Audi A3 Sportback 2.0TDI

Vorwort
Ich bin ja bei den Ingolstädtern etwas vorbelastet. Mein erster und zugleich letzter eigener Audi hat es sich mit mir in so vielen Belangen vermasselt, dass es auch zur Weihnachtszeit schon nicht mehr feierlich war. Trotzdem, es gab auch Audis, die's mir angetan haben und Konzepte, die ich wirklich toll finde. Auch die Traditionen wie üppig Motorleistung gepaart mit Allradantrieb finden bei mir durchaus Anklang und die Fünfzylinder der alten Tage sind akustisch immer noch der Kracher. Leider hört man sie heutzutage nicht mehr so oft dahinröhrerln. Dafür hört man immer mehr Selbstzünder in den quattros, leise schnatternd und nagelnd, unauffällig im alltäglichen Strassenverkehr integriert. Die Zeiten der feuerspeienden WRC's sind für Audi längst vorbei und damit auch ein grosser Teil der Atmosphäre, die Audi lange wie ein Kometenschweif hinter sich hergezogen hat. Schade eigentlich.


Was denn?
Ein Audi A3 Sportback mit dem 2.0er TDI aus dem VAG Regal, daran flanscht ein manuelles 6-Gang Getriebe, welches wiederum die 150PS und die 320Nm an die Vorderräder schickt. Kein quattro...

Grau in Grau.  


Die Namensgebung "Sportback" finde ich ehrlich gesagt ziemlich frech, der A3 kommt weder optisch noch sonst wie sportlich daher. Ausser man betrachtet das Abheften von Belegen auch als Sport...

Laufleistung
1060 jungfräuliche Kilometer.

Wie weit?
ca. 140km

Handbuch gelesen?
Nein, aber hier wär's wohl nötig gewesen. 


Erster Eindruck
Ein grauer A3 mit dem 2.0er Turbodiesel. So unauffällig wie ein Vollbärtiger mit weissen Kopfhörern im Apple-Store.

Zeigefinger (Assistenzsysteme)
ESP, ABS, Bremsassistent

Innenraum
Innen setzt sich der eher biedere Ausseneindruck fort. Hier ein wenig strukturierte Sitzbezüge, da ein paar aluumrandete Lüftungsdüsen. Das war's dann aber auch mit der Extravaganz, mit der sich Audi sonst so unverkennbar von den günstigeren VW's abgesetzt hat. Der aktuelle A3 hat nichts mehr von der ursprünglichen Eleganz, mit welcher sich Audi damals den Einstieg ins Premiumsegment zurecht gelegt hat. Als man damals Anfangs der 80er den 200er 5E auf den Markt gepackt hat, legte man noch Velourkissen auf die Hutablage, der 200er war ein schmusiges Auto. Heute scheint man aber her der Generation iPhonegesichtsbuchzwitscherer und Vollbart-mit-Nerdbrille gerecht zu werden; einfach, schlicht, gerade, etwas steril? Klar, man fühlt sich hier wohl, gleichwohl wie man sich in einer Notaufnahme fühlt, wenn es dort nicht aussieht wie bei Ali in der Dönerbude auf dem Boden.

Willkommen in Hipstercity.
 
Hier sehen sie ein Raucherpaket (Aufpreis CHF 40.00), dass sie aber bitte nicht nutzen sollen. Danke.
Aber dafür gibt's dann auch ein griffiges Lenkrad, gut verstellbare und bequeme Sitze und eine tadellose Verarbeitung. Als Auto erfüllt der A3 innen die Anforderungen also voll und ganz. Aber ein designtechnisches Meisterwerk ist der Innenraum im A3 definitiv keins, auch wenn der Versuch klar erkennbar ist.

Die ersten Kilometer
Trotz der engen Verwandtschaft fühlt sich das nicht sofort an wie der 7er Golf, den ich ein paar Stunden zuvor noch gefahren bin. Der A3 scheint etwas straffer, direkter und hat tatsächlich so gut wie keine Einflüsse in der Lenkung, sollte man das Pedal in den unteren Gängen mal in den Teppich latschen. Erstaunlich kompakt fühlt sich der A3 im Innerortsbereich an, dafür brummelt der Diesel im kalten Zustand etwas aufdringlich.

