BMW 325i E90

Vorwort
Der gute alte Dreier. Für die einen der Inbegriff der sportlichen Limousine, für die anderen eine überbewertete Männerfantasie. Für mich war's tatsächlich der erste, wo ich auch selber sagen konnte, wo's langgeht. Ich war gespannt...

Was denn?
Ein BMW 325i, Reihensechszylinder mit 218PS, entgegen der Bezeichnung hat das Triebwerk drei Liter Hubraum, es gibt quasi 0.5 Liter gratis dazu. Sechs Gänge manuell, der Antrieb erfolgt BMW-typisch von hinten.  





Laufleistung

202Tsd km.



Wie weit?
ca. 160km, hauptsächlich Autobahn und schlüpfrige Landstrassen.
 
Handbuch gelesen?
Nö.

Erster Eindruck

Ist man erst einmal so richtig drin bemerkt man, für einen vermeintlich flotten Dreier sieht das irgendwie alles etwas arg brav aus. Von der Aussenfarbe über das Interieur finden sich ca. 50 verschiedene Grautöne. Also eigentlich ein ideales 2014er Sommerauto. Und die Hinterräder schieben sich so tief in die Radhäuser rein, man möchte sie am liebsten sofort aus den vertrauten Vertiefungen im Heck rausziehen.

Zeigefinger (Assistenzssysteme)
ABS, ESP

Innenraum
BMW-typisch sehr aufgeräumt, robust, modern. Die Kunststoffe sind hochwertig und robust, viel Alu(imitat), angenehm beleuchtete Schalter und Knöpfe. Apropos Schalter, an den Blinkerhebel konnte ich mich auch nach 160km noch nicht gewöhnen, auch weil der Hebel für den Tempomaten im selben Abstand zum Lenkrad steht. Hab dann doch den einen oder anderen Kreisel ohne Blinker, dafür mit eingeschaltetem Tempomaten verlassen. Womöglich bin ich einfach zu doof für einen Blinker, aber ich hab mich am Riemen gerissen um den Verkehr nicht allzu sehr zu behindern.


Ansonsten gibt's überall etwas Lack und Leder, wobei der Softlack am Lenkrad bereits abgeplatzt ist. Dies ist aber gemessen an der Laufleistung ok, der Rest vom Innenraum sieht nicht danach aus, als ob man das Auto während der letzten Jahre abwechselnd in Grund und Boden geritten hätte.


Die ersten Kilometer
Den Reihensechser vernimmt man im Innenraum nur gedämpft. Ist dieser Dreier womöglich ein gemächlicher und nicht unbedingt ein wilder? Die Schaltung flutscht weich, die Maschine säuselt vibrationsfrei vor sich hin. Ansonsten; umschauen, alles mal anfassen, sich wohlfühlen.

Nach 10 Kilometern
Ein wenig Enttäuschung macht sich breit. Irgendwie ist dieser Dreier nicht so aufregend wie man es vom Ruf erwarten würde. Der Sechszylinder brummelt leise aber nicht so kernig wie im alten 530er. Leistung ist zwar genügend da, aber diese entfaltet sich extrem linear. Die Lenkung ist zwar direkt, aber gibt nicht zuletzt wegen den dicken Gummis so gut wie keine Rückmeldung von der Strasse. Fährt sich alles in allem angenehm, aber sportliche Härte wäre anders. Hier geht's eher sanft zu und her. Etwas weniger Gummi um die Felgen würde hier wohl Abhilfe und damit etwas mehr Gefühlsechtheit schaffen.  

Multimediaplunder
Ja, da können die Bayern punkten. Das riesige Display in Verbindung mit dem iDrive stellt sich als hilfreiche Komposition mit Aufklärungsqualitäten dar. Vor allem wenn solche Blindfische wie ich den Weg nicht nur nicht kennen, sondern auch sonst orientierungstechnisch absolut unbegabt sind, hauptsächlich im Dunkeln. Die Bedienung ist intuitiv und das System arbeitet recht flott, wer das nicht versteht kommt auch mit einem Vierer nicht klar. Leider kann die Lautsprecherbestückung da nicht ganz mithalten, das können andere auch schon in der Standardausführung besser, gehen tiefer und pumpen härter, vor allem von hinten ist da irgendwie so gar kein Fleisch am Knochen.



Und tatsächlich findet sich hier so ein modernes Laufwerk, in welches man auch mal einen unterhaltsamen bayrischen Heimatfilm reinschieben könnte. Das ist zwar gut bei Langeweile, stört aber ein wenig beim Verkehr.

Die Fahrt
Als erstes, dieser Dreier ist nicht wirklich anstrengend. Bei diesem Modell wurde der Fokus eher auf Komfort als auf den knallharten Ritt gelegt. Über die gesamte Distanz war Zurückhaltung das Ah! und Oh! und trotz des hecklastigen Antriebs verspürte ich nicht unbedingt den Drang, hinten sinnlos Gummi abzureiben oder noch schlimmer, die Gummis quietschen zu lassen. Die extrem lange Getriebeübersetzung empfand ich nicht wirklich als eine gute Kombo mit dem eher flachen Drehmomentverlauf des gemächlich potenten Reihensexers. Dafür ist die Schaltung sehr präzise und die Gänge lassen sich prima dort reinschieben, wo man sie gerade am liebsten hätte. Fährt man aber die Maschine nach der Schaltempfehlung der Elektronik, kommt man leider nicht wirklich zügig voran. Idealer ist da wirklich mal einen Gang zurückzuschalten, möchte man denn irgendwelche Anzüglichkeiten vom Triebwerk. Und auch bei hohen Drehzahlen bleibt die Maschine akustisch so zurückhaltend, dass man den Eindruck kriegt, man könne das Pfeifen von den Vögeln im Kornfeld hören.


