Audi Q3 2.0 TDI Quattro

Vorwort
Ich kann mich nicht anfreunden mit diesen Micro-SUV's. Mir erschliesst sich einfach der Nutzwert von so einem zu heiss gewachsenen Geländewagen nicht, allerdings verstehe ich auch nicht, warum man sich einen Chihuahua zulegt, wenn man einen Hund und keine Katze haben möchte. Sie haben nicht mehr Platz als ein Hatchback, ein wirklich sportliches Fahrverhalten ist durch die Höhe kaum zu bewerkstelligen und die Geländetauglichkeit hört meistens bei einem knorrigen Feldweg auf. Warum werden die Autos denn trotzdem wie bekloppt verkauft? Und gibt's da auch noch etwas von der MQB-Plattform?


Was denn?
Ein putziger Audi Q3 mit dem 2.0er TDI mit 150PS und einem 6-Gang DSG (S tronic). Un, dos, tres, Quattro.






Laufleistung
6800km.

Wie weit?
ca. 140km, hauptsächlich Autobahn.

Handbuch gelesen?
Nä.

Erster Eindruck
Sowas rundes, weisses habe ich das letzte mal in meiner Kühlschranktür oben rechts gesehen. Ne, von der Optik her kann ich damit irgendwie recht wenig anfangen. A3 mit infernalischen Flatulenzen?

Zeigefinger (Assistenzsysteme)
ABS, ESP.

Innenraum
Baureihentypisch geht es auch im kleinsten SUV aus dem Hause Audi gediegen zu und her. Die Materialien geben keinen Grund zur Klage, auch wenn hier die farbliche Gestaltung etwas arg grau in grau gehalten ist. Lediglich die Bedienung der Klimaanlage erfordert lange Arme, die ansonsten immer gute Innenraumergonomie der Audis wurde von dem hoch angesetzten Armaturenträger dahingemeuchelt. Nicht dass man den ganzen Tag an der Klimaanlage rumfummeln müsste, aber trotzdem.
 

Die mit Leder und Alcantara verkleideten Sitze sind sportlich straff gepolstert und bieten für meine Körpergrösse ein gutes Mass an Seitenhalt und sind generell auch recht bequem. Allerdings, die Sitze sind der absolute Horror bei den aktuell herrschenden Temperaturen. Auch wenn das Auto nur mal zehn Minuten in der Sonne gestanden hat, die Stühle speichern die Wärme eine gefühlte Ewigkeit und sorgen zuverlässig für einen feuchten Rücken.

Setzen, Keks?

Die Sitzposition ist natürlich recht hoch, das ergibt zwar eine gute Übersicht, allerdings nur vorne und zu den Seiten raus. Nach hinten ist das Auto schwer einzuschätzen und ohne Piepsarmada wäre der Q3 nur etwas für Vorwärtsparkierer.


 
Unter dem Strich bietet der Q3 ein gutes Innenraumgefühl und trotz den kompakten Aussenmassen erscheint die kleinste Kuh innen wesentlich grösser als sie in Wirklichkeit ist. Die Materialien geben Ruhe, nix knarrt oder quietscht, einzig der Kunststoff der Verkleidung an der Fahrertür ist für meinen Geschmack viel zu hart, jede runtergerockte Mausmatte ist da komfortabler. Das lässige Aufstützen des linken Ellenbogens auf der Verkleidung resultiert bei mir innert kürzester Zeit in Schmerzen und unentschlossenem Rumgerutsche auf dem warmen Fahrersitz. Wo soll ich mit dem linken Ellenbogen jetzt hin? Wieso habe ich beim Autofahren plötzlich dasselbe Problem wie mit Schlafen?

Die ersten Kilometer
Ich mag eigentlich Automatikgetriebe bzw. alles, was mich in Staus davon abhält, einen Samba auf der Kupplung zu tanzen. Es hat so etwas entschlossenes, wenn man die Verriegelung des Wählhebels löst und ihn mit Schmackes bis zum Anschlag nach unten zieht. Beim Q3 wird mir dieser Spass etwas verdorben, wenn ich das nämlich tue, dann lande ich direkt in der Fahrstufe "S", S wie "Sport" oder auch "Saunervöses Getriebe". Da ich dies nicht sofort bemerke wundere ich mich erstmal, warum die sonst schon flott schaltende S tronic noch mehr in den Gängen wühlt als nötig. Dazu plärrt der Diesel vorne in allen Tonlagen. Hmnaja...

Nach 10 Kilometern
OK, jetzt habe ich's auch geschnallt. In der Fahrstufe "D" fährt sich der Q3 wesentlich angenehmer und weniger plärrig. Von einem komfortablen Auto ist der Q3 immer noch ziemlich weit entfernt, dafür federt er zu hart und hoppelt zu heftig über kurze Bodenwellen.

Multimediaplunder
Das MMI von Audi ist mir ja nicht unbekannt. Dachte ich jedenfalls. Im Q3 ist das alles ein wenig anders, als z.B. im A3. So hat man auf ein Drehrad und Tastenfeld in der Nähe der Armlehne verzichtet, stattdessen muss das System direkt an der Mittelkonsole bedient werden.


