Dirty Talk! - Wenn Autos plötzlich schmutzige Namen haben

Vorwort
Ich stelle mir des Öfteren vor, wie in aller Welt es manche technische Eigenschaften eines Autos bis in die Serienproduktion schaffen. Ich denke da z.B. an meinen alten Subaru Legacy, dessen Innenraumbeleuchtung sich auf die hinteren Sitzreihen beschränkte und den Fahrer bei Nacht im Dunkeln liess. Oder die Armaturenbrettgestaltung im Renault Mégane. Da werden dutzende von Meetings abgehalten, wenn es darum geht, welche Dicke ein Chromzierring im Tacho haben soll, aber keiner schnallt, dass das Ding kaum ablesbar ist. Dasselbe scheint auch immer wieder mal zu passieren, wenn man dem Endprodukt noch einen möglichst aussagekräftigen und wohlklingenden Namen verpassen soll. Manchmal geht das dermassen schief...
 

Der Audi e-tron - "Stuhlgang" (französisch)
 
 
Was soll denn bitte hier falsch sein? Tja, da sind die Franzosen schuld. Das Wort étron bedeutet in Frankreich soviel wie Stuhlgang. Was für ein Pech für Audi, die Franzosen werden auch diese Autos meiden wie der Teufel das Weihwasser. Keiner bekennt sich gerne freiwillig dazu, mit Stuhlgang zur Arbeit zu fahren. Oder mit Stuhlgang im Stau zu stehen. Spritsparen hin oder her. Noch schlimmer wird's, wenn die holde Gattin sich noch einen MR2 gekauft hat. "Wir haben Stuhlgang und Scheisse in der Garage!". Bäääh...

 
Der Dodge Dart Swinger - "Der Partnertauscher"
 
 
Hier kann man nicht mal von mangelnden Fremdsprachenkenntnissen ausgehen. Und dass dieses fünfsitzige Auto keine grosse Fanbase hat ist nicht verwunderlich. Wer als Besitzer solch eines Schlittens eine Interessensgemeinschaft in Form eines Clubs im Internet sucht, wird sich schwer tun, hier nicht im eher anrüchigen Teil des Internets zu landen. Zukunft für dieses Namenskonzept sehe ich heutzutage höchstens in der Fahrzeugflotte bei einem Carsharingunternehmen.
 
Der Isuzu Mysterious Utility Wizard - "Der geheimnisvolle Einrichtungsassistent"
 
 
Der geheimnisvolle Einrichtungsassistent. Oder der mysteriöse Gebrauchszauberer. Was auch immer, diese Namensgebung hat bekanntermassen nicht zum breiten Erfolg ausserhalb Asiens geführt. Wobei sich ja auch in unseren Breitengraden die Leute "Nudelsuppe" in chinesischen Schriftzeichen aufs Handgelenk tätowieren lassen und stolz drauf sind. Trotzdem, niemand wird sich auf die Frage nach dem eigenen fahrbaren Untersatz dazu bekennen, ein Auto zu fahren, welches nach einem bärtigen Typen ohne Namen aus einem drittklassigen Fantasy-Epos benannt wurde. Bei uns war das ja ein Opel Frontera, was wiederum aus dem spanischen übersetzt "Grenze" heisst. Hätte man bei Opel die komische Nomenklatur für Europa übernommen, wäre es wohl der Opel "Siegfried & Roy" geworden. Wäre immer noch besser gewesen als der geheimnisvolle Einrichtungsassistent. Wo dieses Auto aber wirklich zaubern konnte, war bei den Crashtests, es konnte die Fahrgastzelle in die Form und die Masse einer überfahrenen Schuhschachtel verwandeln, dafür brauchte es nur etwas Beton und 64km/h.
 
Simsalabim!
 
Auch als Jiangling Landwind war diesem Auto wirklich kein Erfolg beschert. Und bitte, Landwind?
 
Der Mazda LaPuta - "Die Nutte" (spanisch)
 
 
Das war ja mal so richtig unglücklich. Aus dem Spanischen übersetzt heisst "La Puta" schlicht "die Nutte". Kein wirklich schmeichelhafter Name für einen Kompakten, mit dem auch mal die Kinder zur Schule gefahren werden sollten. "Meine Eltern haben sich ein neues Auto gekauft, es ist eine Nutte". Ich möchte wirklich unheimlich gerne wissen, wie man bei Mazda darauf gekommen ist, ein Auto "Nutte" zu nennen. "Der neue Besitzer wird stolz sein, wenn er sich von uns eine Nutte gekauft hat!". Oder "Ich hab die Nutte auf dem Parkplatz stehen lassen". Ganz fies; "Ich geh mal die Nutte volltanken.". Oje.
 