Auf der Autobahn ist der BMW aber dann definitiv zu Hause, das ist seine Welt. Gemütlich, komfortabel, keinesfalls mit übertriebener Härte. Auch bei hohem Tempo kommt man nicht sofort ins Schwitzen, das Auto fühlt sich souverän an. Daran ist auch das griffige Lenkrad schuld, welches mit hartem (Kunst)Leder versehen ist, das liegt schon recht gut in der Hand. Allerdings mag man eigentlich nicht mit TopSpeed über die freie Autobahn blasen, eher schon mag man sich den anderen Verkehrsteilnehmern anpassen und so seinen Beitrag für ein ausgeglichenes Miteinander leisten. Allerdings, ich war auch bei eher schlechtem Wetter unterwegs, die Strassen waren stellenweise feucht, teilweise richtig nass, da will man nicht so schnell und geniesst lieber den Weg bis zum Ziel.

Alles in allem ist der Dreiliter Sechszylinder ein feines Triebwerk, unaufdringlich, seidenweich aber trotzdem auch mal willig für ein keines Abenteuer. Die Fahrwerksabstimmung liesse sicherlich auch mal ein etwas flotteres Tempo zu, aber man möchte hier eigentlich mehr Reisen denn Rasen. Vielleicht liegt's auch an der Laufleistung oder an dem Gewicht von 1.5 Tonnen, aber mir kam's nicht so vor, als ob da 270Nm ab 2400 U/min ihren Dienst verrichten würden. Der alte 5er war da tatsächlich elastischer und auch viel geiler auf hohe Drehzahlen, trotzdem dass er nur fünf Gänge hatte. Vielleicht war's aber auch die Erfahrung des Alters...

Toys gibt's hier auch genügend, elektrische Sitze, Primaklima, gutes Entertainment, nette orange Ambientebeleuchtung, welche zwar nicht alles, aber vor allem die schönen Seiten des Innenraums ansprechend ausleuchtet. Damit möchte man gerne über weitere Distanzen Kilometer auf den Zähler nageln, kleine Pausen zwischendurch vorausgesetzt.

Fazit
Vielleicht hatte ich von meinem ersten Dreier einfach zuviel erwartet. Bzw., ich hätte mir eine etwas härtere Gangart gewünscht. Enttäuscht war ich in dem Sinne, dass hier die Stimmen von anderen, welche schon mal einen Dreier hatten, wohl etwas zu euphorisch waren. Das muss man jetzt nicht falsch verstehen, das hier ist ein richtig gutes Auto ohne Anlass zum Tadel oder Kritik. Aber vielleicht sind die M3's zumindest für mich einfach die besseren Dreier, sie sind dreckiger, härter, versauter. Der 325i ist nicht unbedingt "mein" Dreier, aber für den einen oder anderen vermutlich genau richtig. Und was beeindruckend ist, trotz der vierten Weltumrundung erscheint hier nichts ausgelutscht oder überbeansprucht, das spricht für einen hohen Anspruch der Bayern an die Qualität, weniger an die Quantität. Und damit auch alle Passagiere eine gute Zeit haben ist schlussendlich die Technik entscheidend und nicht die Härte oder hohe PS-Zahlen. Technik können die Münchner richtig gut!

Kaufen?
Naja, wer sagt zu einem Dreier sofort Nein? OK, der eine oder andere hat hier natürlich noch den/die Lebenspartner/in, welche/r auch noch ein Wörtchen mitzureden hat. Und da kann's dann hart werden, preislich sind "kleine" Dreier kein billiges Vergnügen, allerdings kriegt man auch eine unkompliziertes Komplettpaket zwischen Komfort, ein wenig Sport und Unaufdringlichkeit. Wer lieber teuflische und flotte Dreier mag, nimmt einen mit grösseren Kolben oder einen mit Blasebalg. Passt scho, Ozapft is!
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Über Duck@Cars

Mit dem Drehmomentschlüssel in der Hand zur Welt gekommen, aufgezogen mit Super verbleit. Wenn andere mit Lego gespielt haben, hat er Reifen gestapelt. Das ist Duck. Und das ist Quatsch. Tatsächlich ein Bürohengst der IT-Sorte, gerne und viel unterwegs und noch viel lieber hinter seinem Instrument. Benzin im Blut. Maschinen im Kopf. Rad ab.

3 Kommentare :

  1. Bei einigen Textpassagen könnte man tatsächlich glauben, dass du von der eingangs erwähnten zweiten überbewerteten Männerfantasie redest :-D Ob mit Absicht oder nicht: der Einleitungssatz wurde konsequent weiterverfolgt.

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    1. Absicht? Schweinische Doppeldeutigkeiten? Ich? Niemals! ;-)

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  2. Finde deine Bilder immer echt gut (Y)
    Das Leder am Lenkrad ist echt. Die Leisten gibt es statt in Plastik auch mit echtem Alu. ...Wäre ja noch schöner :D

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