Motorisierte Hauptdarsteller - 4. Teil

Vorwort
Was haben Roger Moore, Burt Reynolds, Dom DeLuise, Sammy Davis Jr., Dean Martin, Farah Fawcett, Jackie Chan, Peter Fonda, Telly Savallas und Frank Sinatra gemeinsam? Sie alle haben anfangs der 80er Jahre im selben Film bzw. dessen Fortsetzung mitgespielt. Und es ging nicht um einen mit hochkarätigen Stars besetzten Heist-Movie inmitten von Glamour und Reichtum, nein es war ein kaltverformter Klamaukfilm inmitten von skurrilen und potenten Fahrzeugen, vom Countach über ein Moped bis hin zu einem Krankenwagen.

Auf dem Highway ist die Hölle los



Die Handlung ist schnell erklärt, im Rahmen des alljährlich stattfindenden Cannonball Rennens fahren ein paar Highwaychaoten quer durch die Staaten von 'Murrica, von Ostküste zu Westküste, logischerweise unter dem Argwohn der diensthabenden Pozilei. Um dabei möglichst wenig Zeit zu verlieren sind zwei Dinge nötig; ein schwerer Gasfuss und Einfallsreichtum. Für den Zuschauer garantiert das 95 Minuten lang erstklassiges Benzinvernichten, Schnauzbärte, Föhnfrisuren und ein wunderschön politisch inkorrektes Statement zum Thema Autorennen und Umweltschutz.

Die Autos

Der Krankenwagen


Mit einem Krankenwagen ein Rennen fahren? Wo doch so ein Gefährt so auffällig ist wie ein Christbaum mit Sirene und so schnell wie LKW? Wie kommt man auf so eine Idee? Als JJ (Burt Reynolds) und Victor (Dom DeLuise) nach einem kleinen Bootsunfall die Mitfahrgelegenheit in einem Krankenwagen nutzen, werden sie vom Sanitäter (Hal Needham himself) darauf aufmerksam gemacht, dass man mit dem Ding durch den Verkehr schiessen kann wie mit einer Kanonenkugel. Der Rennkrankenwagen war geboren. Der Akustik nach wurde in diesem Bus für den Film wohl auch ein ziemlich grosser Achtzylinder ohne nennenswerte Auspuffkonstruktion verbaut, für ein Rennkrankenwagen ist das natürlich standesgemäss. Damit steht der üppig motorisierte Christbaum seinen Kontrahenten in nichts nach. Ausser vielleicht in einer standfesteren Kupplung, die man mal schnell auf einen Tieflader repariert.

Dass für den Zweck der Reise auch eine gewisse Authentizität gewährleistet ist, braucht es natürlich noch einen Arzt, besser gesagt, DEN Arzt, ausgebildet am College für Gesundbeterei in Knoxville, Tennessee.

Dr. Van Helsing.
Und sein liebstes Instrument.
Van Helsing sorgt auch immer wieder für eine gesunde kleine Portion Horror, alleine schon die Vorstellung, dass dies mein Hausarzt sein könnte, lässt mich nachts schweissgebadet aufwachen.

Als amouröse Begleiterin des etwas kaputten Trios tritt Farah Fawcett auf, in der Rolle einer Baumschützerin mit einer Abneigung gegen Unterwäsche und mit der Mutter aller Föhnfrisuren. Somit passen alle perfekt zusammen, irgendwie. Achja, Captain Chaos ist auch noch dabei, jedenfalls dann wenn die Medikamente bei Victor aufhören zu wirken.

Der Lamborghini Countach


Pilotiert wird der wohl am meisten auf Poster gedruckte Lambo aller Zeiten von zwei eng bekleideten Mädels, welche ihre Tickets gerne mal mit dem schlichten zippen von einem Reisverschluss begleichen. Den Rest erledigt der göttlich klingende Zwölfzylinder des LP400S. Und damit konnte man den spektakulären Lambo auch mal in Aktion sehen und hören, nicht nur als Supertrumpf im Autoquartett oder eben auf dem Poster im Kinderzimmer. Auch heute noch ist der Countach für mich eines wenn nicht das spektkulärste Auto aller Zeiten.

Der Pfaffenferrari 308GTS



Der 308GTS ist im Namen des Herrn unterwegs, Sammy Davis, Jr. und Dean Martin versuchen, dem Arm des Gesetzes durch die Unantastbarkeit eines Priestergewandes zu entkommen. Und natürlich mit Hilfe des V8's des italienischen Mittelmotors. Dass vor allem Dean Martins Charakter die meiste Zeit mehr Öl am Hut als im Motor hat, hilft dabei nur bedingt, ein Wunder dass er die Fuhre nicht schon am Anfang des Films besoffen in die Botanik geschmissen hat. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass die beiden Entertainer auf der Leinwand genau so gut harmonieren, wie sie es zusammen mit Frank Sinatra als das Rat Pack auf den Bühnen dieser Welt getan haben. Sammy war im Übrigen nicht nur ein genialer Sänger, sondern auch ein grossartiger Comedian und Imitator.

