2015 - ein Jahresrückblick

Vorwort
Jahresrückblicke sind ja schon ein fester Bestandteil der medialen Landschaft. Ich versuch das jetzt einfach auch mal, mal kucken was ich da zusammenkriege.



Januar - Der Audi A1 1.2 TFSI Sportback
Man sollte es ja im neuen Jahr immer langsam angehen. Das habe ich mir auch gedacht und hab mit einem putzigen Premiumkompakten angefangen. Es gibt Schlimmeres als einen zu heiss gewaschenen A3 mit Tendenz zur Auslösung von latenter Klaustrophobie. Unter dem Jahr bin ich den Baby-Audi noch zwei oder dreimal gefahren, was blieb sind der kompakte Innenraum, das durchaus sportliche Fahrverhalten und die Innenbeleuchtung eines Kühlschranks. Wurde nicht besser, aber auch nicht schlechter. Trotzdem, ich mag den kleinen A1. Eigentlich. Macht ihn innen einfach 5% grösser.



Februar - Der Tesla P85
Ich war nie ein Fan der elektrischen Fortbewegung. Hauptsächlich deswegen, weil ich diese Form der Beschleunigung nur aus den ÖV kannte und diese bis heute auch meide wo's nur geht. Der Tesla P85 sollte mich ein wenig, nun ja, sagen wir mal, eines Besseren belehren. Ich war und bin heute noch überrascht, wie weit dieses bis dahin fast unbekannte Unternehmen in Sachen Elektroauto war und vor allem, wie sich diese mit Stereoiden vollgepumpte Moulinex Küchenmaschine fuhr. Nämlich wie ein richtiges Auto und dann noch eines der besseren und vor allem bummsigeren Sorte. Was mir fehlte waren die langfristigen Emotionen, welche ein Verbrennungsmotor halt so mit sich bringt. Lärm, Gestank und unharmonische Leistungsentfaltung würden die einen sagen. Ich sage, der Tesla hat sicherlich und berechtigt seine Kundschaft und Fans, ob ich auch dazugehöre kann ich immer noch nicht abschliessend beantworten. Mal schauen, was die Typen um Elon Musk da die nächsten Jahre noch hinkriegen. Bleibt mal auf dem Radar.


März - Jeremy Clarkson schlägt diesmal richtig zu
Ich kann definitiv nicht abstreiten, dass ich ein Fan von Clarksons Arbeit bin. Ich mag seine Art, den Grenzübertritt auf die Spitze zu treiben. Und den britischen Humor, von welchem der Rest Europas sich gerne mal eine Scheibe abschneiden dürfte. Er hat mit seinen beiden Partnern das Auto als Pausenclown perfektioniert und eine gänzlich neue Art der guten Unterhaltung etabliert. Leider bzw. logischerweise ist es ihm nicht gelungen, das Polieren der Fresse eines anderen zu etablieren, er scheiterte bei dem Versuch kläglich und heute poliert er zur Strafe Fiat Multiplas in Russland. Und obwohl ich die Form der Konfliktlösung mit den Zähnen in einer Faust nicht billige, kann ich Clarksons Ausraster bis zu einem gewissen Punkt nachvollziehen. Manchmal möchte man einfach jemanden den Kiefer zurechtrücken, aber man sollte es einfach nicht tun. So long, mal kucken, was von Jezzas Biss noch übrig ist, er und seine Kumpels arbeiten an was Neuem....



April - Ich schau mir die ÖV's doch nochmal an
Manchmal muss man einfach über seinen Schatten springen. Ich musste das mit viel Anlauf und ein paar Bierchen intus, als man mir ein Bahnticket in die Hand drückte und sagte, dass an dem Abend keiner mehr Autofahren wird und vor allem sollte. Ich bin sicher 10 Jahre nicht mehr mit den Schweizer Bundesbahnen gefahren, umso erstaunter war ich über den Stadler Rail Thurbo Gelenktriebwagen. Ich kannte diese Schienenfahrzeuge ja nur aus sicherer Entfernung, z.B. wenn ich mal jemand vom Bahnhof abholen musste oder aus der Zeitung. Der Abend wurde wirklich lustig, nicht zuletzt weil dieser Elektrobus ohne Lenkrad uns sicher und pünktlich von A nach B und wieder zurück gebracht hat.



