Subaru Legacy Turbo 2.0 4WD

Vorwort
Eigentlich wollte ich damals gar keinen Japaner. Die Meinung, dass die Autos aus dem Land der aufgehenden Sonne nix können, schlecht verarbeitet sind und sowieso nur Streitwagentechnik à la Ben Hur bieten, diese Meinung war weit verbreitet und mir hatte bis zu jenem Tag auch noch niemand das Gegenteil bewiesen. Trotzdem stand da irgendwann bei einem Händler ein allradgetriebener Vierzylinder Turbo. Sowas kannte ich eigentlich nur vom Hörensagen, die Lancia Deltas und die Cosworth Escorts waren zwar selten, aber jeder der ein solches Gerät sein Eigen nannte, war überschwenglich begeistert von der Traktion und der Fahrdynamik. Da der Preis für den Allradler sehr fair war, habe ich zugeschlagen und damit auch gleich meinen roten 16V Scirocco eingetauscht. Hier gründet meine Leidenschaft für potente Limousinen oder Kombis mit guter Traktion, dieser biedere Subaru ist schuld daran. 


Btw; sry für die spärlichen und wenigen Fotos, aber mehr hab ich von dem Auto leider nicht mehr gefunden.

Was denn?
Ein Subaru Legacy 2.0 Turbo 4WD. Die Typenbezeichnung sagt eigentlich alles, 2-Liter Vierzylinder Boxer mit einem dicken IHI Vf12 Fön, 200PS und permanentem Allradantrieb. Damit war ich zwar nicht in den Leistungsregionen der Deltas und Cosworth's, aber
immerhin nah dran. Von der Form her war der Legacy mit den kompakten Lancias und Cosworths nicht zu vergleichen. Aber dass Subaru hier eine sehr gute Basis hatte, beweisen die zahlreichen Nachfolger; also die Impreza Turbos, die WRX' und die wiederum darauf basierenden STi's, welche heute eine eingeschworene Fangemeinde haben.






Laufleistung
gekauft mit 105'000km.

Wie weit?
50'000km

Handbuch gelesen?
Ich glaub schon. Kann mich nicht mehr erinnern, das Auto war von der Bedienung her recht simpel gehalten. Lediglich den ominösen Bright-Schalter musste ich vermutlich mal nachschlagen, weil ich von den Auswirkungen dieses Knopfes schlicht überwältigt war. Dieser regelt tatsächlich die Helligkeit der Uhr in der Mittelkonsole um zwei Stufen, es kann aber auch sein, dass dieser einfach nur das Licht in einer Lagerhalle in Japan an und ausknippst. Trotzdem, ohne wäre der Innenraum kaum der Rede wert gewesen und er hat's auch in viele Impreza Turbos geschafft, das wird schon seinen Grund haben.

Erster Eindruck
Hmnja. Da war es wieder, dieses dezente Jägergrün Metallic, welches man fast schon riechen konnte. Die Form war eher konventionell, viertürige Limousine mit dezentem Heckspoiler und Hängerkupplung. Aber Nebelscheinwerfer waren schon dran und eine dezente Lufthutze auf der Haube deutete auf die aufgeladene Maschine hin. Innen grau in grau, ab und zu etwas schwarzes Plastik, aber immerhin ein schickes Sportlenkrad. Trotzdem, laaangweilig.... Ehrlich gesagt, ich hätte damals lieber einen RS2 mit seinen blauen Sitzen gehabt, aber die finanziellen Rahmenbedingungen für den Porschdi passten nicht wirklich. Und die anderen aufgeladenen Fünfzylinder Quattros waren damals auf dem Gebrauchtmarkt nicht gerade das, was man als günstig bezeichnet hat.


Zeigefinger (Assistenzssysteme)
ABS (mein erstes!)

Innenraum
Der war eigentlich gar nicht mal so übel. Momo Lenkrad, EFH rundum, sportliche Sitze in grauem Stoff, Lederschaltknauf. Und; Sitzheizung. Ein Garant für jede Menge warme Klötenscherze an den Beifahrer und umgekehrt. Was haben wir uns manchmal im Sommer in diesem Auto sinnlos den Hintern weggeschwitzt. Klima hatte der Leggy keine, aber dafür gab's ein schönes Glaschiebdach, welches zwar auch mal etwas undicht, aber ansonsten recht praktisch war.

Die ersten Kilometer
Die Probefahrt war für mich der Einstieg in eine komplett andere Welt als jene der Sciroccos. Weg vom frontkratzenden Saugercoupé hin zur Allradlimousine mit ordentlichem Turboloch und Traktion ohne Ende. Das war noch recht ungewohnt und die Familienkutschenoptik passte irgendwie so gar nicht zu den sportlichen Fahrleistungen. Anfangs noch ziemlich skeptisch, wollte ich den Jägerturbo plötzlich haben wie blöd.

