Motorisierte Hauptdarsteller - 1. Teil

Vorwort
Ich liebe denkfreie Unterhaltung. Letztens hatten wir in einer lustigen und doch auch schon etwas angeheiterten Männerrunde die glorreiche Idee, uns einer jenen Filme reinzuziehen, welcher alles hat, was das Herz des Petrolhead erfreut. Dicke Motoren, mindestens eine gute Verfolgungsjagd und eine dermassen platte Handlung, dass man auch nach einem längeren Klobesuch die Handlung noch versteht. Im Laufe der Jahre sind doch einige solcher Meisterwerke über die Kinoleinwände geflimmert, und so manches Auto wurde zum heimlichen Star oder gar zum Hauptdarsteller. Vielfach erinnert sich kein Schwein mehr an die eigentlichen Charaktere, aber jeder kann auf Anhieb sagen, was bzw. welche Autos in diesen Streifen die Leinwand dominiert haben.


Das hier soll aber keine Rangliste sein, ich liebe alle diese filmischen Werke und die Reihenfolge ist rein zufällig. Wer will, kann sich jetzt ein Bierchen und Popcorn holen.

Ronin



Robert de Niro und Jean Reno leihen dem Film ihre markanten und meist ziemlich ausdruckslosen Gesichter für die Dialoge und den eigentlichen Plot. Die richtig harten Kerle treten hier aber in Form eines Audi S8 und eines Mercedes 450SEL 6.9 auf. Jawoll, 6.9, die alte S-Klasse aus der Baureihe 116 hat trotz ihres betagten Alters hier einen grossen Auftritt mit dem grossen Motor. Wer jetzt denkt, dass man mit diesem alten Dickschiff wohl kaum einen Fiat Panda zur Strecke bringen kann, soll sich nicht täuschen; 280PS und 550nM sind durchaus eine Ansage für effektives Reifenschreddern, der grösste je von den Stuttgartern in Serie gebaute Achtzylinder macht keine Gefangenen und frisst Mittelklassefranzosen zum Frühstück.


Schiebdach für Ballerarbeiten inklusive.

Reno muss sich allerdings schon sichtlich anstrengen, um den Benz nicht aus Versehen in der Botanik zu parken. Die Lenkarbeit sieht etwas unentspannt aus, ich denke mal, der gute Mann hatte nach dem Dreh ein leichtes Ziehen in den Armen und Händen.

 
Der Audi hat leider nicht gerade das grosse Los gezogen und wird im Gegensatz zum Benz in die eine oder andere Kollision verwickelt. In der Verfolgungsjagd wird er hauptsächlich als Rammbock dazu benutzt, um französische Brot- und Butterautos von der Strasse zu schubsen. Wenn's sein muss auch offroad, da macht der S8 dank Allrad eine ziemlich gute Figur und lässt's ordentlich krachen.

Spring!
Im Gegensatz zu den Königen dieses Genres, den Amerikanern, hat dieser Film trotz den europäischen Einschlägen das, was ein gutes Car Movie ausmacht. Den Fahrzeugen wird in Ton und Bild die Aufmerksamkeit zu teil, die eine gute Verfolgungsjagd ausmacht. Nicht zu viel, aber auch nicht zu wenig. Nix wird geschont, die Motoren werden hoch gedreht und die Redensart "Hubraum statt Spoiler" wird ohne Umschweife untermauert. Auch scheut man die harte Kollision nicht, welche in anderen Filmen nur darin resultieren würde, dass ca. 100kg. Plastikanbauten in alle Richtungen davonfliegen würden.

Diese Verfolgungsjagd hat alles was dazugehört. Blechschaden, schreiende Sechszylinder, Achtzylinder, ausdruckslose Gesichter, Explosionen und Übersteuern im gesunden Mass. Lediglich der nachträglich ins Bild gebastelte Reifenqualm beim Benz trübt das Ganze etwas. Schlussendlich wird man schnell wieder entschädigt, sogar der Citroen des Verfolgten klingt nach einem feinen V6, der Sound erinnert mich etwas an den 3.2 Liter des GTA, find ich gut! Auch der Rest des Streifens bietet gute Unterhaltung, kann man sich auch als Nicht-Petrolhead durchaus mal anschauen, alleweil besser als DSDS oder die Geissens.

