.
 
 

Auch wenn der Instrumentencluster die Form eines plattgedrückten Darth Vaderschädels mit Ferngläsern hat, liefern die analogen Anzeigeinstrumente alle wichtigen Infos auch dann, wenn man nur mal kurz den Blick von der Strasse schweifen lässt.
 
 
Photoshoplevel; Beginner.

Natürlich praktisch bei einem Cabrio, das Windschott. Ich hab nicht ausprobiert wie es ist, wenn das Ding heruntergeklappt ist, aber ich habe die verhaltenen Windverhältnisse auch bei hohen Geschwindigkeiten im Innenraum sehr genossen. Kleiner bzw. je nachdem grosser Nachteil; ist das Windschott aufgestellt, müssen die Fondpassagiere entweder heftig winken wenn man wegfährt oder sich unter dem Windschott zusammenkauern, mit Blick auf die Rückseite der Vordersitze. Oder aber, das Windschott bleibt zu Hause und man kann zu viert gen Sonnenuntergang cruisen. Kitschig schön.
 
Die ersten Kilometer
Die ersten Kilometer bin ich noch geschlossen gefahren, also eigentlich mehr Coupé wie Cabrio. Dabei unterscheidet sich der offene Ahfünf kaum von einem anderen Audi. Solide, wenn auch etwas lauter im Innenraum verrichtet er seine Arbeit als Biomassentransporter tadellos. Und das tut er die meiste Zeit auch recht emotionslos.
 
Nach 10 Kilometern
Nach 10km ist der A5 schon sowas wie ein alter Bekannter und vermittelt ein wenig das Gefühl des Nachhausekommens. Joa? Alles gut, auch wenn das Dach noch zu ist.

Multimediaplunder
Mit dem Standard Mediasystem in dem von mir gefahrenen Exemplar verdient sich Audi keine Ruhmesblätter.
 

Mit der Bedienung des MMI werde ich in diesem Leben wohl nie mehr so richtig warm. Ich meine, ja, es geht, man kann das MMI blind bedienen und nach einer längeren Zeit sicherlich irgendwann auch ohne, dass man ab und zu mal hinschauen muss, wo man denn gerade rumdrückt ohne zu verstehen, was auf dem gut ablesbaren Display passiert. Für mich als Musikliebhaber aber ein richtiger Schlag in die audiophile Fresse ist die Lautsprecherbestückung im A5. Eine dermassen plärrige, dröhnige und unmotivierte Wiedergabe von Musik habe ich zuletzt in einem Japaner aus dem Jahre 2004 gehört. Und das ging so weit, dass ich irgendwann mein per Bluetooth verbundenes Handy ausgemacht habe, mir war der Akku zu schade um ihn mit der Wiedergabe meiner Lieblingsmusik über die anscheinend aus Papplautsprechern bestehende Bordkapelle des A5 zu strapazieren. Audi, das habt ihr mal so richtig verbockt, dass die Behebung von diesem Quatsch auf der Aufpreisliste steht find ich nicht so wirklich Okelidokeli für ein Auto in dieser Klasse.   
 
Die Fahrt
Ich kann nicht verstehen, warum in so vielen Autotests die Zeit, welche so ein Cabriodach braucht um auf oder zu zu gehen, so hoch gewichtet wird. Ob das 5 oder 25 Sekunden dauert ist (mir) völlig wurscht, banane, schnurzpiepegal, genauso ob das elektrisch oder mit Muskelkraft gehen soll. Diese Zeit lässt sich prima nutzen, um noch ein wenig runterzukommen. Und wer diese Zeit nicht hat, kann das Offenfahren irgendwie doch auch nicht wirklich geniessen weil ihm eben die Ruhe dazu fehlt. Ich bin zwar auch etwas unter Zeitdruck, aber trotzdem, erstmal reinsetzen, Neuwagengeruch durchatmen und sich mit aller Ruhe in den Sitz reinmümmeln.


Zündung ein, den Schalter vom Dach ziehen und erleben, wie die Sonne den Innenraum bis in die letzte Ecke flutet. Eigentlich kann das ja nicht lange genug gehen. Schlüssel drücken, den Hebel auf "D" runterreissen und los geht's.

Es gibt wirklich schlimmere berufliche Verpflichtungen, als in einem bequemen, offenen A5 zum Flughafen zu fahren. Und es fällt mir nicht schwer, über den etwas müden 1.8er Turbo hinwegzusehen. Der hat nämlich kein leichtes Spiel mit dem schweren weissen Bomber und dabei ist ihm das etwas befremdlich wirkende stufenlose Getriebe zwar eine Hilfe, ermordet aber jegliche sportliche Ambitionen im Ansatz. Bei Volllast dreht die Maschine einfach irgendwo über 5000 Umdrehungen und verharrt da so lange, bis man seine gewünschte Geschwindigkeit überschritten, bzw. erreicht hat. Danach fällt der Zeiger vom Drehzahlmesser wieder in den Keller bei knapp über 1000 Umdrehungen. Wobei man hier bestenfalls von einem Drehzahlbuttermesser sprechen kann, denn wie gesagt, der 1.8er reisst kein Steak vom Teller. Das ist aber bei 20°C und Sonnenschein ausnahmsweise mal egal. Der positive Aspekt von Durchzug liegt hier nicht bei der Motorisierung, sondern beim gut temperierten Wind, der von allen Seiten dezent um die Ohren pfeift.


