Mini Cooper S

Vorwort
Mini heisst ja bekanntermassen klein. Da gibt's den Minirock, das Mini-Schwein, den Mini-Malist oder Mini-Me. Und obwohl ja eben als klein bezeichnet, im automobilen Bereich ist der Name Mini ja eine feste Grösse und das schon seit 1959. Und er war damals schon ein ausserordentlich agiles Auto, der kleine Engländer fuhr in den frühen Tagen des Rallysports der Konkurrenz im wahrsten Sinne des Wortes um die Ohren. Auch heute sieht man die alten Minis immer noch oft bei klassischen Rennveranstaltungen, wie sie auch den Porsches, den Ford Cortinas und den Mustangs immer wieder mal einen Rang abnehmen. Diese flinken Fahreigenschaften standen 2001 bei BMW's Retroprojekt ebenfalls auf dem Zettel. Und sie haben sich nur auf ganz wenige Kompromisse eingelassen. Zum Glück!

Was denn?
Ein Mini Cooper S, Vierzylinder Turbo mit munteren 192PS und 280Nm Drehmoment ab 1250 Umdrehungen. Für die Kraftübertragung gibt's ein manuelles Sechsganggetriebe und Frontantrieb.



Laufleistung
ca. 1'200'000 Meter.

Wie weit?
150km.

Handbuch gelesen?
Ne.

Erster Eindruck
Ein Mini!! Geil! Auch dies ist mein erster, den ich selbst fahren darf. Und dann noch der mit dem aufgeblasenen Motor. Ich bin entzückt! 

Zeigefinger (Assistenzsysteme)
ABS, ESP.

Innenraum
OK, wenn ich ehrlich bin, schon bei meiner ersten Begegnung mit dem Mini vor einigen Jahren hat sich etwas in mein Gehirn eingebrannt. Der Innenraum ist keines jener Schlachtfelder, auf denen der Mini etwas gewinnen kann. Auch in der neuesten Generation hat sich daran nicht viel geändert.  



Dass gerade der Cooper S nix ist für Wattefetischisten war mir schon klar. Aber ui, muss denn alles dermassen hart sein? Der Sitz, bretthart, wenn auch gut konturiert. Lenkrad, hart. Schalter, hart. Schaltknauf, hart. Dunkles, hartes und kantiges Plastik überall, etwas Kontrast gibt's durch einige Chromteile. Ne, der Innenraum des Mini ist keine Kuschelhöhle. Vielmehr nur eine Höhle. Aus einer Zeit, als das Sofa noch aus Wurzeln und Steinen bestand. Wirklich, die Härte. Warum das eigentlich fast schon Absicht sein könnte, realisiere ich erst nach den ersten Kilometern. 



Ebenfalls sehr gewöhnungsbedürftig ist die ganze Ergonomie oder auch die Anordnung der Lüftungsdüsen. Jene in der Mitte links bläst direkt ans Lenkrad bzw. an die Finger.  Die Schalter sind überall verstreut, in der Mittelkonsole oder am Dach und der Lichtschalter zum Beispiel findet sich dort, wo bei vielen anderen Autos der Sicherungskasten und die Motorhaubenentriegelung zu finden ist. Irgendwo in der Nähe vom linken Knie. Und würde der schicke Kippschalter für den Motorenstart nicht rot vor sich hin pulsieren wie ein brennendes Feuerwehrauto, würde ich auch diesen irgendwo in der Nähe vom Lenkrad suchen bis Weihnachten.  Klar, man gewöhnt sich ja an alles und es ist nicht so, dass dies alles nicht seinen Charme hätte. Aber irgendwie ginge das sicherlich noch etwas besser, zumal das Auto schon seit bald 15 Jahren immer wieder verbessert wurde. Alles scheint hier etwas sehr gedrungen, obwohl der Innenraum im Mini gar nicht so Mini ist, das Raumgefühl ist zwar kompakt, ruft aber keine latente Klaustrophobie auf den Plan. Meine erste Euphorie über das kostenlose Upgrade von einem Golf ist schon etwas verflogen.

Die ersten Kilometer
Auch wenn ich den kalten Motor noch schone, aber dieses Triebwerk ist ein Quell der Freude, die Lenkung ist zackig und die Geräuschkulisse ist einem Krawalleimer mehr als würdig. Der Innenraum kann mich mal.

Nach 10 Kilometern
Ist die Maschine warm, ist der komische Innenraum endgültig vergessen, abgesehen vom Drehzahlmesser. Ich überlege gerade, wem aus meinem näheren Freundeskreis ich so ein Auto aufschwatzen kann, nur damit ich etwas näheren Zugriff darauf habe. Was für eine Spasskiste! Und der Auspuff...

Multimediaplunder
Kurz und knapp, im Mini ist die Kapelle gut beisammen und klingt ganz ordentlich. Nur, in diesem Auto verkommt das Radio zum weiteren Passagier. Die Musik kommt nämlich vom Heck.