Nach 10 Kilometern
Die ersten Fahrten zur Arbeit waren wirklich eine Offenbarung. Auf der Autobahnauffahrt konnte man den Legacy im zweiten Gang zügig auf Autobahnrichtgeschwindigkeit hochprügeln (0-100 in 6.6s), den 5.ten einlegen und was war das? Der Boxer war flüsterleise, kein Brummen, kein Gedröhne, null Vibrationen, nur entspanntes Dahingleiten. Dazu meine erste Servolenkung, wie konnte ich vorher nur ohne leben? Achja genau, da war's mir noch wurscht, wenn ich in den Kurven kurbeln musste wie ein Dampflokführer.

Multimediaplunder
Ein Radio mit CD. Wirklich das letzte, was ich noch aus dem 16V Scirocco rausgeholt habe.

Die Fahrt
Ein Turbo. Plötzlich musste ich mich damit vertraut machen, dass so ein aufgeladener Motor seine Eigenheiten hat. Warmfahren war sowieso klar, aber dass man den heissgefahrenen Motor nicht sofort ausmachte, war z.B. so eine Art der automobilen Zuneigung, dem Lader zuliebe. Auch dass die Bereifung vorne und hinten eine gleichmässigere Abnutzung aufwies, war ebenfalls neu. Wollte man zügig vorankommen, musste die Maschine ordentlich geprügelt werden, unterhalb von 3000 U/min ging nicht wirklich viel. Dann aber zeigte sich ein drehfreudiges kleines Biest, welches es liebte, den Berg hochzuziehen oder auf der Autobahnauffahrt gen 7000 U/min zu schreien. Die Art der Leistungsentfaltung machte süchtig. Turboloch, Schub, Drehfreude, der Sound des Boxers und das Pfeifen des Laders, alles Dinge die man heute bei modernen Triebwerken solange weichzeichnet, schalldämmt und rundlutscht, bis das Auto schon fast gar keinen Spass mehr macht. Schade, gerade solche Autos sollten doch noch schnauben, stampfen, unsanft und unkultiviert sein und den Fahrer katapultartig in den Sitz hineinrammen.

Ich war bald ziemlich verschossen in den jägergrünen Bauernporsche. Dass der Lader nach einer zügigen Fahrt den Berg hinauf stolz seine weissglühenden Bemühungen zum Ausdruck brachte, war der Abschuss. Glühende Motorenteile gab's sonst nur im Fernsehen beim Motorsport bei Röhrl, Sainz und McRae. Geil. Die Traktion war schier unendlich, egal ob trockene oder nasse Fahrbahn, der Familienturbo ging wie die sprichwörtliche Hölle, ohne Schlupf, ohne grosses Drama. Und auf Schnee wurden mir die Vorteile eines permanenten Allradlers mit genügend Leistung endgültig bewusst. Meine erste Fahrt auf geschlossener Schneedecke war geprägt von einigen Aha-Momenten. Anfangs hatte ich noch etwas schwitzige Hände, ich wollte den Legacy ja nicht gleich beim ersten mal in die märchenhaft verschneite Botanik schmeissen, er war schliesslich auch eine halbe Tonne schwerer als die Sciroccos. Das machte mir anfangs etwas Sorgen. Jene Sorgen verflogen aber ziemlich rasch und wichen einem doofen, kindischen Grinsen, bevorzugt einmal um den Kopf rum. Die Kiste fuhr sich auf rutschigem Untergrund einfach nur fantastisch. Jedenfalls so fantastisch, wie man es nennen kann, wenn man vorher nur Frontriebler gefahren ist. Die Traktion war dank dem sperrenden Differential an der Hinterachse auch dann noch gegeben, wenn der hüfthohe Schnee schon über die Motorhaube in Richtung Frontscheibe flog. Klar, die Sinnhaftigkeit dessen ist vermutlich etwas fragwürdig, aber dass man mit dem Legacy auch dort noch fahren konnte, wo andere schon gestresst ihre Hunde ausbuddelten und spazieren trugen, das war schon ziemlich cool. Und dort wo bei uns gerne mal Schneekettenpflicht ausgeschildert und mittels Polizei auch kontrolliert wurde, da wurde ich von fachkundigen Beamten einfach durchgewunken. Nie wieder Schneeketten!!