Mai - Der Frühling kommt mit dem OPEL Astra 1.6 CDTi Sports Tourer
Ich denke mir oft, Opel hat die billigen Plätze am Markt eigentlich nicht verdient. Sie bauen gute, solide Autos mit gefälligem Design zu vernünftigen Preisen. Beim Astra der letzten Generation musste ich jedoch doch noch etwas Kritik üben. Der Koffer ist einfach zu schwer, zu träge und paradoxerweise zu amerikanisch verarbeitet. Ob es an meiner Kritik lag wage ich zu bezweifeln, aber der neue Astra soll tatsächlich rund 200kg abgespeckt haben. Dies macht ihn für mich zu einem Wunschkandidaten für das Jahr 2016, ich bin wirklich sehr gespannt, was Opel mit dem neuen Astra da gezaubert hat und ob es reicht, dem ewigen Klassenprimus Golf mit einem starkem Mittelstrahl ans Bein zu pinkeln. Ohne den Golf schlecht zu reden, aber es würde der gesamten Fahrzeugklasse mal wieder richtig gut tun, wenn der Golf mal vom Thron geschubst würde. Ach ja, der Astra hat mir die einzige Parkbusse in diesem Jahr gebracht. Danke.




Juni - Die Giulia kriegt ein offizielles Gesicht
Was habe ich frohgelockt, als ich gesehen habe, was Alfa Romeo tatsächlich bis in die Serie durchgezogen hat. Und was habe ich geflucht, war da in der schnellsten aller Giulias nicht der V8 von Maserati drin. Und dann doch, was habe ich mir trotzdem gedacht "scheiss drauf!", als ich gehört habe, wie der von Ferrari entwickelte V6 klingt. Die AMG's und M's dieser Welt mögen schneller sein, mehr Penisneid auslösen und sich auch eher in einem Parkhaus verstecken lassen. Nur, nach der Giulia wird sich die Welt umdrehen, man wird lächeln wenn sie vorbeifährt und viele M'ler und AMG'ler werden sich die Bilder der Giulia heimlich auf dem Klo ankucken. Und das, meine lieben deutschen Hersteller, das werdet ihr nie packen wenn ihr von 7 bis 21 Uhr im Büro sitzt und eure Kisten bis zur Perfektion vollendet. Lasst auch mal fünfe grade sein, trinkt mal ne Flasche Wein statt Bier und fresst euch ohne den Euro zweimal umzudrehen längs durch Italien durch. Die Giulia mit dem Ferrari V6 möchte ich wirklich gerne mal f...ortbewegen. Noch vor dem C63 AMG oder dem allmächtigen M3/M4.  



Juli - Tiefpunkt aus Frankreich
Wenn mich heute jemand fragt, was das schlimmste Auto war, dass ich je gefahren bin, sage ich ohne zu zögern Renault Mégane dCi110 EDC. Dieses Auto war in allen Belangen einfach nur grottenschlecht. Der Motor, welcher sich fuhr und auch klang wie ein Sack voll Nüsse. Das pampige Getriebe, welches mutwillig jegliches Restleben aus eben diesem Sack rauszog. Der Innenraum, welcher aussieht als ob man dem Fahrer grundlos ans Schienbein treten wollte. Und der Multimediaplunder, welcher dermassen anders war, dass fast nur die Absicht zur Zerstörung der Musikkultur dahinterstecken kann. Non mes amis, dafür verdient ihr meinen goldenen Entenfurz mitten in den Sitz des Mégane. Absolut schlecht.



August - Der neue Excellistenpassat
Was wurde dieses Auto schon im Vorfeld gefeiert. Auto des Jahres 2015! Zumindest für die Gilde der professionellen Schreiber. Ich konnte dem Passat keinen abschliessenden Sieg zugestehen, abgesehen davon, wenn ich ihn in eine stumpfe Excelliste gepackt hätte. Klar, er war in absolut jeder Hinsicht besser als der Konstruktionsunfall aus Frankreich und eigentlich auch wie das meiste der anderen Hersteller in dieser Klasse. Aber ich konnte die Lobhudeleien der Fachpresse irgendwie nicht gänzlich nachvollziehen. Dieser ewig gestrige 2.0er TDI reisst einfach kein Schnitzel vom Teller, auch nicht mit 240PS. Der Innenraum ist zwar gelungen, aber keine Revolution. Aussen kommt der neue Passat daher wie ein Schuhkarton ohne gewollte Rundungen. Und dann fuhr er sich, wie es ja eigentlich zu erwarten war, so korrekt und tadellos, dass ich während der Fahrt spontan ins Wachkoma fiel. Nein, der Passat ist für meinen Geschmack zu perfekt, zu makellos und zu geradlinig, als dass ich mit ihm Freund werde. Das langweiligste beste Auto 2015. Und in meinen Augen keinen Deut besser als der 7er Golf Variant.



