Club Car

Vorwort
Ich brauch Urlaub. Hab ich mir im Februar dieses Jahres mal gedacht. Jetzt ist Oktober, zu Hause zieht der Herbst durch's Wohnzimmer mit eher kühlen 10°C und meistens regnet's sowieso, nach diesem bombastischen Sommer kann ich sowas nicht länger akzeptieren. Also, ab auf die Insel, wo die Sonne heiss, die Luft feucht und das Internet abartig langsam ist. Ich mag mich lieber von nichtsnutzigen Moskitos zerstechen lassen als dass ich demnächst zu Hause das Schimmeln anfange.

Was denn?
Ein ClubCar, ausgeführt mit vier Sitzen und der Sonderausstattung "in alle Richtungen gewölbte Frontscheibe".

Schnieke Farbe und tolle Integration der Scheinwerfer



Laufleistung

Absolut keine Ahnung, das Ding hat keinen Kilometerzähler.

Wie weit?
So ca. 100m, mehr Strasse hab ich nicht gefunden.
 
Handbuch gelesen?
Mir blieb nix anderes übrig, das Handbuch ist quasi auf das Lenkrad und das Armaturenbrett aufgedruckt. Praktisch, wenn man mal nicht weiter weiss.

Erster Eindruck

Schnittig, sportlich, ein designtechnisches Meisterwerk der Golfcarbaukunst.

Zeigefinger (Assistenzssysteme)
Absolut nix dergleichen, dieses Monster hat keine Leinen, keine Grenzen. Hier steht der Fahrspass und das Leben auf Messers Schneide ganz oben auf dem Zettel.

Innenraum
Weil hier keinerlei Türen angebracht sind, kann man den Innenraum als gewaltig bezeichnen, er reicht von Horizont zu Horizont. Die Sitze sind mit wohligem Kunstleder bezogen, welches wunderbar an der Haut klebt und den Sonnenbrand an den hinteren Oberschenkeln (sowas kriegt man vom Spannern in der guten Fischstube) beim Aussteigen immens intensiviert, damit hat man sogar beim Verlassen des Fahrzeugs einen gewaltigen Adrenalinschub. Und, spätestens wenn von rechts das vertraute Geräusch von abreissendem Klettband erklingt, weiss man, der Beifahrer ist vermutlich aus dem Cart rausgefallen. Clever, der fehlende Seitenhalt wird hier einfach damit kompensiert, dass man am Sitz klebt wie ein alter Kaugummi am Schuh. Im Handschuhfach hat auch mal ein Strandtuch Platz, ist also hier quasi ein Strandtuchfach. Ebenso finden sich Becherhalter für Fahrer und Beifahrer, so kann man sich auch mal einen Long Island Ice Tea für auf den Weg mitnehmen. Super!

Spartanisch, praktisch, gut.

hier gibt's keine Missverständnisse
 
Die ersten Meter
Wow, der Antritt des Elektroantriebs ist gewaltig, wie ein beherzter Tritt ins Kreuz, der TopSpeed von ca. 15km/h wäre nach ca. fünf Sekunden erreicht, mir wurde aber davon abgeraten, das sei hier schliesslich keine deutsche Autobahn. So wird sich wohl auch ein Tesla S anfühlen, abgesehen von Top-Speed, Geräusch, Lenkradposition, Sitze, Multimedia und der Rückmeldung von der direkten Lenkung. Ich frage mich, ob die Benzinvariante hier nicht die moderatere Form des Antriebes wäre.

Nach 10 Metern
Das Fahren mit diesem Monster will gelernt sein, das ist absolut nix für teeschlürfende Schlaffis. Ich fange sofort an zu schwitzen, ob das an den vorherrschenden Temperaturen liegt kann ich nicht abschliessend beurteilen, hier schwitzt man auch schon allein beim Gedanken an körperliche Arbeit. Mein Blick ist durch die riesige Frontscheibe fixiert, welche allerdings gleichviel Wölbung hat wie zerknittertes Papier. Sicht bei Sonneneinstrahlung gleich null. Trotzdem, Wow!

Multimediaplunder
Leichtbau in seiner reinsten und konsequentesten Form, kein Radio, keine Lautsprecher, kein Navi.

Die Fahrt
Wie soll ich sowas beschreiben, einfach nur unglaublich. Trotz dem sandigen Untergrund und dem fast schon lebensgefährlichen Überfluss an Leistung hat dieses Gerät absolut null Traktionsprobleme. Die breiten Ballonreifen kleben förmlich im Sand und man muss sich schon recht gut am grossen Lenkrad festhalten, dass man in zügig gefahrenen Kurven nicht aus Versehen das Gesicht durch die üppige Botanik zieht. Sicherheitsgurte habe ich übrigens keine gefunden.


Die Strecken hier haben's aber auch in sich, die S-Kurve in dem Bild oben hat mich fast das Leben gekostet, geschätzte 6 km/h sind da echt die obere Grenze und der Fahrer hat mir mit Vehemenz von einem Scandinavian Flick abgeraten, weil die wenigen Fussgänger am Strassenrand hier gerne mal an der hinteren Stosstange mit dem Schienbein hängenbleiben. Soll schon so manchen blauen Fleck gegeben haben.

