Auf der Suche nach meinem ersten Muscle Car - Teil 3 - die Ford Fraktion

Vorwort
Wenn man in unseren Breitengraden von einem alten Ford spricht, dann kommt einem z.B. der Granada, der Escort, der Capri oder ganz schlimm, ein Fiesta in den Sinn. Hier sind die amerikanischen Fords der alten Tage nicht so populär, ausser eben dem mittlerweile bei uns auch erhältlichen Ford Mustang. Oder eben, dem weissen Mustang von Tilly Masterson, dessen Seitenschweller James Bond damals in den Schweizer Alpen zerfetzt hat, was sie als sie als simplen Reifenschaden abgetan hat. Er hätte aber auch warten können, bis die Maschine von Tilly oben auf dem Furkapass gekocht hätte und der guten Frau mit dem Gewehrkoffer eine Mitfahrt in seinem Agentenaston anbieten können.

Der Mustang
Mittlerweile wird das Pony schlechthin ja schon in der sechsten Modellgeneration gebaut. Damals war das Rezept ein einfaches und wurde im Hinblick auf die Erschwinglichkeit von der Konkurrenz bei Pontiac übernommen; Bauform Coupé, zwei Türen, überdurchschnittlich viel Hubraum und eine Menge Chrom an allen Ecken. Und günstig sollte er auch im Vergleich zu den gängigen Brot- und Butterautos sein, man wollte die Babyboomer in der Zeit abholen und dieser Plan ging vor allem für Ford mit dem Mustang mehr als auf. Und diejenigen, welche sich einen schnellen Mustang trotzdem nicht leisten konnten oder wollten, haben sich so ein Ding bei Hertz einfach gemietet;

Shelby GT350H(ertz)
Es soll auch vorgekommen sein, dass die Leute diese Schönheit für ein Wochenende gemietet haben, allerdings weniger zum Fahren. Vielmehr ging das Auto direkt in eine Werkstatt, wo der potente 350er aus den Hallen von Carol Shelby ausgebaut und gegen ein weniger starkes Triebwerk getauscht wurde. So kam man günstig, wenn auch nicht legal zu einem jener Motoren, die auf den Dragstrips und an der Ampel einen ziemlich guten Ruf genossen haben. Btw; auch heute noch hat Hertz in seiner "Adrenaline Collection" scharfe Mustangs im Angebot. Aber der Motorentausch ist heute nicht mehr so attraktiv...

Doch zurück zu meinem eigentlichen Vorhaben. Ich wollte eigentlich für mich selber keinen Mustang haben. Irgendwie habe ich mich an den alten Mustangs etwas satt gesehen und die meist verbaute 289er Maschine ist mir persönlich einen Ticken zu klein, obwohl sie wirklich göttlich klingt. Aber ein Ford? Für mich? Eher nein. Dachte ich. Denn plötzlich schienen die wirklich geilen Fords immer genau da zu stehen, wo ich gerade Augen für etwas anderes hatte. So z.B. dieser Fastback hier;


Leider beschränkte sich der ganze Shelbyschmuck nur auf die Optik, technisch war eben nur der kleine 289er verbaut. Trotzdem war dieses Shelby Tribute wirklich bis ins kleinste Detail sauber und liebevoll restauriert. Das grösste Detail, die 350er Shelby Maschine fehlte aber. Schade. Aber, damit hatten die Fords mein bis dahin eher überschaubares Interesse geweckt, sie sind nämlich fast ausnahmslos günstig bepreist im Vergleich zu den Pendants von GM und Chrysler.  

Schicker Gaul.

Tja, plötzlich war mir der "mickrige" 289er egal, zumindest an den Mustangs, die in der originalen Optik und Ausführung daher kamen. So wie bei diesem Pony. Der hier stand nicht nur top da, nein, er war auch noch unfassbar günstig bepreist. No Goofystuff an diesem Auto, sogar das Radio war original. Ich spielte mit dem Gedanken, mir für kleines Geld eine dieser Ikonen der frühen Tage und damit eine sichere Bank in die Garage zu packen. Allerdings, nur für einen kurzen Moment. Zu wenig Hubraum, zu hübsch, zu wenig Badass. Und, zu viel Radkappen. Trotzdem hielt ich mir eine Rückkehr zu der Halle, in der dieses feine Pferdchen stand noch ein paar Tage offen.

Für dieselbe Menge Vierteldollars hätte ich auch den hier haben können;


Auch dieses Modell hatte schon einen Auftritt in Diamantenfieber.


Mach mal besser die Tür gerade.