September - Zurück in die Vergangenheit mit dem Jaguar XK120 SE Roadster 
Ich war mir damals nicht ganz sicher, ob ich das Angebot für eine Ausfahrt in dem alten Briten annehmen sollte. Schliesslich ist das Auto durchaus einiges wert, sehr selten und ein Liebhaberstück. Dass ich dann doch für eine kurze Fahrt zugesagt habe, sollte ich nicht bereuen. Wenn man täglich in einen bis zur Unkenntlichkeit weichgespülten Benz einsteigt vergisst man mit der Zeit, wie sich die Art der automobilen Fortbewegung verändert hat. Keine elektrischen Helferlein, kein Bremskraftverstärker, keine Servolenkung und kein vollsynchronisiertes Getriebe. Das hat mir einerseits einiges abverlangt, aber noch viel mehr zurückgegeben, auch wegen dieses vollendet göttlich klingenden Reihensechsers. Dafür bin ich wirklich dankbar, denn der Jag hat mich mal wieder etwas geeicht und vor Augen geführt, dass man heutzutage zwar ziemlich schnell ziemlich gut Autofahren kann, dass aber hauptsächlich dem technischen Fortschritt geschuldet ist. Und der kann einem auch mal den Spass an der Freude gehörig verderben.



Oktober - Der BMW 507 als absoluter Höhepunkt
Es gibt Autos, die vergisst man in dem Moment, wenn man sie zuschliesst und hinter sich lässt. Und dann gibt es Autos, an welche man sich sein ganzes Leben lang erinnern wird und wegen welchen man regelmässig Leute ungewollt zupaniert, wie genial es doch gewesen sei, diese Ikone durch die Landschaften der Bündner Herrschaft zu dirigieren. Der 507 ist so ein, wenn nicht sogar dieses Auto. Nicht weil er selten oder unbezahlbar ist. Nein, weil er sich trotz seines biblischen Alters noch erstaunlich modern fährt. Weil der Achtzylinder sowieso der König der Motorensounds ist und weil er diese unverschämt sündigen Formen hat, fernab der heutigen Fussgängerschutzauflagen. Und, weil der Tag so perfekt war, herbstlich, warm,  offen, bunt. Danke.



November - Abgasskandale überall
Ich glaube, es war einfach Pech, dass gerade Volkswagen beim Schummeln erwischt wurde. Aber ganz ehrlich, wen interessiert's? Ausser die Presse und die Aktionäre scheint das irgendwie keinen zu kümmern, den Markt nicht, die Käufer nicht und auch mich nicht. Dass ausgerechnet die Amis mit dem Finger auf VW zeigen verdient eigentlich den Comedypreis 2015. Schummeln tun sie alle, bei den Verbräuchen, den CO2 Werten, bei den Gewichtsangaben, den Pannenstatistiken oder eben den Emissionswerten allgemein. Ist man darüber erstaunt? Nein, das wäre fast schon weltfremd. Das ist eine logische Folge des Wettbewerbes und alle Hersteller kochen schlussendlich nur mit Benzin oder Diesel. Chipspackungen werden auch mit Luft aufgeblasen, das Bild des Burgers auf der Reklametafel hat absolut nichts mit dem zu tun, was in der Pappe pappt und der Handyakku hält auch nur einen Tag. Die Hersteller wollen alle nur unser Bestes, unsere Kohle und unsere Gunst. Dafür wird halt auch mal ein wenig geschummelt, Punkt.

Dezember - Ein Schiff wird kommen...
... und das bringt mir den einen, roten Camaro. Dieses Jahr habe ich mir auch einen lange gehegten Wunsch erfüllt, die Anschaffung eines richtig dummen, unpraktischen, anfälligen, starrachsigen und uralten Autos. Alleine die Form des Autokaufes wird hoffentlich jeglichen Ärger wert sein, den mir der alte Chevy noch bereiten könnte. Sich bei schönstem Wetter an einer schöneren Ecke der USA mit Freunden und Gleichgesinnten solch ein Auto aussuchen zu müssen, mein Gott ging's mir gut. In ein Autohaus zu gehen, sich ein 0815-Auto aus dem Prospekt aussuchen zu müssen und dann darauf zu warten, bis es irgendwo eine Fabrik ausspuckt, naja, wer's mag. Ich freu mich auf den kommenden Frühling wie bekloppt.

 
Damit vielen Dank auch an diejenigen, die hierher kommen und den Kram lesen, den ich hier einstelle. Ihr seid mein Antrieb, hier wöchentlich was neues reinzupacken, am Mietwagenschalter das zu nehmen was man mir gerade anbietet und auch mal die Qualen eines Saugdreizylinders zu geben. Und dann habe ich mich auch noch zu einem Experiment durchgerungen, die Ente ist auch auf Bookface.  Danke und Euch ein gutes 2016!
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Über Duck@Cars

Mit dem Drehmomentschlüssel in der Hand zur Welt gekommen, aufgezogen mit Super verbleit. Wenn andere mit Lego gespielt haben, hat er Reifen gestapelt. Das ist Duck. Und das ist Quatsch. Tatsächlich ein Bürohengst der IT-Sorte, gerne und viel unterwegs und noch viel lieber hinter seinem Instrument. Benzin im Blut. Maschinen im Kopf. Rad ab.

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