Die Bedienung erscheint mir nicht mehr so ganz zeitgemäss. Erinnert ein wenig an eine alte Aiwa Stereoanlage aus den 90ern, auch wegen der bunten Lichtshow um das grosse runde Etwas herum. Aber wie gesagt, Musik hören ist eher Nebensache im flotten Cooper.

Die Fahrt
Ich kann mich gerade nicht erinnern, dass ich in einem kompakten Fronttriebler das letzte Mal so viel Spass hatte. Obschon die nasse Strasse und die Billigwinterreifen das gut spürbare Limit etwas heruntersetzen. Trotz des früh anliegenden Drehmoments ist die Drehfreude des aufgeladenen Turbomotors noch gegeben und man will den Vierzylinder auch gerne mal ausdrehen, runterbremsen, zwei Gänge runterschalten, wieder ausdrehen, und dann alles wieder von vorne. Schon alleine wegen der Akustik im Heck, der Auspuff verkündet jedem Drängler unmissverständlich, hier tust du dich schwer, ich mach hier gleich den grossen Zampano. Der Mini rennt nämlich wie bekloppt. Und hier versteh ich auch ein wenig die Absicht des harten Innenraums. Dieses Auto kommt ohne Filter und macht keinen Hehl daraus, wie mies die Strassen vielerorts eigentlich beisammen sind. Das wiederum verleiht dem S aber wieder eine Lebendigkeit, welche jedem, der sportliche Autos mag, ein Lächeln ins Gesicht zementiert. Hand drauf!

Aber, er kann ja nicht nur geradeaus. Noch mehr Spass als auf der Geraden nach aufgehobener Geschwindigkeitsdiktatur macht der Kleine in Kurven. Wo man in anderen Autos das Lenkrad irgendwann gerne mal etwas fester anpackt, vermittelt das wirklich sehr straffe Fahrwerk nicht unbedingt Ruhe, aber eine Menge Zuversicht. Da gehen noch einige km/h's mehr. Dies ist auch der präzisen und direkten Lenkung geschuldet, welche den Fahrer nie im Ungewissen lässt, was denn nun an der Vorderachse gerade für ein Film läuft. Damit ist mir auch völlig klar, warum viele Fans dieses Auto auch gerne für Trackdays kaufen und dort auch standesgemäss bewegen. Die Porsches und M's dieser Welt mögen zwar auf der Geraden schneller sein, aber Spass macht dieses Kind aus Bayern und England sicherlich nicht weniger, gerade auf kurvenreichen Strecken. Die etwas mangelnde Traktion bei meinem winterbereiften Exemplar würde wohl auch vom Tisch sein, wenn man den Mini vernünftig bereift. Und damit würde der Kleine auch noch lebendiger, würde noch mehr Rückmeldung geben und damit noch weniger filtern. Auch mit Winterreifen hatte ich wieder mal dieses seltene Gespür dafür, wo denn genau an einem für mich fremden Auto die Reifen sind und was sie gerade machen. Der Cooper ist ein Quassler, wenn es darum geht, was denn nun jedes Rad an welcher Ecke gerade macht. Roh, aber ehrlich. Mag ich. 

Irgendwann ist der Spass aber auch vorbei. Nämlich dann, wenn man in eine Stadt reinfährt. Wo man nur dem anderen hinterhertuckert und das Saugnapfnavi dauernd gongt, weil man drei km/h zu schnell ist. Dann wird der Cooper etwas unangenehm. Weiiiil, da wird das harte Fahrwerk zum bandscheibenmalträtierenden Nachteil. Jeder Gullideckel und jede Fahrbahnunebenheit degradiert das muntere Auto zum Testsieger bei Stiftung Warentest: Schlaglochsuchgerät der Extraklasse: Sehr gut! Und auch sonst ist der Mini trotz eben seinem eher kleinen Wesen kein Gewinner innerhalb der Stadt. Wie jetzt, ein Mini ist nicht stadttauglich? So leid es mir tut, aber höchstens bedingt. Das liegt einerseits an der Sitzposition. Man sitzt nämlich recht weit hinten in der Fahrgastzelle, und in Verbindung mit der steilen Frontscheibe und dem tiefen Armaturenbrett ergibt sich daraus ein Nachteil, den ich so seit Jahren nicht mehr in einem Auto wahrgenommen habe. Wer in der ersten oder auch noch in der zweiten Reihe vor einer Ampel steht, muss sich nicht unerheblich weit nach vorne lehnen um überhaupt zu sehen, ob's denn nun rot, gelb oder grün ist. Das Dach ist einfach im Weg und halt auch nicht durchsichtig, ein Glasschiebedach wäre hier tatsächlich einen Haken auf der Aufpreisliste wert. Gerade wenn man sich nur von Ampel zu Ampel hangelt und sich dabei ernsthaft darüber Gedanken macht, dass man wieder mal etwas für seinen Rücken tun sollte, ist das etwas lästig. Aber vielleicht auch gut für die Bauchmuskeln?