Mach 1, das sind 1233.43 km/h. Und auf den zweiten und dritten Blick hin musste ich auch feststellen, dass dieser Mustang diese Geschwindigkeit wohl schon mal erreicht hatte. Er fiel nicht direkt auseinander, aber bei dem Zustand war es wohl nur eine Frage der Zeit. Hier war alles krumm, schief, abgerockt, angerostet, abgeschossen und platt. Nicht dass es sich hier um einen Blender gehandelt hätte. Für den Preis konnte man nicht erwarten, einen top gepflegten Mustang zu kriegen. Aber für ein Restaurationsprojekt hätte es gereicht. Next...


Ein Cabrio? Neeee, ich mag eigentlich kein Cabrio haben. Auch wenn offen fahren gerade in einem brabbelnden Achtzylinder etwas vom Schönsten ist, was man an einem Samstagnachmittag machen kann. Aber ne, ich bin eigentlich kein Cabriomensch. Trotzdem mag ich den Sound von einem V8 ohne dämmende Bleche, was für ein gemeiner Interessenskonflikt der sich da anbahnt.  

Pause 


Das rumschleichen um Autos macht Hunger. Und gerade dort, wo die weissblauroten Fahnen an jeder Ecke wehen, ist die Auswahl für den ort der Nahrungsaufnahme ein Kreuz. Wo soll man denn hin? Hier kann man ja hinfallen und schon stolpert man in die Tür von einem Fressladen rein. Naja, wenn wir schon wegen Fords gucken, dann ziehen wir uns auch Ford rein.

gebraten und frittiert in 10w30
Eher per Zufall entdeckten wir diesen lustigen Schuppen in einer wenig belebten Ecke in einem Outlet. Das Essen haben wir gerade noch rechtzeitig gekriegt, bevor die Stromversorgungsinfrastruktur ihren Dienst quittiert hat. Ob es wohl an diesem Gerät lag?

 
Das ist, entgegen meiner ersten Vermutung, kein Heizpilz sondern das genaue Gegenteil, ein Klimaanlagenpilz. Die Amerikaner sind ja Meister darin, wenn es darum geht, Energie in rauen Mengen zu verschwenden. Aber dieses Gerät schlägt in meinen Augen alles und das mit Abstand. Sowas unnützes habe ich noch selten gesehen und obwohl ich einen nicht unerheblichen Drang zu unnützen Krempel mit Stromkabeln habe, darauf könnte ich dann doch noch verzichten.

OK, weiter geht's, alle gehen nochmals auf's Klo und danach brav Hände waschen.

Diesel oder Benzin?

Pickups
Ford hat ja einen Namen, wenn es darum geht, Arbeitsgeräte für den hart arbeitenden Amerikaner zu bauen und vor allem auch zu verkaufen. Das am besten verkaufte Auto in den USA ist nämlich die F-Serie aus dem Pickup Katalog von Ford. Und mir ist auch klar warum, ein Klimaanlagenpilz passt einfach nicht in einen Golf oder Passat, dafür aber auf die Brücke von einem F150, wenn's sein muss kriegt man wohl auch zwei von den Dingern drauf.

Ich bin kein ausgesprochener Fan von Pickups, mir geht da ein wenig die Ästhetik verloren, die eine klassische Limousine oder ein Coupé haben kann. Nichtsdestotrotz fielen mir auch ein paar dieser Kleinlaster ins Auge;


Der hier war technisch und optisch perfekt beisammen und wohl erst kürzlich mit viel Aufwand restauriert worden. Und vor allem, auf dem Kühlergrill stand "V8"! Jedoch war mir auch der hier zu wenig Badass, zu wenig dreckig und irgendwie stand der ursprüngliche Verwendungszweck im krassen Gegensatz zu der Optik. Schön, aber nicht meins.


Das war schon eher mein Fall. Optisch komplett abgerotzt, mit einer Menge Patina und Rost und auf den ersten Blick auch kurz vor dem Exitus. Nicht ganz, technisch und mechanisch war dieser Eimer nämlich erstklassig beisammen. Der Besitzer hat einfach die Patina der Karosserie erhalten, aber unter dem Blech eine Menge Zeit, Geld und Arbeit investiert.

Wozu man auch immer einen 7.2V Modellbauakku braucht?
Und auch an vielen, netten Details und Zeitzeugen mangelte es nicht. Eine Menge alter Krempel und diese Kühlbox lagen auf der Brücke rum. Dieser F100 hatte zweifellos mehr Stil als Paris Hilton in einem AMG. Ok, ein Gurkenglas mit rosa Punkten hat mehr Stil als die kleine Hilton in was auch immer.  