Die Chevrolet Chevelle Laguna S3


Die Chevelle hat keine grosse Rolle in dem Streifen, jedoch eine Szene hat sich mir ins Gehirn gebrannt;


In dem Moment, in dem der Umweltschützer Arthur Foyt das Automobil zum Umweltverschmutzer Nummer eins erklärt, pustet der stotternde Fahrer den 454er V8 der Chevelle frei von lästigem Poolwasser. Sinnvollerweise ohne Auspuff, damit platzt dem Herrn Boyt (oder wie der auch immer heisst) die Scheibe. Tou Chey! Was für eine wundervolle Art zu zeigen, was die Filmemacher von diesem Statement halten. Loyt kommt während des ganzen Films nicht wirklich gut weg, ein Zufall? Ne.

Der Aston Martin DB5 (Bond Edition)



Roger Moore spielt eigentlich Seymour Goldfarb Jr., aber irgendwie sich quasi selbst und nimmt sich dabei auch gleich selbst ordentlich auf die Schippe, als versnobter Engländer mit einer Selbstgefälligkeit, die Seinesgleichen sucht. Standesgemäss fährt Moore natürlich den DB5, den er als James Bond nie fahren durfte, so kam er doch noch in den Genuss dieses mit Gadgets vollgepackten alten Engländers. Auch wenn er mit der Bedienung dessen anscheinend nicht ganz so vertraut ist und sich am Schluss des Films selber aus dem Auto ballert. Moore konnte also nicht nur den meuchelmordenden und dauerpimpernden Geheimagenten spielen, er konnte die Rolle seines Lebens auch mit einer sympathischen Portion Selbstironie darstellen. Dass bei jeder Szene eine andere Braut auf dem Beifahrersitz Platz nimmt, versteht sich natürlich von selbst.

Der Subaru Turismo

 
 

 
Der Subi in dem Film war gemäss den damaligen Gepflogenheiten japanischer Fahrzeuge ein Hightechgerät der Sonderklasse, inklusive einer Menge Knöpfe, Nachtsichtmodus, einem VHS-Videorekorder (ganz wichtig!) und einem Raketentriebwerk im Heck. Subaru hatte anscheinend damals schon Ambitionen für einen potenten Hatchback mit Allradantrieb, jedoch konnte der Turismo nicht mithalten mit den anderen motorisierten Helden, dafür hatte er einfach (noch) zu wenig Eier, trotz der Rakete im Kofferraum. Heute setzt Subaru zum Glück auf Turbolader.
 
Fliiieg...
Natürlich hat Hal Needham auch einen seiner Lieblingsstunts in dem Film platziert, ein Auto mittels Feststoffrakete in die Luft zu schiessen. "Let's take the Subaru for this $hit!". Ob der Subi nach der Landung auch noch fahrbar war, wagt man allerdings zu bezweifeln.
 
Jackie Chan hat hier einen seiner ersten Auftritte in einer US-amerikanischen Produktion, natürlich darf da auch eine zünftige Klopperei mit ein paar Motorradrockern nicht fehlen.

Da kann überhaupt nichts schiefgehen!

Im Grossen und Ganzen
... hangelt sich der Film relativ sinnfrei und ohne nennenswerte Handlung durch die pflegeleichten eineinhalb Stunden. Gespickt wird das Ganze mit einer Menge Motorengeräuschen aus diversen Motorenlagern (V12, V8, B4, V6, R4...), einer Menge blöder Sprüche, und als Kirsche oben drauf zum Schluss mit den Outtakes, etwas das Jackie Chan später für seine Filme übernommen hat. Sogar der Abspann des Films ist noch zum Brüllen komisch. Bis dahin ist der Streifen einfach nur laut, schnell und ohne Anspruch an das Publikum. Die Charaktere entsprechen einfach ihren gängigen Rollen und Klischees und das ist gut so, auch wenn der Film von den Kritikern in der Luft zerrissen wurde. Und obwohl (bzw. gerade deswegen weil) das Budget hauptsächlich für's Tanken, Reifen und Haarspray draufgegangen ist, vermisse ich keine tiefgründige Handlung oder einen Aha-Effekt. So platt wie der Film auch ist, so unterhaltsam ist er für jeden Petrolhead. Muss man einfach mal gesehen haben. Oder mehrmals geht auch. Viel Spass dabei!

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Über Duck@Cars

Mit dem Drehmomentschlüssel in der Hand zur Welt gekommen, aufgezogen mit Super verbleit. Wenn andere mit Lego gespielt haben, hat er Reifen gestapelt. Das ist Duck. Und das ist Quatsch. Tatsächlich ein Bürohengst der IT-Sorte, gerne und viel unterwegs und noch viel lieber hinter seinem Instrument. Benzin im Blut. Maschinen im Kopf. Rad ab.

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