Mercedes Benz C250 CDI 4Matic

Vorwort
Tja, wie heisst es so schön...


Mein Dailydriver musste mal in die Werkstatt. Nicht weil etwas kaputt war, sondern weil ein  Wartungsintervall seine Aufdringlichkeit im Tacho zum besten gab. Yay! Leihwagen! Der Unterschied zu den Mietkisten, diese Autos sind meist gut ausgestattet und besser motorisiert. Nach den zwei A1 mit Dreizylindern und dem Octavia Schiessmichtot letzte Woche eine wahre Wohltat. Doch halt, hatten wir den aktuellen C nicht schon? Doch, aber nicht in der Ausführung, die jeden aufstrebenden IT'ler anspricht, die CIO-Edition. Aber Obacht! CIO means Career is over!

Was denn?
Ein aktueller Mercedes Benz C250 Diesel mit Viermatitsch. 204PS und 500Nm sorgen für reichlich IT-technisch unterstützten Vortrieb. Wohlgemerkt, ohne Traktionsprobleme und auch ohne Absturz oder dem Schrei nach Updates.

Schnittig...

Schlittig.

Guggsch du.
Laufleistung
Verdammt. Ich hab nicht nachgeschaut und der Schlitten steht in der kalten Tiefgarage, während ich gerade in meinem kuschligen Büro sitze. Dem Zustand nach zu urteilen hat der Schlitten aber kaum 5000km. Vorführwagen.


Wie weit?
ca. 160 km, Landstrasse, Autobahn, Kuhkaffserpentinen. Ein bunter Mix grauen Asphalts.


Handbuch gelesen?
Nope. Wer einmal im Taxi gesessen hat, kennt sie alle.

Erster Eindruck
Na endlich mal ein aktueller C mit der AMG Schminke. Feine Sache, so gefällt mir der C besser als mit dem politisch korrekten Buchhalterzwirn.

Zeigefinger (Assistenzsysteme)
Der Businesskasper würde fragen, ob auch alle da sind. Und selbstverständlich würde alle "JA!" rufen. Ausser der Distronic Tempomat, der ist nämlich nicht mit dabei. Sonst ist die Hütte assistenztechnisch so voll, dass man sich als unmündiger Fahrer um nix kümmern muss. Ausser um Heizöl und Serviceintervalle.

Innenraum
Ich gestehe, der Innenraum der aktuellen C-Klasse ist wirklich einer der schöneren Orte, an den man vier Räder geschraubt hat. Abgesehen von einem Dragster mit Alusitzen und Überrollkäfig.  


Und abgesehen von dem iPad auf der Mittelkonsole. Aber das hatten wir schon mal. Find ich einfach nicht lecker. Bitte bei der nächsten Modellpflege wieder ins Armaturenbrett so reinpappen, dass es nicht aussieht, wie ein an der Kasse hingeklebter Fernseher im Mediamarkt.


Die Mittelkonsole empfinde ich mittlerweile als aufgeräumt und logisch geordnet. Wer damit nicht klarkommt, kriegt auch keine Schmuddelfilme in die iCloud rein. Auch schön(er), das Finish in Holz statt Rotzmagnetplastik. 

Es ist 8nach6. Macht dann viertausend Euro bitte.
Bei der schicken Uhr hier muss ich öfters schmunzeln. Warum? Nicht weil sie am Laufmeter einen Flachwitz nach dem anderen rausballert. Nein, weil ich mich vor einiger Zeit mal durch den Konfigurator bei den Benz'schen Website gewühlt habe. Und ich dachte, die Uhr ist recht lecker, die würd ich haben wollen. Egal, dass die Zeit schon kostenlos im Tacho und im iPad angezeigt wird. Aufpreis war glaub ich um die 160 Mücken. Tjaaa, dachte ich, rein damit! Kaum hatte ich das Kreuzchen gemacht, poppte ein weiteres Fensterchen auf, welches mich darauf hinwies, dass dieser Wecker nur in Verbindung mit irgendeinem Innenraum- und Optikpaket zu haben sei. Kostenpunkt; 4000irgendwas Teuros. Liebe Mercedes Benz Verkaufsberater, wenn ich eine Uhr kaufen will, die mich über vier Tonnen kostet, dann sollte da mindestens ein Schweizer Uhrmachername drauf stehen und das Ding sollte sich um mein Handgelenk schmiegen wie Schwarzwälder Kirschtorte. Mindestens aber sollte man darauf Angry Birds spielen können. Sorry Leute, aber ihr solltet da nochmal über die Bücher oder euch auf den Kundenkreis jener Leute konzentrieren, die glauben, ein Liter Milch kostet 150 Euro und den Erstgeborenen.


