Ford S Max 2.0 TDCi

Vorwort
Ford ist ja ein alter Hase im Automobilbau. Wenn man bedenkt dass zwischen diesem Ford...
 
 
... und dem den ich hier in Worte fasse rund 100 Jahre Entwicklung liegen, dann kann man schon sagen, dass Ford etwas getan hat. Trotzdem hatte ich bisher nicht bei allen Modellen aus dem deutschen Hause Ford den Eindruck, als ob man überall mit denselben Massstäben misst. Hinterliess der eine einen wirklich sehr guten Eindruck, war der andere ein Fall für die Tonne und erklärte für mich auch den zahlenmässigen Rückstand im Markt in jener Fahrzeugklasse. Ford ist also durchaus auch mal für gute wie schlechte Überraschungen gut. Sehr Gerne.
 
Was denn?
Ein Ford S Max mit dem 2.0er 140PS Diesel, standesgemässen 320Nm Drehmoment, 6-Gang Handschalter und klassenüblicher Antrieb über die Fronthufe.
 


 

Laufleistung
118'500km.
 
Wie weit?
ca. 190km Autobahn und Bergstrecke, ca. halbe halbe.   

Handbuch gelesen?
Nein, aber gefunden hab ich's in dem riesigen Handschuhfach, was nicht selbstverständlich ist;
 
 
Hier kann auch mal ein mittelgrosser Hund sein Plätzchen finden.
 
Erster Eindruck
Ein Van. Irgendwie. Die Optik ist aber von den Proportionen her etwas untypisch, die Haube ist ungewohnt lang und wenn man dann noch die extrem flache Frontscheibe dazurechnet wird man den Gedanken nicht los, dass Ford hier eine Menge Platz verschenkt. Zu Unrecht. Und schlussendlich ist der S Max zwar etwas mutig gezeichnet, aber deswegen immer noch kein Wääääähn. Passt scho.

Zeigefinger (Assistenzsysteme)
ABS, ESP, Parkpiepser von der nervigen Sorte.

Innenraum
Der Innenraum ist wiederum für sehr typisch für Fords Modelle der letzten Jahre. Viel schwarzer Kunststoff mit einigen Kontrastelementen aus silbernem Kunststoff. Nicht gerade der Hingucker, aber ergonomisch korrekt und vom haptischen Aspekt in Ordnung. Grosses, wenn auch nicht so griffiges Lenkrad, welches schon im Mondeo seinen Dienst tat. Nicht mein Lieblingslenkrad, aber immer noch um Längen besser als dieser runde Lenkwitz im Focus.
 

Schalter und Bedienelemente sind alle da wo sie hingehören, Ford geht hier keine unnötigen Risiken ein.


Auch bei den Armaturen sind ebenfalls keine Überraschungen zu vernehmen, Tacho, Drehzahlmesser, Tank, Temperatur, ein wenig Bordcomputer, mehr will ich gar nicht wissen.


Ein netter Ausflug in die Aviatik, der Handbremshebel sieht aus wie ein Schubregler. Nur eben, dass er keinen Schub gibt sondern Schub verhindert. Berufspiloten sollten sich vielleicht die elektronische Handbremse aussuchen, weniger gefährlich wegen alten Gewohnheiten und so.


Die Sitze in der vorderen Reihe sind top. Sie vermitteln richtig guten Seitenhalt und würden auch bei sportlicher Fahrweise ihren Zweck sehr gut erfüllen. Wenn denn der S Max ein Sportler wäre.


Die billigen Plätze sind für diesmal keine, hier finden sich drei vollwertige Einzelsitze. Damit kann auch derjenige in der Mitte über lange Strecken bequem sitzen und muss nicht dauernd zwischen den anderen beiden hin und her rutschen, nur weil eine viel zu harte Rückenlehne die Wirbelsäule zu deformieren droht. Oder der sowieso immer zu hart gepolsterte Mittelsitz dem Hintern so gar nicht schmeichelt. Für bequemes Reisen in der zweiten Reihe sprechen auch die grosszügige Beinfreiheit und der flache Mitteltunnel. Nicht dass ich gerne hinten sitze, aber in dem Auto würde ich mich tatsächlich mal freiwillig melden. Auch wird für Eltern das ewige "ICHSITZVORNE!" ein Ende finden. Das Auto ist quasi ein Friedensstifter.


 
Die Mittelkonsole kommt aufgeräumt daher und ist auch vom Beifahrerplatz gut zu bedienen. Schatz, kannst du mal das Navi programmieren?
 
Die ersten Kilometer
Die erhöhte Sitzposition ist für mich im ersten Moment gewöhnungsbedürftig. Nicht dass das etwas Schlimmes wäre, aber auf den ersten Metern sitzt es sich wie in einem kleinen SUV, es fährt sich aber wie eine normale Limousine, die SUV typische Härte des Fahrwerks fehlt komplett. Mir ist der S Max etwas suspekt, zumindest am Anfang. Jedoch, ich fühle mich schnell vertraut mit dem Auto, als ob ich den Schlitten schon zigmal gefahren wäre. Faktisch aber erst das zweite mal innerhalb von zwei Jahren.