Nach 10 Kilometern
Ist die Maschine mal warm, verliert sich auch der dröhne Basslauf im unteren Drehzahlbereich. Erfreulich leise geht's vorwärts und der Durchzug ist durchaus amtlich, abgesehen von der üblichen Gedenksekunde, auch dieses Öl-Triebwerk ist da keine Ausnahme. Auf's Gas rauf, nichts, nichts, ALLES! In den höheren Gängen ist das nicht ganz so dramatisch, aber im Innerortsbereich empfinde ich diese Form der Leistungsentfaltung immer noch als lästig. Trotzdem, wenn der Audi mal dahinrollt, dann angenehm.

Multimediaplunder
Das aktuelle MMI geht für mich überhaupt nicht. Angefangen bei dem schon fast billig klingenden Drehschalter, welcher bei Druck dasselbe Klickgeräusch zu machen scheint, wie es kostenoptimierte Unterhaltungselektronik aus Taiwan auch macht. Der ausfahrbare Bildschirm (Standardversion) unterstreicht diesen Eindruck, von der Auflösung her scheint das Display die Anforderungen für eine 30 Jahre alte Nintendokonsole gerade so knapp zu erfüllen, ein krakeliger Pixelhaufen. Für Super Mario reicht's aber.


In der Zeit von Retina und 4K sieht das einfach nur uralt aus...

Die Bedienung empfinde ich auch nicht als sehr durchdacht, im ganzen rund 12 verschiedene Tasten und Regler, teils mit Mehrfachfunktionen belegt und dazu noch ein Drehregler der nur rundherum kann, blind bedienen geht erst nach einer gefühlten Ewigkeit in der Einöde der Eingewöhnung. Liebe Audianer, das können andere wesentlich besser. Sogar die Systeme in den aktuellen VW's geben hier weniger Rätsel auf. Ne Leute, das ist Quatsch, auch wenn man sich vielleicht mal dran gewöhnen würde. Immerhin verdient die Sprachsteuerung Lob, die versteht mich wenigstens. Und die Paarung mit meinem Handy über Blauzahn ging auch problemlos.


Btw;


Super. Navi konnte ich also nicht testen, aber nach dem Gehampel in den restlichen Einstellungen konnte ich auch drauf verzichten. Klingen tut das ganze Lautsprecherbrimborium im A3 ziemlich gleich wie im Golf, etwas dumpf aber für David Guettas Plattentellergeschubse reicht's.

Die Fahrt
Auf einer Strecke, die ich regelmässig fahre, habe ich es dieses mal tatsächlich geschafft, einmal falsch abzubiegen und mich komplett zu verfransen. Dafür kann der Audi erstmal nix, schliesslich war ich offensichtlich zu dämlich und habe es nicht geschafft, gleichzeitig einen Radiosender zu suchen und eine Abzweigung zu erwischen. Bis ich dem Radio meinen Willen aufgezwungen hatte war meine Abzweigung auch schon einen Kilometer hinter mir. Dafür habe ich mal ein wirklich schönes Industriegebiet gesehen und eine mir unbekannte Zufahrt zu dem Flughafen gefunden, von dem ich eigentlich weg wollte.

Gerade bei der nächtlichen Fahrt habe ich das Merkmal vermisst, was Audis sonst so gut können; ein gemütliches Innenraumambiente, wo man sich am liebsten mit der auf Volllast glühenden Sitzheizung die Familienplanung versaut und ein Feuer im Fond machen möchte. Keine dezent rot beleuchteten Türgriffe, keine ebenso dezent beleuchtete Mittelkonsole. Abgesehen von den Schaltern und Knöpfen liegt hier alles im Dunkeln. Klar, über die Sinnhaftigkeit von solchen Zierelementen kann man streiten, aber gerade bei Audi ist doch sowas im Standardprogramm? Hier nicht, steht aber in der Aufpreisliste (CHF 300.00).

Apropos, ich hab mich da durch den Konfigurator gewühlt, als plötzlich dieses schicke Bildchen über den Bildschirm zuckte;

Photoshop-Level: Beginner. *lol

Als etwas gewöhnungsbedürftig empfand ich die Lenkung, gerade auf der Autobahn mit ein paar lästigen Sturmböen, welche die eine oder andere Lenkkorrektur erforderte. Um die Mitte herum ist die Lenkung unangenehm hart und plötzlich hat man das Gefühl, dass der bei Innerortsgeschwindigkeiten so kompakt anmutende A3 bei Autobahntempi einen auf fetten, schweren und grossen A8 macht. Auch das "Audi drive select" änderte in seinen zahlreichen Festeinstellungen (efficiency, comfort, auto, dynamic, individual) daran erstmal nichts, lediglich Fahrwerk und Gaspedalkennlinie scheinen hier darauf anzusprechen, die Lenkung bleibt um die Mittellage im Ring-mit-dem-Elefanten-Modus.