Abgesehen davon, dass gerade die blinde Bedienung während der Fahrt so recht schwierig wird, erschliesst sich mir die Logik des MMI im Q3 nicht sofort. Normalerweise bedeutet bei allen Systemen der Dreh im Uhrzeigersinn das durchscrollen der Menüpunkte von oben nach unten. Hier ist es einfach mal umgekehrt (war das im A3 auch so??). Auch dass sich z.B. ein Anruf via BT Telefonie mit der Navigationstaste oben links nur dann beenden liess, wenn man die Taste gefühlte zehnmal gedrückt hat liess mich etwas erstaunt zurück. Audi? Wo wollt ihr hin?

Der Klang im Innern ist OK, etwas basslastig, allerdings nicht basslästig. Hier würde ich aber in der Vertretung versuchen, ein anderes System probezuhören, da geht sicher noch was.  

Die Fahrt
Quattro ist ja aktuell nicht so vonnöten. Die Strassen sind so trocken wie die Sahara und der aufgeheizte Asphalt sorgt für gute Traktionsverhältnisse. So kann man auch mal einen Ampelstart ohne quietschende Reifen durchgeben. Und holla, das kann der Q3 überraschend gut, das Zusammenspiel des DSG mit dem von mir ach so geliebten 2.0er Schnarchzapfendiesel von VW empfinde ich als perfekt. Keine Turbolöcher, keine Anfahrschwächen, das Auto hat eigentlich fast immer ordentlichen Durchzug. Wenn da nur nicht die brummelnde Akustik des Selbstzünders immer wieder in den Innenraum durchdrücken würde.  



Der Q3 kann die Verwandtschaft zum Tiguan und der MQB Plattform halt einfach nicht verleugnen. Auch wenn der Innenraum hauptsächlich wegen den Sitzen etwas wertiger daherkommt habe ich irgendwann ein Flashback zu dem bereits verdrängten Vauwehessjuwi. Und zu einem Chihuahua der letztens bei uns zu Besuch war und nach einer kurzen Meinungsverschiedenheit mit einer meiner Katzen eine blutige Nase hatte. 

Ich würde jetzt nicht so weit gehen wollen, dass ich den Q3 als nervösen Kläffer bezeichnen würde, aber etwas nervös kommt er nach einer gewissen Zeit einfach daher. Der kurze Radstand in Verbindung mit der Fahrzeughöhe und dem für meinen Geschmack etwas arg straffen Fahrwerk lässt den Q3 sehr quirlig erscheinen. Kurze Bodenwellen lassen den Q3 gerne mal etwas hoppeln und hier widerspricht sich dann auch das Innenraumgefühl mit dem eigentlichen Fahrgefühl, so gross wie er innen scheint, so klein fühlt er sich beim Fahren an. Merkwürdig.

Man hat also auch hier versucht, einem kleinen SUV die Fahrdynamik eines Kompakten anzuzüchten. Als hätte man einen Schäferhund mit eben einem besagten Chihuahua gekreuzt. Dabei kommt sowas raus;


ein Schähuahua.
Man muss dem Q3 als Mitglied der SUV-Familie aber schon etwas lassen, er ist dafür auch kein träger, schwammiger und komplett gefühlloser Laster. Und der sonst so müde TDI in Verbindung mit dem DSG ist für mich immer noch die beste Antriebskombination für diese Sorte Autos. Abgesehen davon, dass ein DSG immer noch der absolute Nervtöter ist, wenn's ums millimetergenaue Parken geht.

Fazit
Und damit bin ich wieder in meinem alten Dilemma mit Micro-SUV's. Sie können eigentlich alles, aber doch nix richtig. Geländetauglich? Nur bedingt. Platzwunder? Jeder Kombi hat mehr und ist weniger umständlich zu beladen. Sportlich? Naja, zumindest nicht gänzlich unsportlich. Langstreckenkomfort? Geht so. Was kann denn eigentlich der Q3 so richtig gut? Er füllt eine Lücke im Trend. Er sieht einigermassen gefällig aus, aber das tun Eier ja auch. Und zumindest als Quattro ist er in harten Wintern definitiv ein entspannter Gefährte. Mehr fällt mir jetzt zu dem Q3 irgendwie nicht ein.


Kaufen?
Die erste Frage die sich eigentlich stellt ist; Wozu? Wer das für sich beantworten kann, der kann sich den Q3 auch kaufen, vorausgesetzt die Portokasse stimmt. Denn je nach dem einen oder anderen Goodie auf der Aufpreisliste reisst so ein Q3 locker einen Krater in Form eines Chevy Tahoes in den Geldbeutel.  
  
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Über Duck@Cars

Mit dem Drehmomentschlüssel in der Hand zur Welt gekommen, aufgezogen mit Super verbleit. Wenn andere mit Lego gespielt haben, hat er Reifen gestapelt. Das ist Duck. Und das ist Quatsch. Tatsächlich ein Bürohengst der IT-Sorte, gerne und viel unterwegs und noch viel lieber hinter seinem Instrument. Benzin im Blut. Maschinen im Kopf. Rad ab.

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