The Blues Brothers



Dan Aykroyd und John Belushi verkörpern hier die Vollblutmusiker schlechthin, was den Film auch musikalisch zu einem Highlight macht. Der Streifen wechselt sich ab in tollen Musiknummern und Verfolgungsjagden, wahlweise mit Polizeibeamten, dumpfen Nazis, der Nationalgarde, einer durchgeknallten Braut und geleimten Countrymusikern. Im Idealfall sind die alle gleichzeitig an den Hacken der beiden Musiker. Und die Verfolger haben alle dasselbe Ziel, die Herren in den schwarzen Anzügen gehören zur Strecke gebracht. Davon trennt die beiden nur eines; dem Bluesmobil. hier handelt es sich um einen vom Mount Prospect Police Department ausrangierten 1974er Dodge Monaco, gebaut von katalytischen Konvertern mit Bullenmotor, Bullenreifen, Bullengetriebe und Bullenstossdämpfer. Achja, der Zigarettenanzünder ist im Arsch. Und, die einzig wahren Men in black sind im Auftrag des Herren unterwegs, das legitimiert sämtliche Blechschäden und verletzten Egos von jenen, die ihren gebündelten Hass auf die Blues Brothers loslassen.

Die Reise kann losgehen, aller Hauptdarsteller sind versammelt.

Der Soundtrack gehört für mich als Autonarr und Hobbymusiker zum besten der Filmgeschichte, neben den musikalischen Einlagen ist das Gebrüll des Mopar V8's in dem Monaco Musik in meinen Ohren.


Der Zigarettenanzünder ist auch bei der Replica im Arsch.
Die Stunts in dem V8-Musical sind beängstigend gut und verpassen dem Streifen eine eigene automobile Komik, wie man sie eigentlich in kaum einem dieser Filme sieht. Das millimetergenaue Abrasieren der Blaulichtbatterie eines Streifenwagens beim Sprung über denselbigen lässt mich vor Schadenfreude glucksen, einer der besten Stunts aller Zeiten, ganz ohne, dass danach irgendwas aus vierundzwanzig Perspektiven gefilmt in die Luft fliegt.

Lichter aus!
Dass Aykroyd viele der Szenen selbst fährt, gibt dem Ganzen die Authenzität, welche heutige CGI generierten Blechorgien vermissen lassen. Ohne Sicherheitsgurte und sichtlich unter Adrenalin ringt Dan den Monaco mit Schmackes um massive Stahlträger herum während leere Bierdosen und Zigarettenpackungen im Auto herumfliegen. Und Belushi scheint hier einerseits mit dem nicht vorhandenen Seitenhalt der durchgehenden Sitzbank zu kämpfen. Sein entgleister Gesichtsausdruck spricht Bände; wir gehen bei dem Film hier drauf! Auch diejenigen Szenen, welche aus der Stossstangenperspektive gefilmt wurden, lassen die Frage aufkommen, ob man hier wirklich die Strassen gesperrt oder einfach im normalen Stadtverkehr von Chicago gedreht hat. Dermassen knappe Manöver kann man eigentlich gar nicht erfinden, dagegen ist Cobra 11 einfach nur lahmer Kindergeburtstag mit Schokoladenkuchen aus dem Supermarkt. Und hier werden auch nicht 25 Gangwechsel pro Minute durchgeführt, ne, man kann sowas viel simpler stricken. Sie haben ein halbes Päckchen Zigaretten, genug Benzin im Tank, es ist dunkel und sie tragen Sonnenbrillen. Tritt drauf!

Ne Menge Schrott. 

Leider gibt es kein Happy-End für den Dodge, er wählt den Freitod und zerlegt sich gegen Ende der Hetzjagd in seine Einzelteile, als würdigen Abschied hat er wenigstens noch ein Parkverbotsschild umgenietet. Dass es Jake und Elwood dabei das Herz bricht, kann ich als Zuschauer nachvollziehen. Auch ich ziehe den Hut vor dem treuen Weggefährten, welcher in diesem Kaltverformungsepos die dritte Hauptrolle spielt.



Machs gut...
Der Dodge ist übrigens einer der wenigen vierrädrigen Hauptdarsteller, welche es auch auf das offizielle Filmplakat geschafft hat.

Für den Streifen wurden nach unbestätigten Gerüchten 13 Dodge Monaco und 60 Polizeiautos reif für die Presse gefahren. Das ist ziemlich amtlich und macht zum Zuschauen mächtig Spass.

Smokey and the Bandit



Für mich der ultimativste Verfolgungsfilm überhaupt. Wie bei den Blues Brothers ist hier die Hetzjagd von Anfang bis Ende das zentrale und eigentlich auch einzige Thema. Und dazu hat der Film einfach alles, was es für eine gepflegte Verfolgung braucht; Banjomusik, angepisste Polizisten, ein LKW voll Bier, Strassennutten, Cowboyhüte, ausschliesslich Achtzylinder, Sprechfunk und eine durchgeknallte Braut. Dazu kommt noch etwas Truckerromantik und eine kriminelle Menge an Schlaghosen.