Nach 10 Kilometern
Ha! Alles gut. Die Maschine ist keine Ausgeburt an Temperament, treibt den hohen Kasten (rund 1700kg) aber ausreichend gut vorwärts. Und das trotz des vor allem in den unteren Gängen richtig lange übersetzten Getriebes. Ja doch, auch dank der mittlerweile sehr angenehmen Sitzposition vermittelt der "kleine" Van von Ford ein gutes und sicheres Fahrgefühl. Und, auch das Innenraumgefühl empfinde ich als sehr angenehm. Letztens in einem Seat Alhambra kam ich mir etwas verloren und damit als Fahrer fast schon unerwünscht vor. Der S Max ist hier definitiv einladender, man kommt sich nicht vor als ob man plötzlich um 10% kleiner geworden wäre.
 
Multimediaplunder
Das hier verbaute Navi mit Toucheingabe ist ebenfalls ein alter Bekannter aus dem Mondeo. Ganz anders als bei den Mitbewerbern aus Wolfsburg passiert hier die Eingabe eines Ziels inkl. Suche und Start um gefühlte Äonen schneller. Flotter als dieses braucht für mich ein Navi nicht sein. Auch der Rest der Bordunterhaltung funktioniert zügig, die Koppelung mittels BT an meine mobilen Sklaventreiber ging nach einem DAU-Fehler meinerseits problemlos. Die eigentliche Kapelle ist wie auch schon beim Mondeo für eine Familienfuhre unerwartet pegelfest und macht ordentlich Druck. Damit kann's Papi auf der Fahrt in die Waschanlage auch mal amtlich wummern lassen. Einzig ein sporadisch auftretendes Scheppergeräusch aus dem Fond trübte den sonst guten Klangeindruck etwas.
 
 
Anschlüsse für eine externe Zuführung von adiophilem Kram gibt es in der cleveren Mittelarmlehne, welche zwei getrennte Staufächer bietet.
 

 USB und 3.5mm Klinkenbuchse: Check. 

 
 
Die Fahrt
Das Mittelkind zwischen C Max und Galaxy war jetzt nicht unbedingt mein Wunschkandidat nach dem epochalen Jaguar. Hatten sich meine (emotionalen) Ansprüche an ein Auto bei der Fahrt in dem alten Engländer etwas verschoben, bot mir ein Van genau null Potential für eine weitere Fahrt voller Schweiss, Spass und Freude. Dazu kam, dass mir eine Fahrt in das urschweizerische Appenzell gewundene Bergstrassen versprach, ein Garant für Freude und eine willkommene Gelegenheit, mal wieder aus dem Büro rauszukommen. Und dafür hätte ich mir lieber etwas Agileres unter meinen Hintern geklemmt und wär vielleicht zwei Minuten früher da gewesen. Aber, da ich hier keinen Anspruch geltend machen kann, musste ich mich einfach damit abfinden, die Fahrt in einem langweiligen, hochbeinigen und trägen Familienbomber mit Schnarchzapfendiesel absolvieren zu müssen. Es hätte allerdings viel schlimmer sein können, vor allem weil meine tief gestapelten Erwartungen übertroffen wurden. 
 
Das Auto ist erfrischend simpel. Sei dies in der ganzen Bedienung sowie auch vom Fahrgefühl her. Entgegen dem ersten Eindruck mit der hohen Dachlinie und den grossen Türen gehört der S Max nicht zu jener Sorte Autos, welche die Passagiere in eine grosse Menge Watte packt und damit das manchmal so notwendige Übel Autofahren zu einer erträglichen Nebensächlichkeit macht. Im Gegensatz zu seinen Konkurrenten ist das Fahren an sich noch wahrnehmbar. Das ist in dieser Fahrzeugklasse heutzutage nicht mehr selbstverständlich.
 
Der S Max ist auch überraschend responsiv. Gerade die tollen Sitze, die etwas machohafte Schaltung und das knackige und dennoch komfortable Fahrwerk waren nicht die schlechteste Combo für einen Teil Autobahn und einen Teil Bergstrecke. Damit wird der Ford aber noch lange nicht zum Sportler, auch wenn tatsächlich Ambitionen vorhanden wären. Der träge Diesel und die viiiiel zu indirekt übersetzte Lenkung plätten den Drang zur Tieffliegerei im Ansatz. Und auf meinen Weg war da auch noch eine nicht unerhebliche Menge Kuhkacke auf den Strassen. Diese signalisiert einerseits, dass durchaus mal eine Horde Schweizer Kühe hinter der nächsten Kurve doof aus der Wäsche kuckt, andererseits auch eine verminderte Traktion. Zu meinem (oder eurem) Glück habe ich die Fotos hier noch machen können, solange das Auto nicht ausgesehen hat wie Sau. Ok, ich gestehe, die Beifahrerseite sah zu dem Zeitpunkt schon ziemlich übel aus...
 