Wofür ich aber gerne Aufpreis bezahlen würde, sind diese Sitze. Ohne masslos übertreiben zu wollen, aber diese Stühle sind die besten, in welche ich jemals reingepupst habe. Wirklich, als ob die Leute von Daimler heimlich nachts in mein Schlafzimmer geschlichen sind, mich mit Knetmasse eingepappt und den Abdruck dazu verwendet haben, diese Sitze daraus zu formen. Himmel, ich möchte diese Sitze heiraten, so gut sind sie. OK, ich übertreibe wohl ein wenig. Liegt wohl daran, dass ich die Sitze in meinem eigene C350 einfach nur so anschmiegsam und sportlich finde, wie diese billigen Plastikgartenstühle mit bunten Sitzpolstern. Aber ernsthaft, diese Sitze sind wirklich erste Banane. Hand drauf.

Achja:

    
Wo dieser Griff bei meinem C noch aus poliertem Metall ist, ist er beim neuen C aus Plastik. Vielen Dank lieber Controller bei Mercedes Benz. Das nächste mal sparst du bitte lieber an etwas, was kein Schwein sieht. Z.B. beim Ausstattungspaket mit der Uhr. Dieses strunzdumme Ding ist doch schon beim ersten mal Schlagzeugverladen im Teig. Futsch, kaputt und sicher keine Garantie drauf. Mensch...

Die ersten Kilometer
Motorstart bei offener Tür. Und es lässt sich nicht abstreiten, der kalte Diesel nagelt mir ein Ei gegen die Schiene dass es kracht. Hab ja nix anderes erwartet, deswegen hält sich meine Enttäuschung auch in Grenzen. Aber nachdem die Tür wie ein 150kg schweres Kissen ins Schloss gefallen ist; Ruhe. Kein Dieselgenagel. Keine Vibrationen. Was'n hier los? Hat man es in Stuttgart tatsächlich geschafft, einen Motor komplett in Watte zu packen? Scheint so, denn auch der erste beherzte Tritt aufs Gas nach ein paar Kilometern Warmlauf scheinen dies zu bestätigen, dieser Schlitten läuft nicht nur mit Diesel, er läuft anscheinend auch mit Watte. Wo füllt man die nach?      

Nach 10 Kilometern
Ich bin echt erstaunt und das bin ich eigentlich nur dann, wenn ich behaupte, asiatisch zu kochen und die Leute mir nicht feuerspeiend die Vorhänge abfackeln. Dies ist ohne Untertreibung der leiseste und undieseligste Diesel, den ich je gefahren bin. Was soll denn die Scheisse jetzt?

Multimediaplunder
Burmester. Das klingt schon wie ein Typ, der in Herr der Ringe massenhaft Orks mit dem kleinen Finger niedermetzelt. "Gandalf, das ist Burmester der Orkschlächter!" In Wahrheit ist es aber einfach nur ein hochfideler Hersteller von Lautsprechern. Simpel gesagt. Optisch macht sich dies im C250 erstmal durch lasergeschnittene Alubleche bemerkbar. Oho, der feine Herr! Aber ehrlich gesagt, ich hätte ein wenig mehr erwartet von dem edlen Namen und den filigranen Lautsprechergittern im Innenraum. Tatsächlich bevorzuge ich das System in meinem eigenen C von Harman Kardon. Was zwar wortwörtlich ausgesprochen immer noch klingt wie ein Ziegenhirt aus Schweden, aber musikalisch mehr Feinheiten und Raum in den Innenraum bringt. Abgesehen von der Pegelfestigkeit, der Orkschlächter kann defintiv lauter, ist aber weniger kultiviert. Schade. Klingt amtlich, aber auch nicht überragend.   


Da ist sie wieder, die schmierige Multimediakartoffel!

Der Rest ist klassenüblich, Bluetooth Handy & Audio, SD Kartenslot, zwei USB Ports (ok, das ist einer mehr als nötig) und CD Player. Mehr braucht kein Mensch, weniger reicht nicht zum Angeben am Stammtisch.  

Die Fahrt
Der C250 CDI ist ja wirklich ein dezenter Geselle. Das Fahrwerk und die Gaspedalkennlinie lässt sich von Containerschiff bis zur Seifenkiste regulieren. Im Herzen ist der C ein Gleiter, ein Schmeichler und ein Schmuser. Im Komfortmodus ist das Fahrwerk in seinem Element und bügelt alles platt, was sich auf der Fahrbahn sonst so unangenehm bemerkbar macht. Spurrillen, Gullideckel, Eisenbahnschwellen, all das wird von dem Fahrer mit der Vehemenz eines übellaunigen Türstehers ferngehalten. Hier kommst du nicht rein. Im Sportmodus ist dann halt alles ein wenig künstlich straff gehalten. Die Dämpfer knallen, das Getriebe ist aus Trotz oder aus Prinzip einen Gang zu tief unterwegs, die Lenkung zupft und das Gaspedal ist furchtbar nervös. Nicht dass der C im Sport+ Modus auf Krawall aus wäre, aber irgendwie scheint die sportliche Härte auch etwas übertrieben. Das passt aber wiederum zu mir, auch ich trage gerne sportliche Kleidung, am allerliebsten auf der Couch. Mit nem Stück Daimtorte, einem übersüssten Kaffee und einem viel zu weichen Kissen im Nacken.  


