Motorisierte Hauptdarsteller - 2. Teil


Vorwort
Triologien haben vielfach denselben Effekt, der erste Teil ist der Beste und die Nachfolger sind meistens nur die Reste von gestern nochmals aufgewärmt. Bei der ZidZ Triologie ist dieser Effekt nicht ganz so extrem, ich verzeihe den Machern hier so vieles. Auch wenn hier tatsächlich der erste Teil der Beste ist, sind die Nachfolger nicht ganz so übel wie bei vielen anderen Kassenschlager.

Back to the Future Teil I-III


Faszination Zeitreisen
Vermutlich jeder hat sich schon mal insgeheim gewünscht, kurz mal zurück in die Zeit zu reisen und die vergessene Pizza vor dem Verkohlungstod zu retten, zumindest ich hatte diesen konkreten Gedanken schon mal. Als Robert Zemeckis 1985 dieses Thema aufgegriffen hatte, dachte er wohl kaum, dass seine Inszenierung der Reise durch die Zeit soviel Kultstatus mit sich bringen würde. Dazu haben auf jeden Fall auch die beiden Hauptdarsteller in den Rollen ihres Lebens beigetragen, Michael J. Fox und Christopher Lloyd verliehen der Triologie die familientaugliche Komik und einen immensen Unterhaltungswert, der auch heute noch wunderbar funktioniert. Ganz ohne CGI bis zum Abwinken. Gerade den ersten Teil kann ich mir immer wieder ansehen und lässt mich jedes mal in dem Gedankenspiel verlieren, was wenn ich meinen eigenen Fluxkompensator hätte? 

DER Zeitreisegerät
Das Auto mit dem Fluxkompensator
An den beiden Hauptdarstellern ging die Zeit in den letzten 30 Jahren leider nicht spurlos vorbei, im Gegensatz zum automobilen Star, dem DeLorean DMC-12. 



Dieses Auto ist eine Zeitmaschine im doppelten Sinne, einerseits eben darum, weil der DeLorean in den Filmen als Packesel für die ganze Zeitreisetechnik herhalten muss, so z.B. für den Fluxkompensator als auch für Mr. Fusion. Dabei handelt es sich um den kleinen Plutoniumtoaster auf dem Heck, welcher in seinem ersten Leben nichts anderes war, als eine Kaffeemaschinemühle von Krups.

Mr. Fusion Teil 1 (finde den Unterschied)



Mr. Fusion Teil 2:


Oh, Kaffee...


Steile Karriere für eine Kaffeemaschinemühle.

Andererseits hat sich der DeLorean mit dem Film seinen Kultstatus redlich verdient, damit dass er vermutlich ewig als DIE Zeitmaschine erkannt wird, weniger als der unkonventionelle und erfolglose amerikanische Sportwagen, der er eigentlich ursprünglich war.

Sein Erfinder, John DeLorean hatte sich seine Sporen in seinen jungen Jahren als Chefingenieur bei Pontiac verdient. Er war auch derjenige, der die Verantwortlichen damals davon überzeugt hat, den Pontiac GTO in Grossserie zu bauen und hat damit 1965 die MuscleCar Ära losgetreten.

Leider hat der schwach motorisierte Träger des legendären Namens DeLorean nicht den Erfolg des GTO verbuchen können, zumindest nicht in kommerzieller Hinsicht. Mit 8500 verkauften Exemplaren waren die Verkäufe eher bescheiden bis desaströs. Das hätte wohl anders ausgesehen, wenn das Auto nach 1985 auch noch gebaut worden wäre, analog dem TransAm aus Smokey and the Bandit wäre der DMC-12 vielleicht doch noch zum Kassenschlager mutiert.

Im Film wurden auch jene Defizite etwas kaschiert, welche damals verhindert hatten, dass das Auto gerade auf dem amerikanischen Markt etwas mehr Akzeptanz erfahren hätte. Der im Heck sitzende 2.8L V6 wurde für die Dreharbeiten durch einen 302cui V8 ersetzt, was der Akustik und der Möglichkeit von spektakulären Burnouts sehr zuträglich war, eine Zeitmaschine mit 132PS? Ne, das war nix, ein brabbelnder V8, nachträglich unterlegt mit Kompressorsingen und einem Schuss Kampfjet liess keine Zweifel offen, dass das Ding in der Zeit herumreisen konnte. Und die 88 Meilen/h wären mit dem lahmen V6 nur mit viel Anlauf zu erreichen gewesen. 


nicht mit 132PS und dem Zeitmaschinenkram auf dem Heck...

Schön war er nicht, trotz der klassischen Sportwagenform und den Flügeltüren. Auch der blanke Chromstahl war und ist nicht jedermanns Sache, wenn auch rostfrei. 

Trotzdem, in meiner virtuellen Fahrzeugsammlung, der DeLorean wäre dabei. Einfach deswegen, weil es so gut klingen würde; "Heute nehm' ich mal die Zeitmaschine." Als ich vor ein paar Jahren im Universal Studios Park in Orlando eher durch Zufall an einem der Filmautos vorbeilief, zuckte mein Verstand eben mal für zwei Minuten nach 1985 zurück. Buchstäblich wie ein kleines Kind stand ich wie angewurzelt da, etwas ungläubig und dämlich grinsend fixierte ich den Wagen und verabschiedete mich murmelnd von meiner Begleitung, mit einem Flashback to the Future. Das Auto stand so urplötzlich da, als ob wirklich jemand damit gerade in meiner Gegenwart gelandet wäre. Absolut geiler Moment.