Aber auch von diesem Plan musste ich ablassen. Nicht zulassungsfähig mit dem Luftfahrwerk und dem vielleicht einen oder anderen strukturellen Manko an der Karosserie. Trotzdem, sehr geil.  

Rods
Hot- oder Ratrods haben's mir ganz besonders angetan. Ich liebe diese minimalistischen Unikate welche an die Zeiten erinnern, als die Prohibition allgegenwärtig war und die illegalen Schnapsbrenner schnelle Autos brauchten. Wenn ich mal so richtig viel Zeit, Langeweile und Bock auf ein Minenfeld voller bürokratischer Bärenfallen habe, hole ich mir sowas. Aber nicht dieses mal. Was nicht heissen sollte, dass ich keine Augen für diese absolut geilen und vor Schrauberschweiss triefenden Geräte hatte.


Gerade Ford bietet für solche Projekte mit dem Model A eine Menge Rohmaterial für jede Menge Blödsinn. Blödsinn mit Stil.

Haaalt Stop! Alles bleibt hier wie es ist!
Aber jo, soviel Stil und vor allem Eier so ein Auto auch hat, so wenig Verständnis kriegt man dafür bei dem Ämtern und der Rennleitung. Freistehende Räder sind ziemlich verboten, genau wie Sidepipes oder überhaupt ein Auspuff, der vor 60 Jahren endgültig abgerostet und nur durch ein Flammrohr ersetzt worden ist. Ein drittes Bremslicht geht auch nur dann, wenn noch zwei weitere Rücklichter und Blinker vorhanden sind. So rattenscharf wie dieses Auto auch war, damit dürfte ich hierzulande nur in der Tiefgarage herumfahren. Oder aber, man modifiziert diese Wanne nach den geltenden Strassenverkehrsgesetzen, was danach noch übrig bleibt wäre wohl schlicht nur zum Heulen. Aber, vielleicht muss auch dieser Gedanke noch ein paar Jahre in meinem Oberstübchen reifen.

Damit...
ist zumindest ein grosser Teil meiner fotografischen und wortreichen Dokumentation über meine Suche abgeschlossen. Soviel sei verraten, das, was aktuell gerade eine Menge meiner Zeit beansprucht und einen Haufen Papierkram verursacht, ist in den letzten drei Beiträgen zu finden und wird hoffentlich die nächsten Tage/Woche auf ein Schiff verladen. Am Schluss blieben noch zwei Kandidaten übrig, welche mir eine jener schlaflosen Nächte bereitet haben, die ich eigentlich noch ganz gerne mag. Über diese beiden werde ich die nächsten Wochen noch etwas genauer erläutern und auch darüber berichten, wie denn so ein Kuhhandel in den Staaten über die Bühne gehen kann. In meinem Fall ging das bis jetzt erfreulich gut. Bis jetzt...

See ya.  

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Über Duck@Cars

Mit dem Drehmomentschlüssel in der Hand zur Welt gekommen, aufgezogen mit Super verbleit. Wenn andere mit Lego gespielt haben, hat er Reifen gestapelt. Das ist Duck. Und das ist Quatsch. Tatsächlich ein Bürohengst der IT-Sorte, gerne und viel unterwegs und noch viel lieber hinter seinem Instrument. Benzin im Blut. Maschinen im Kopf. Rad ab.

3 Kommentare :

  1. Tolle Berichte, bitte spann uns nicht so auf die Folter. :-)

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  2. Wow, der Klimaanlagenpilz steht aber nicht im Freien, oder?

    Wenn ich tippen dürfte, würde ich auf den roten Shelby mit 289er Maschine zeigen - mit Option im Hinterkopf, später noch nach einem passenden Motor zu schauen.
    Na, wie liege ich mit der Einschätzung? ;)

    Viele Grüße
    Eno.

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    Antworten
    1. @Eno
      Dooch, der Klimapilz steht wirklich im Freien. Kein Witz. Und zu deiner Einschätzung...keine Ahnung...ich weiss nur, dass mein $@#+?! gestern in Miami abgeladen wurde ;-).

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Kommentare und Kritik sind immer herzlich willkommen. Grundsätzlich wird jeder Kommentar veröffentlicht und ggf. spiele ich auch noch Senfautomat. Auf verletzten Markenstolz gehe ich aber idR nicht ein.
Nicht veröffentlicht wird all jenes Zeug, welches unsere geschätzten Rechtsverdreher so zum Leben benötigen. Dazu gehören Beleidigungen, Verleumdungen, Rufmord etc.

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