Hauptdarsteller ist neben Burt Reynolds, Sally Field, Jacky Gleason und Jerry Reed DER Pontiac TransAm aus dem Jahre 1977, natürlich mit dem goldenen Firebird auf der Haube.


Die Handlung ist schnell erklärt; ein LKW voll Schmuggelbier soll innert 28 Stunden an pinkelnden Polizisten vorbei von A nach B und wieder zurück zu A gelotst werden. Der TransAm fungiert hier als Lockvogel und als amerikanische Sportwagenikone dieser Zeit lässt dieser auch ordentlich die Reifen qualmen. Mein Gott, diese Dreharbeiten müssen so gut gerochen haben...


Der Streifen hat übrigens auch der Fa. Pontiac eine Menge Spass gemacht, die Verkäufe des TransAm sind nach der Veröffentlichung des Films durchs Dach geschossen (im ersten Jahr +50%, im zweiten +90%). Der TransAm wurde damit zur Ikone. Auch wenn man natürlich verschwiegen hat, dass für die Dreharbeiten der von Werk aus verbaute 6.6 Liter mit etwas über 200PS gegen 302er Chevy V8's aus den 67-69ern Chevy Camaro Z28's mit ca. 400 PS getauscht wurden.

Als Widersacher in Polizeiuniform fungiert Jacky Gleason als Sherriff Buford T. Justice. Er hat sich damit zu einer Legende unter den Verfolgern gespielt und Burt Reynolds zum gottverdammtesten Verfolgten gemacht, den er je verfolgt hat. Viele der Textpassagen wurden von Gleason frei improvisiert, was meinen Eindruck bestätigt, dass Gleason in diesem eher platten Streifen als herausragender Schauspieler hervorgeht. Ich liebe diesen arroganten, überheblichen und verbissenen Spiesser und Uniformträger.

Als Gefährt vertraut Buford auf einen 1977er Pontiac LeMans, welcher ungeahnte Nehmerqualitäten zu Tage legt. So wird der blaubelichtete Strassenkreuzer im Laufe des Films langsam aber sicher zerlegt und auch in ein Cabrio verwandelt.


Tatütata...

Halt meinen Hut fest!

Auch wenn der LeMans quasi dem Widersacher des Filmhelden gehört, hat er für mich Heldenstatus. Wie sein Fahrer kämpft er bis zum Schluss ohne Rücksicht auf Verluste. Die Titulierung als fahrender Schrottplatz, die er im Laufe des Films erhält, hat er aber leider verdient.

Hier sind die Stunts ebenfalls vom Feinsten, ein Garant bei so vielen Filmen von Hal Needham. Meist ohne Sicherheitsgurte werden hier genau jene millimetergenauen Manöver gefahren, welche heute mit CGI bis zur Lächerlichkeit hin in die Filme gepackt werden.

Der Typ im Kombi braucht ne frische Hose!
Der Film rennt, genau wie die Autos. Auch wenn hier keine tiefgründige Story oder politisch korrekten Dialoge (Wenn ich erstmal nach Hause komme werde ich mir deine Frau Mutter schnappen und ihr kräftig eins in die Schnauze hauen.) die Basis sind, ist der Unterhaltungswert enorm hoch. In einer angeheiterten Männerrunde ist der Streifen der absolute Abschuss.

Auch hier wurden eine Menge TransAm's und Police-Cars zu Schrott gefahren. Aber immerhin, der legendäre Pornoschnauz von Mister Reynolds ging schadlos durch den Film und hat so manchen inspiriert. Tom Selleck lässt schön danken, auch wenn er den Ferrari 308 GTS bevorzugt hat.

 
 
 

Mehr gibt's dann in den nächsten Teilen, die Rede ist von einem feuerroten Plymouth Fury, einem weissen Dodge Challenger, einem grünen Mustang GT350, meine Ente und einigen anderen Ikonen der automobilen Filmgeschichte.




 


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Über Duck@Cars

Mit dem Drehmomentschlüssel in der Hand zur Welt gekommen, aufgezogen mit Super verbleit. Wenn andere mit Lego gespielt haben, hat er Reifen gestapelt. Das ist Duck. Und das ist Quatsch. Tatsächlich ein Bürohengst der IT-Sorte, gerne und viel unterwegs und noch viel lieber hinter seinem Instrument. Benzin im Blut. Maschinen im Kopf. Rad ab.

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