Wobei, der C ist nicht gänzlich unsportlich. Und das sage ich jetzt nicht, weil jetzt Winter ist und die Wahrscheinlichkeit, durchs Fenster von einem Blitz getroffen zu werden sehr gering ist. Ne, dieser Benz hat das Zeug dazu, mich als eingefleischter Heizölhasser eines besseren zu belehren und mir denjenigen vom Pferd zu erzählen, dass Dieselmotoren sportlichen Charakter haben könn(t)en. Weil, naja, wie soll ich's sagen, dieser Diesel ist tatsächlich sowas wie drehfreudig. Normalerweise haben diese Triebwerke untenrum den Bums einer Lok, aber obenrum die Drehfreude eines Wählscheibentelefons von null abwärts. Der hier hat aber diese letztere miese Charaktereigenschaft irgendwie nicht. Kann aber auch am subjektiven Eindruck liegen, dass es im Innenraum unter Volllast nicht klingt, als wenn der Motor mit Schrauben statt mit Dieselöl laufen würde und die Fuhre ziemlich amtlich vorwärtsmarschiert. 500Nm sei Dank.

Was ich auch ganz fein finde, ist das LED-Licht im C. Es mag zwar etwas blaustichig sein und die Ausleuchtung der Fahrbahn erscheint mir auch keinen Deut besser als die Xenongeschichte mit ILS im alten Modell. Aaaaber, dieses LED-ILS kann tatsächlich Autos im vorherfahrenden und im entgegen fahrenden Verkehr Ausblenden und dabei die Gegend rundherum in gleissendes LED-Licht fluten. Wie geil. Das mag vielleicht bei anderen Herstellern noch besser funktionieren, aber ich habe das vor vier Stunden gerade das erste mal live und in Farbe gesehen. Und ich wusste gar nicht, dass der Schlitten das kann?


Aha-Moment des Tages, noch weit vor der Erkenntnis, dass Daimtorte und Weizenbier nicht unbedingt perfekt harmonieren. Intelligentes LED-Licht kann was.


Was übrigens auch wirklich gut harmoniert, ist der drehmomentstarke Diesel und die Wandlerautomatik. Weil das Triebwerk schon von unten raus wirklich gut geht, ist das hektische Rühren im Wandler kein Thema. Der Benz hat immer genug Bums. Und auch aus dem Stand, dank dem passablen Allrad. Leiiiiider hats keinen Schnee mehr auf den Strassen, sonst könnte ich hierzu noch etwas mehr schreiben. Aber zumindest auf teilnasser Strasse funzt das alles perfekt.


Fazit
Ich mag den C250 CDI 4matic wirklich. Nicht weil er ein wenig versnobt ist. Oder weil er trotz dem Salatsossenmotor wirklich flott zu bewegen ist. Nein, weil er ein durchaus schöner Kombi ist. Weil er Charme hat. Weil er nicht so kühl daherkommt wie die Kisten aus Wolfsburg und Ingolstadt, trotz diesem dämlichen tiefblauen Tagfahrlicht beim Aufschliessen. Ich fühlte mich im neuen C wirklich wohl, von Anfang an. Weil er auch bei etwas überhöhter Geschwindigkeit eine Ruhe hat, die eigentlich nur ein Benz haben kann. Und weil er in der AMG Optik genau jene Sportlichkeit vermittelt, die er wirklich hat. Nicht allzuviel, aber auch nicht zu wenig. Passt. Mit dem doppelt geföhnten V8 hätt ich wohl keine Kritikpunkte mehr.  

Kaufen?
Nein, bin ich denn komplett bescheuert? Ich hab das Preisschild im Kofferraum gefunden und konnte mir einen Lachanfall nicht verkneifen. Dass ein Stern immer etwas teurer war als ein Zwiebelringporsche ist ja nix neues. Aber meine Herren, für den Preis erwarte ich mehr als ein Diesel mit Orkschlächtersoundsystem. Macht mal 20% drauf, auch auf Tiernahrung. Lieber noch etwas warten und einen ein- oder zweijährigen Gebrauchten kaufen, welchen ein CIO oder ähnlich mit seinen bitteren Tränen das letzte mal gewaschen hat, bevor er ihn gegen einen Passat eingetauscht hat. Weil, der wurde ja immerhin mit Excel gezeichnet.
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Über Duck@Cars

Mit dem Drehmomentschlüssel in der Hand zur Welt gekommen, aufgezogen mit Super verbleit. Wenn andere mit Lego gespielt haben, hat er Reifen gestapelt. Das ist Duck. Und das ist Quatsch. Tatsächlich ein Bürohengst der IT-Sorte, gerne und viel unterwegs und noch viel lieber hinter seinem Instrument. Benzin im Blut. Maschinen im Kopf. Rad ab.

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