Der Mitsubishi Pajero - "Der Wichser" (spanisch)
 
 
Auch diesem Auto bzw. dieser Namensgebung war kein Erfolg im spanischsprachigen Raum beschert. Wer möchte schon einen Geländewagen fahren, der übersetzt "Wichser" bedeutet. Klingt halt einfach besser, wenn man mit dem Range Rover zum Liebesurlaub nach Barcelona fährt, als mit einem masturbierenden Japaner. Oder einer Nutte...
 
Der Mitsubishi Minica Lettuce - "Der Minica Salat" (englisch)
 
 
"Was fährst denn zur Zeit für eine Auto?" "Einen Mitsubishi Minica Salat". Salat?? Wieso Salat? Wieso nicht gleich der Minica Vegetarian, oder Minica Diet. Hat man bei Mitsubishis Marketingabteilung einfach einen Langenscheidt gekauft, irgendwo aufgeschlagen und blind mit dem Finger reingetippt? "Das Auto heisst jetzt Lettuce, irgendwelche Einwände? Nö? Dann gebt das mal an die Produktion weiter." Allerdings, wenn der auch mit Frenchdressing läuft, dann bin ich sofort ruhig, dann können sie ihn von mir aus auch Cesar Salad nennen. Oder BLT.
 
Der Toyota MR2 - "Scheisse" (französisch)
 
 
Bitte was? Was kann man bei zwei Buchstaben und einer Zahl den falsch machen? MR2 klingt doch überall auf der Welt wie die Typenbezeichnung für einen todbringenden Marschflugkörper oder ein Faxgerät? Mitnichten, in Frankreich hört sich die Aussprache von "MR2" an wie "Merde", auf deutsch "Scheisse". Und wer will schon seinem Freundeskreis freudestrahlend beibringen, man haben sich gerade einen "Toyota Scheisse" gekauft? Schade, denn so scheisse war der MR2 gar nicht. Ich fand den gut.
 
Der Pontiac Aztek 
 
 
OK, auch wenn sie dieses Auto nicht nach einer längst vergangenen Kultur benannt hätten, es wäre nicht besser geworden. Hätten Sie diesen Designamoklauf Pajero, MR2 oder LaPuta genannt, es hätte an den Verkaufszahlen auch nix geändert. Wer sich so ein Auto kauft ist anscheinend gegen alles schmerzfrei, was den meisten Leuten den blanken Ekel ins Gesicht treibt. Für Pontiac gilt ja nun dasselbe wie für die Azteken, eine längst vergangene Epoche wo schon das Gras drüber wächst. Der nächste Hersteller, der sein Auto Pharao oder Atlantis tauft, macht wohl bald den Schirm zu.
 
Der Chevy Nova - "Läuft nicht" (spanisch)
 

Da hab ich ja grad nochmal Schwein gehabt. "No va" heisst auf spanisch übersetzt soviel wie "läuft nicht". Auch nicht unbedingt von Vorteil, wenn ausgerechnet ein Auto mit "läuft nicht" benannt wird.
 
Der Studebaker Dictator
 
 
Auch nicht gerade eine geniale Idee, ein Auto den "Diktator" zu nennen. "Komm, heute fahren wir mal mit dem Diktator zum Chinesen". Zum Glück hat das keine Schule gemacht, sonst würde ich hier auch noch über Autos wie den Chrysler Massacre, den Opel Cholera, den Maybach Henker und den Honda Harakiri schreiben.
 
Der Citroen Cactus
 
 
Abgesehen davon, dass der Name dieses Autos schon in der deutschen Aussprache nach Kacke klingt, wird es auch nicht dadurch besser, dass man den Franzosen auch noch rundum mit guanobraunen Kunststoffteilen beplankt hat. Sieht aus, als ob man damit gerade durch eine Jauchegrube gebrettert wäre. Sie hätten ihn von mir aus auch gleich "Gullé" oder "Combo ST" nennen können. Bei Audi wird man sich jetzt in's Fäustchen kichern. Und von mir gibt's dafür auch gleich ein...
 
 
 
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Über Duck@Cars

Mit dem Drehmomentschlüssel in der Hand zur Welt gekommen, aufgezogen mit Super verbleit. Wenn andere mit Lego gespielt haben, hat er Reifen gestapelt. Das ist Duck. Und das ist Quatsch. Tatsächlich ein Bürohengst der IT-Sorte, gerne und viel unterwegs und noch viel lieber hinter seinem Instrument. Benzin im Blut. Maschinen im Kopf. Rad ab.

2 Kommentare :

  1. Nicht weiter schlimm aber auch schön, der Ssang Yong Musso oder übersetzt: Der Zwillingsdrache Rhinozeros. So sieht er auch aus...

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