Aber ja, wenn der A3 mal rollt, dann rollt er. Kein Gerumpel, kein Geklapper, keine nervösen und sportlich angehauchten Reaktionen vom Fahrwerk. Der Audi macht denselben soliden Eindruck wie auch der Golf und die vielen anderen Konkurrenten in seinem Segment. Die bei diesem Auto etwas zu tief eingestellten Bi-Xenon Scheinwerfer taugen für entspanntes Langstreckenballern, wie auch die Sitze. Aber, sportliche Attribute hat der A3 dank dem 2.0er TDI keine, dafür fehlt dem Diesel diejenige Drehfreude, welche oberhalb von ca. 3500 U/min so gar nicht vorhanden ist.


Die Armaturen sind einigermassen gut ablesbar, auch wenn ich immer wieder mal etwas Mühe mit den unterschiedlich gross geschriebenen Ziffern beim Tacho hatte, wo mal die ungeraden, dann wieder die geraden Bereiche abgesetzt erscheinen. Aber dafür lässt sich die gefahrene Geschwindigkeit auch digital im Multifunktionsdisplay anzeigen, Problem für mich gelöst.

Parken ging dann auch ganz gut, die Übersicht im Audi ist glaub ich OK. Schlussendlich habe ich dem A3 aber keine Träne nachgeweint, als ich ihn abgegeben habe. Einfach ein weiteres, grundsätzlich tadelloses Auto aus dem VAG Regal. Gähn.

Fazit
Der A3 ist nicht der bessere oder schickere Golf. Der Golf ist einfach der bessere Golf und dabei nicht mal unbedingt weniger schick. Dort wo sich der Audi vom VW etwas abhebt, kann man eigentlich auch darauf verzichten. Sei es das komplizierte MMI-System wie auch der hypermodernisierte und minimalisierte Innenraum. Das was die Ingolstädter eigentlich besser können sollten, das haben sie im Eifer des Gefechts um die Premiumelemente wohl verbockt. Ich sehe keine Materialien im Innenraum, welche einen höherwertigeren Eindruck machen, als im Golf. Und von aussen ist der A3 halt einfach ein Audi wie alle anderen auch. Single-Frame-Grill und schicke LED-Lichtspielereien rundherum gehören seit längerem zum Markengesicht, aber mittlerweile scheint es trotz den modernen Elementen etwas angestaubt und erscheint einfach zu oft im Strassenverkehr, als dass man es noch als speziell wahrnimmt. Audi sollte hier mal wieder anfangen, wirklich etwas neues und unikes zu kreieren, ohne dass man das ewig gestrige neu anstreicht und dann auch noch einen 0815-Diesel verbaut. Diese vier Ringe ziehen kein Schnitzel mehr vom Teller, weder optisch noch fahrdynamisch. Schade.


Kaufen?
Gemessen am Aufpreis gegenüber dem Golf würde ich auf den A3 verzichten können und mir den Golf mit etwas mehr Ausstattung zutun. Der A3 setzt sich in der Wertigkeit und Fahrverhalten nicht mehr wirklich von den VW's und auch den vielen anderen Konkurrenten ab, dass sich die VAG-Modelle untereinander kannibalisieren scheint hier deutlich spürbar. Und ausser dem mittlerweile etwas altbackenen Premium-Image hat der A3 nicht wirklich mehr zu bieten. Wer prinzipiell etwas schickeres als einen Golf will, soll sich mal bei den Italienern und den Japanern (Lexus) umschauen, die bieten dann sicherlich auch mehr Emotionen und die eine oder andere durchaus sympathische Macke.
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Über Duck@Cars

Mit dem Drehmomentschlüssel in der Hand zur Welt gekommen, aufgezogen mit Super verbleit. Wenn andere mit Lego gespielt haben, hat er Reifen gestapelt. Das ist Duck. Und das ist Quatsch. Tatsächlich ein Bürohengst der IT-Sorte, gerne und viel unterwegs und noch viel lieber hinter seinem Instrument. Benzin im Blut. Maschinen im Kopf. Rad ab.

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