Damit habe ich den S Max mit einem klitzekleinen schlechten Gewissen wieder beim Fuhrpark abgegeben. Entgegen meines ersten Eindrucks und geltender Vorurteile hat er sich wirklich gut präsentiert, auch in Anbetracht der bereits abgespulten Laufleistung. Dass er am Schluss voller Kuhkacke war hatte er einfach nicht verdient. Sollte ich wieder einmal den Schlüssel zu dem kleinen Familienbomber erhalten, werde ich mich auf jeden Fall freuen, und wenn's nur darüber ist, dass ich nicht einen Dreizylinderpolo gekriegt habe.
 
Fast vergessen, die Innenraumgeräusche. Wieso vergessen? Weil sie eigentlich nicht der Rede wert sind. Die Geräuschdämmung ist absolut in Ordnung, dermassen, dass ich mich eigentlich gar nicht erinnern kann, wie laut es in dem Auto war. Anscheinend überhaupt nicht, der Selbstzünder ist einer von der unaufdringlichen Sorte, kalt wie warm. Und das will was heissen, idR hasse ich Diesel wegen ihrem Betriebsgeräusch noch mehr als verwickelte Kopfhörerkabel oder GNTM.
 
Fazit
Wirklich überraschend, dieses Wort passt am ehesten zu dem kleinen Van aus dem Hause Ford. Kein pampiger, ultrakorrekter und dumpfer Familienbomber mit einer Armada von Assistenten, welche einem bevormunden, zum Hochschalten auffordern oder die Gasannahme unnötig verweigern. Dazu kommt, dass der S-Max auch wirklich noch praktisch ist. Ungeachtet der langen Haube und dem ebenso tiefen Armaturenbrett sind die Platzverhältnisse innen üppig und mit vielen einfachen, aber dennoch gut platzierten Ablagen versehen. Ein Sportler ist der S Max wie gesagt nicht, er ist einfach praktisch, fährt sich ordentlich und hat gute Langstreckenqualitäten. Er füllt die Lücke zwischen Galaxy und C Max ideal, er hat immer noch genügend Raum, bietet aber ein gewisses Mass an Agilität und wahrnehmbaren Fahrspass. Und ist für mich damit der bisher beste der Eurofords, jedenfalls von denen, die ich bisher gefahren bin. Welch erfreulich angenehme Überraschung.

Kaufen?
Sucht man einen Siebenplätzer (zwei Notsitze), der aber dennoch nicht die Dimensionen von einem Gartenhaus hat und sich dabei auch noch fährt, wie ein Hatchback oder Kompaktkombi, dann ist der S Max einen genaueren Blick wert. Wer's etwas sportlicher haben möchte kann natürlich auch einen Blick auf die etwas potenteren Triebwerke werfen, vom Fahrgefühl her steckt das Konzept mE locker nochmal ein paar Pferde mehr weg und ist damit zwar immer noch ein Kompromiss zu einem Sportkombi, allerdings nicht der schlechteste. Nicht, dass ich persönlich einen haben will, aber es ist nicht zu leugnen, dass der S Max eine beachtliche Alltagstauglichkeit an den Tag legt, ohne dabei gähnend langweilig zu sein. Kein Mad Max, aber auch kein Sad Max.
 
 
 
 
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Über Duck@Cars

Mit dem Drehmomentschlüssel in der Hand zur Welt gekommen, aufgezogen mit Super verbleit. Wenn andere mit Lego gespielt haben, hat er Reifen gestapelt. Das ist Duck. Und das ist Quatsch. Tatsächlich ein Bürohengst der IT-Sorte, gerne und viel unterwegs und noch viel lieber hinter seinem Instrument. Benzin im Blut. Maschinen im Kopf. Rad ab.

1 Kommentare :

  1. Wir haben auch einen S-Max, allerdings den Pre-Facelift. Was soll ich sagen? Bei dem Auto ist es nicht so schlimm, wenn die Kinder es verkratzen oder einsauen. Es ist halt kein "Heilig's Blechle". Warum? Der Innenraum löst sich hier und da auf, der Silberlack an Bedienelementen löst sich ab und die abstehende Fetzen können einen verletzen! Der Motor ist der 2-L-Benziner - und säuft Öl ohne Ende! Laufkultur? Auch Fehlanzeige. Ungeplante Werkstattaufenthalte kommen zu häufig vor. Das Platzangebot, Schnickschnack, Variabilität und Design verdienen fast volle Punktzahl. Wenn nur die Langzeitqualität besser wäre...

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