Und auch sonst, man würde ja erwarten, dass so ein Mini ja kompakt ist und damit leicht in Parklücken zu packen ist. Mitnichten, der Lenkeinschlag ist eher von der bescheidenen Sorte. Der Ur-Mini war 77cm kürzer und klar, damit sowieso eines der kleinsten Autos welche überhaupt vier Personen fassen konnten, der liess sich auch in einen Fahrradständer oder einen etwas grösseren Briefkasten reinparken. Aber 10.8 Meter Wendekreis sind so gar nicht mini, denselben Wert bietet auch (m)eine C-Klasse und das ist schon ein wesentlich grösseres Schiff. Dafür aber weiss man recht schnell, wo das Auto anfängt und wo es aufhört, die Abmessungen sind gut zu erahnen und ich würde den zweitenglischsten aller BMW's als sehr übersichtlich bezeichnen. Nicht so übersichtlich wie eine leere Kuchenplatte, aber dennoch übersichtlicher als die meisten Autos in seiner Klasse.

Aber, trotz all dieser Defizite liebe ich den Cooper S. Er ist im Herzen tatsächlich ein Sportler, auch wenn er nicht unbedingt so aussieht. Dafür mache zumindest ich gerne auch mal den einen oder anderen Kompromiss. Und man muss wirklich auch dankbar sein, dass sich ausgerechnet BMW diesem Retroprojekt damals angenommen hat. In Bayern wird Fahrfreude nämlich immer noch gross geschrieben und man fühlt sich Traditionen verpflichtet, auch wenn's englische sein sollten. Und damit ist der Cooper S auch eines jener Autos, die auf meinem Rennstreckenwunschzettel landen. Lieber Weihnachtsmann, es ist zwar noch etwas früh, aber...

Fazit
Das lustigste Mietauto seit Monaten. Auch wenn vielleicht ein A4 für den Auftritt vor dem Firmensitz etwas seriöser daherkommt, aber der Weg dahin macht im Mini Cooper S unfassbar viel Spass. Ob ich den Mini für jeden Tag haben möchte weiss ich noch nicht so ganz, der Platz ist für meine Bedürfnisse schon sehr knapp bemessen und der etwas unfreundliche Innenraum wurmt mich schon ein wenig. Wenn ich aber daran denke, wieviel Spass dieses Auto auf einer kurvigen Land- oder Bergstrasse macht? Dass man damit auch mal an einen gemischten Trackday gehen kann und trotzdem keine Angst vor der wesentlich besser motorisierten Konkurrenz haben muss? Das allerdings hinterlässt den Cooper S für mich persönlich als absoluten Favoriten bei den gedopten frontangetriebenen Kompakten. Wenn man irgendwann auch noch den Innenraum etwas wertiger hinbekommt, kriegt er von mir eine Umarmung. 

Kaufen?
Ja Schatz, so einen musst du Dir unbedingt zu tun. Der ist knuffig und süss und hat innen so glänzendes Zeug. Und er guckt wie ein pinker Hamster. Und der ist ruckzuck auf 200. Hinten hat's Platz für Schuhe und Handtaschen. Und damit kann man prima nach Italien fahren, Maranello und Monza sollen übrigens sehr schön sein. Oder in die Gegend um Köln herum, dort soll es auch wunderschöne und verträumte Strecken geben. Und keine Angst, ich nehm' ihn dir nicht weg, ist ja eigentlich ein Frauenauto. Den gibt's nämlich auch mit Wimpern.


Oh, schau mal, ein Blumenstrauss!
Share on Google Plus

Über Duck@Cars

Mit dem Drehmomentschlüssel in der Hand zur Welt gekommen, aufgezogen mit Super verbleit. Wenn andere mit Lego gespielt haben, hat er Reifen gestapelt. Das ist Duck. Und das ist Quatsch. Tatsächlich ein Bürohengst der IT-Sorte, gerne und viel unterwegs und noch viel lieber hinter seinem Instrument. Benzin im Blut. Maschinen im Kopf. Rad ab.

0 Kommentare :

Kommentar veröffentlichen

Kommentare und Kritik sind immer herzlich willkommen. Grundsätzlich wird jeder Kommentar veröffentlicht und ggf. spiele ich auch noch Senfautomat. Auf verletzten Markenstolz gehe ich aber idR nicht ein.
Nicht veröffentlicht wird all jenes Zeug, welches unsere geschätzten Rechtsverdreher so zum Leben benötigen. Dazu gehören Beleidigungen, Verleumdungen, Rufmord etc.

Vielgelesen

Blog-Archiv