Leider hat es sich hier nicht um ein unfallfreies Exemplar gehandelt, weswegen der Geradeauslauf stark beeinträchtigt war. So habe ich dann auch darauf verzichtet, ellenlange Drifts zu ziehen, da habe ich zu viel Respekt vor diesem schwer kontrollierbaren Geschoss ohne Strassenzulassung und der Lenkung mit dem Fischblick.  

zieht ganz leicht nach links?
 
Auch wenn ich nur eine kurze Strecke gefahren bin, es hat mir gereicht. Ich habe noch nie solche Schweissausbrüche in einem Auto gehabt. Die Federung ist beinhart und der Federweg beschränkt sich auf die Luft in den Reifen. Der Komfort kann zwar mittels dem Luftdruck in den Reifen reguliert werden, allerdings kann man hier kaum von einer zeitgemässen Luftfederung sprechen, welche z.B. in der neuen S-Klasse zum Zug kommt, man will ja auch nicht bei jedem Schlagloch die Luftpumpe hervorkramen. Apropos Zug, das Gefährt kann nicht als allwettertauglich bezeichnet werden, der Fahrtwind prügelt von allen Seiten auf den Fahrer ein und wenn's draussen regnet, dann auch im Auto. Ich mag Leichtbausportler, aber hier war man dann doch etwas zu konsequent für meinen Geschmack.

Ey, ich kann mich hier grad nicht konzentrieren, im Haus nebenan klingt's nach einem billigen Asiatenporno, die Dame quietscht wie eine alte Stalltür. Wenigstens ist die Aussicht von meinem "Arbeitsplatz" aus gut; Busch, Sand, dahinter eine Menge Meer.


(Edit; ging nur drei Minuten)

Den Weg zurück liess ich dann den eigentlichen Fahrer unter die Räder nehmen. Mir war das echt zu gefährlich und ich gehe lieber nackt mit den Haien schwimmen, als dass ich mich nochmal in diese Todesfalle setze. Ab jetzt geh ich hier zu Fuss und hechte kopfvoran in die Büsche rein, wenn so ein Ding den Weg entlangbrettert.

Fazit
Was für ein Auto! Bis anhin war ich dem Elektroantrieb eher skeptisch eingestellt und wenn man mir ein Auto mit Batterien angeboten hat, dann wollte ich noch die Fernbedienung dazu haben um es als erstes mit Schmackes irgendwo reinzufahren und damit die Nehmerqualitäten zu testen. Und dieses Gefährt hat wohl doch auch schon näheren Kontakt mit einer Palme gehabt und damit Qualität bewiesen. Leider kann ich das nicht vom Fahrverhalten behaupten, die krumme Lenkung, die unergonomische Sitzposition und die schlecht dosierbare Bremse machen eine Rallyetappe durch den Dschungel hier zum Selbstmordkommando. Diese Karre ist nur etwas für Leute, welche mit dem Leben abgeschlossen haben. Man könnte auch gleich Chuck Norris ans Bein pinkeln und sich zu Tode roundhousekicken lassen. 

Kaufen?
Wer z.B. eine kleine Insel im indischen Ozean oder einen 18-Loch Golfplatz sein Eigen nennt und auf die üblichen Komfortausstattungen verzichten kann, der sollte sich die ClubCars mal näher ankucken. Es gibt sie auch in verschiedenen Ausführungen, Stretch, Kastenwagen, Coupè und Vollcabrio. Da sollte für jeden etwas dabei sein, der damit leben kann, dass der nächste Arzt/Schamane 50km übers Meer entfernt seine Praxis hat.  
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Über Duck@Cars

Mit dem Drehmomentschlüssel in der Hand zur Welt gekommen, aufgezogen mit Super verbleit. Wenn andere mit Lego gespielt haben, hat er Reifen gestapelt. Das ist Duck. Und das ist Quatsch. Tatsächlich ein Bürohengst der IT-Sorte, gerne und viel unterwegs und noch viel lieber hinter seinem Instrument. Benzin im Blut. Maschinen im Kopf. Rad ab.

3 Kommentare :

  1. Hat mir bei meiner derzeitigen Autosuche immens geholfen. Dieses Monster auf 4 Rädern kommt definitiv in die engere Auswahl.

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    1. Freut mich wenn ich helfen kann. Ich empfehle aber für das richtige Fahrgefühl bei einer allfälligen Probefahrt ein paar ausgelatschte Flip-Flops und einen kräftigen Drink, besser zwei vor dem Fahrtantritt, alles andere grenzt an lebensverachtenden Wahnsinn.

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  2. Hammer Artikel :-D Besser kann der Morgen nicht beginnen.

    Ich bin mal so ein monströßes Gefährt auf dem Golfplatz mit waghalsigem Top-Speed gefahren. Macht mega Bock, aber die Angst aus dem Auto zu fallen kann ich bestätigen.

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