Fahren tut sich der dachlose Audi wirklich sehr angenehm. Er verwöhnt mit einer guten Rundumsicht, trotz des etwas breiteren Frontscheibenrahmens und auch bei geschlossenem Verdeck sieht man noch aus dem Audi raus, ohne dass man im ganzen Innenraum rumklettern müsste. Und er vermittelt ein wirklich gutes Fahrgefühl. Die Lenkung ist angenehm straff und keine von der unsensiblen Sorte mit dem Charme von Vin Diesel. Das Fahrwerk ist eher komfortabel abgestimmt und dem Antrieb entsprechend nicht mit übermässig sportlicher Härte gestraft. Störende Windgeräusche sind im Freiluftmodus gar keine wahrzunehmen, würde nicht ab und zu das von Frühlingsgefühlen übermannte Vogelgezwitscher zu mir durchdringen, ich hätte ab und zu fast vergessen, dass ich offen fahre. Daran erinnert hat mich aber von Zeit zu Zeit die etwas spannende Haut an meiner köperverschleissbedingten immer höher wandernden Stirn. Der A5 macht tatsächlich Spass, solange die Sonne scheint und die Geschwindigkeiten auf Landstrassenniveau bleiben.

Anders verhält sich der offene Ingolstädter, wenn man mit geschlossenem Dach die Autobahn auffährt und den einen oder anderen Tunnel hinter sich lassen sollte. Dann offenbart sich der Nachteil, den alle Cabrios mit Stoffdächern haben. Es wird laut im Innenraum. Richtig laut. Radiohören, sich normal unterhalten oder via Freisprechkram telefonieren sind in Tunnels und vermutlich auch bei nassen Strassen kaum möglich. Plötzlich kriegt der Spruch "ich fahr gerade in einen Tunnel, ich ruf dich zurück" wieder an Relevanz, trotz guter Handynetze. Ich denke aber, das ist ein Tod, den man sterben muss und ein verhältnismässig kleiner Preis dazu, dass man sich während einer Autofahrt jene gesunde Hautfarbe holen kann, welche beim Druck mit dem Finger einen weissen Punkt hinterlässt. Und welche auch abends im Bett noch für eine wohlige Wärme sorgt.


Als kompakt kann man den A5 ja nicht unbedingt bezeichnen, er gehört ja als Vierplätzercabrio zu den eher grösseren Genossen seiner Zunft. Aber trotzdem, gerade auf den letzten Metern im engen Mietwagenparkhaus konnte er nochmal glänzen, keine Bordsteinkontakte, kein Adreanalinschub beim Manövrieren in den Betonkanälen, welchen anscheinend der Teufel persönlich vermessen hat. Zirkeln, Parken und zielgenaues Parkhausräbern sind kein grosses Ding, natürlich auch dank unterstützender Piepsassistenz.  Und damit hat er meine Erwartungen schlussendlich übertroffen. Der Meinung war vermutlich auch der Maikäfer, der mich ca. 50km weit auf dem Armaturenbrett rumkrabbelnd begleitet hat. Ich hoffe ihm gefällt's auch am anderen Ende des Walensees.
 
Fazit
Jep, der offene A5 kann was. In ihm finden sich nicht nur bewährte und ausgereifte Technik und Konzepte, sondern auch die Kopffreiheit in unendliche Weiten. Die Menge an Kompromissen, die so ein Cabrio mit Textildach bauartbedingt mit sich bringt, sind gerade im A5 überschaubar. Da wären das Windschott, welches zwar praktisch ist, aber den Vorteil der zweiten Sitzreihe wieder relativiert. Auch der Geräuschpegel im Innenraum ist gerade auf längeren Autobahnfahrten recht hoch und dem Stoffverdecke geschuldet. Und da wäre vermutlich auch noch der eher kompakte Kofferraum, in welchen ich nicht reingeschaut habe. Aber wenn da zwei Kästen Bier reingehen, passt das, sollen die anderen das Fleisch zum Grillabend am See mitbringen. Ich würde das A5 Cabrio mit eben jenen kleinen Einschränkungen als alltagstauglich bezeichnen. Und dann kommt noch ein nicht unerheblicher Faktor dem Audi zu Gute; er kommt vor allem offen als wirklich hübsches Gefährt der offenen Klasse daher. Das kann man nicht von jedem Viersitzer behaupten, auch wenn diese Behauptung schlussendlich auf dem Geschmack des einzelnen fundiert.
 
Kaufen?
Au! ich hab Schmerzen. Im Geldbeutel. Das Tüpfelchen auf dem i in Cabrio wäre der feine Sechszylinder aus dem Audiregal. Damit würde zumindest für mich das ganze Paket stimmen, der 1.8er scheint mir für diese schwere Fuhre einfach nicht souverän genug. Aber um Gottes Willen, damit steigt der Preis des A5 in Regionen, wo es schon richtig gut ausgestattete Kombis aus dem eigenen und anderen Häusern gibt. Nur dann is nix mit Sonnenstudio mit unendlicher Frischluftzufuhr. Wenn man aber damit leben kann, dass das Auto schon in anderer Hand war und vielleicht schon die eine oder andere Macke hat, dann kann man sich den offenen A5 auch als Gebrauchten anschauen. Und damit kriegt man ein grösstenteils alltagstaugliches Auto, mit Quattro sogar für den harten Winter und die Fahrt in den Skiurlaub. Wenn man denn die Ski auch noch irgendwo unterkriegt. Aber die Skis gehören jetzt wieder in den Keller bis Dezember, es ist Frühling. Runter mit den Tops!
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Über Duck@Cars

Mit dem Drehmomentschlüssel in der Hand zur Welt gekommen, aufgezogen mit Super verbleit. Wenn andere mit Lego gespielt haben, hat er Reifen gestapelt. Das ist Duck. Und das ist Quatsch. Tatsächlich ein Bürohengst der IT-Sorte, gerne und viel unterwegs und noch viel lieber hinter seinem Instrument. Benzin im Blut. Maschinen im Kopf. Rad ab.

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