Hey...
Auch der DeLorean erfährt kein Happy End. Im letzten Teil wird er zum Opfer eines Schienenunfalls. Allerdings ist dieses Ende kein trauriges, schliesslich steht noch einer in 1955 und in 2015 für weitere Zeitreisen zur Verfügung ;-).

Auf die Reise
Doc Emmett Brown und Marty MacFly nehmen den Zuschauer auf eine wahrlich fantastische und grenzenlose Reise durch Zeit und Raum mit. Der erste Trip ins Jahr 1955 wurde mit so vielen Details liebevoll inszeniert, die Autos, die Musik, die Klamotten und Frisuren und vor allem die aufwendig gebaute Kulissenstadt tragen dazu bei, dass sich der Zuschauer tatsächlich ins Jahr 1955 zurückversetzt fühlt. Untermalt wird dies durch die kleinen komischen Kontraste aus 1985, z.B. Darth Vader vom Planeten Vulkan (da rotieren die Trekkies und die StarWars Fans) und das fehlen von Light-Getränken. Und eben auch das Fehlen von spaltbarem Material, Plutonium gab's schon 1955 nicht an jeder Ecke zu kaufen. Und im dritten Teil sieht man tatsächlich sowas wie holografische Brillen, ein Videokonferenzsystem und dreidimensionale Haiprojektionen. Zemeckis scheint damals wirklich so etwas wie einen Riecher für Zukünftiges gehabt zu haben. Was für die heutigen Technologiefirmen heisst; baut endlich Hoverboards, es ist 2015!

Beim Materialsammeln zu diesem Beitrag ist mir z.B. erst jetzt aufgefallen, dass Doc Brown in der Schlussszene, wo der DeLorean davonfliegt, den Blinker setzt. In Der Luft! Solche Details finden sich überall und ich kann verstehen, warum sich um diese Triologie eine solch grosse FanBase gebildet hat, das ist nicht nur lieblos hingeklatschtes Kino, das ist grossartige Unterhaltung vom Feinsten für (fast) jeden.  

Komisches
Gerade im ersten Teil gibt es die eine oder andere Szene, welche durch die Improvisation der Schauspieler Kultstatus erreichte, so z.B. Christopher Lloyds Reaktion auf seine eigene Erfindung. Die Reaktion des 1955er Docs auf den Energiebedarf des DeLoreans ist schlicht legendär;

1.21 Tschiggawatts??

Auch als Doc Brown sein Labor versehentlich in Brand steckt resultierte in einem Gesicht, welches heute noch die Internetkommunikation bereichert, wenn es darum geht, einen Schock in Bilder statt in Worte zu fassen:

Great Scooott!
Die Triologie bietet in jedem Fall eine Menge Unterhaltungswert, auch wegen den zahlreichen Running Gags. Wer sich gerne mal ein Spektakel aus Hollywood zu Gemüte führt, findet immer wieder diese dezenten kleinen Details, welche an BTTF angelehnt sind. Die Krups Kaffeemaschine taucht in diversen Filmen plötzlich irgendwo in der Raumschiffkulisse auf (Alien), für den Bau eines Sensornetzwerks wird ein Fluxkompensator benötigt (Fantastic Four) und die Kulissenstadt findet sich immer wieder mal in anderen Hollywoodproduktionen (The Dukes of Hazzard) und Serien (Gilmore Girls), wobei das eine oder andere Detail aus BTTF mehr oder weniger bewusst belassen wurde. Bemerkt man eines dieser Details, ist ein kurzer Schmunzler garantiert. Ich bin da auch schon vom Sofa aufgesprungen, sehr zum Erstaunen jener, welche sich im selben Raum aufgehalten haben und vermutlich dachten, jetzt spinnt er komplett.

Dass die Triologie bzw. die ganze Story diverse Lücken aufweist, ist nicht von der Hand zu weisen. Aber wie korrekt muss etwas ausformuliert sein, das soviel Raum für die eigene Fantasie eröffnet? Überhaupt nicht. Ich selber freue mich immer wieder über solche Werke und vor allem freut sich darüber das Kind in mir, welches so gerne eine Zeitreisemaschine haben möchte, am allerliebsten in Form eines DeLorean mit einer Kaffeemaschinemühle im Heck.

In diesem Sinne:




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Über Duck@Cars

Mit dem Drehmomentschlüssel in der Hand zur Welt gekommen, aufgezogen mit Super verbleit. Wenn andere mit Lego gespielt haben, hat er Reifen gestapelt. Das ist Duck. Und das ist Quatsch. Tatsächlich ein Bürohengst der IT-Sorte, gerne und viel unterwegs und noch viel lieber hinter seinem Instrument. Benzin im Blut. Maschinen im Kopf. Rad ab.

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