Die ersten Erfahrungen im kontrollierten Querfahren machten süchtig und der Subaru war für die ersten Seitenschritte bestens geeignet, plötzlich konnte ich das Auto auch mit dem rechten Fuss lenken, um Kurven herumtanzen und ich wünschte mir paradoxerweise Scheibenwischer auf den Seitenscheiben. Man kann's einfach nicht anders beschreiben, aber wie ein kleines Kind!

Der erste Winter auf dem ersten Allradler war dann zum Glück auch sehr schneereich. Wo ich normalerweise einen verschneiten Morgen und die bevorstehenden 50km zur Arbeit mit einem deprimierten "Ach Scheisse..." quittierte, freute ich mich plötzlich wie vielbesagter Schneekönig, wenn denn mal Schnee lag. Je mehr, desto besser. Auf der schneebedeckten Autobahn war das Fahren unheimlich entspannt, gemütlich aber doch zügig. Andere sassen in ihren einachsig angetrieben Untersätzen und versuchten, ihre Lenkräder zu erwürgen, sichtlich gestresst. Für mich galten diese Zustände plötzlich nicht mehr, mir war es vollig schnurz, was für Wetter gerade vorherrschte, je schlechter, desto besser. Auch ein richtig dreckiges Grinsen war des Öfteren Passagier bei mir. Konkret war ich mal Zeuge, wie sich ein e34er 5er BMW der hiesigen Rennleitung vor mir drehte und relativ unkontrolliert in eine Schneewehe auf dem Pannenstreifen geparkt wurde. So tief, wie der da drin steckte, kam er wohl erst im Frühling wieder zum Einsatz. Wie gesagt, arg dreckiges Grinsen.

Selbstverständlich wurde ich dann auch etwas übermütig, wie sollte es auch anders sein, meine dreckigen Grinser schrien nach Betrafung. Nachts um elf hab ich mich vollgepumpt mit Endorphinen auf einem tief verschneiten Feldweg gedreht und bin rückwärts und in Zeitlupe in ein Strassenschild reingerutscht. Zum Glück blieb es dabei, dass die Auspuffblenden nach dieser Lektion etwas krumm waren, die Stossstange war unberührt. Aber danach war ich wieder auf dem rutschigen Boden der Tatsachen angekommen, der Legacy hatte mir in seiner fahrdynamischen Gutmütigkeit eine zweite Chance eingeräumt. In meinem überschwenglichen Dank habe ich ihm dann auch zwei neue Auspuffblenden gegönnt. Und einen neuen Kotflügel vorne rechts.

Damit kam dann auch wieder eine Unart zum Vorschein, jene, welche den spätpubertierenden Neulenker glauben lässt, man müsse ein sonst schon sehr gutes Auto noch besser machen. Zu meinem und dem Glück des Legacy wurde dies aber im Ansatz abgewürgt. Senfgelb passte so überhaupt nicht zu dem Auto und beim ortsansässigen Tuningdiscount gab es null Teile für den Subaru. Nicht, dass ich da nicht gefragt hätte, aber die Subarus fanden sich nicht in den einschlägigen Tuningprospekten und es blieben nur tuntige Ventilkappen für die Reifen und Tieferlegungsfedern von Bilstein. Die Federn habe ich dann auch reingepackt, auch wenn diese nur optisch eine Veränderung gebracht hatten. Fahrdynamisch blieb (zum Glück) alles beim alten.

Somit war ich angefixt, nach Traktion, nach Turboloch und dem charakteristischen Sound des Vierzylinder Boxers. Für mich ein Garant für Fahrspass. Und die Zuverlässigkeit; ausserplanmässige Werkstattaufenthalte gab's keine, höchstens mal ein Satz Reifen und ein Schluck vollsynthetisches fürs Triebwerk.
Negatives kann ich über dieses Spassmobil im Nachhinein kaum berichten. Der Anlasser klang wie bei einem alten Toyota Corolla und das Schiebedach war manchmal etwas uncharmant. Vor allem dann, wenn in einer Kurve gefühlte 50 Liter eiskaltes Wasser in mein Gesicht klatschten, nicht unbedingt meine Idealvorstellung für den Ersatz einer Klimaanlage. Hat man aber mit einer neuen Dichtung in den Griff gekriegt.

Fazit
Einstiegsdroge. Für mich war das das Setzen einer Vorliebe beim Autokauf, die heute noch vorhält. Traktion, Fahrdynamik, Sound und das alles für kleines Geld und uneingeschränkter Alltagstauglichkeit. Deswegen landete ich schlussendlich auch gleich viermal bei Subaru, die klassische Limousine mit permanentem Allrad und wumms ist zumindest für mich immer noch der Massstab, wenn es darum geht, ein sportliches Alltagsgerät in der Garage stehen zu haben. Nicht, dass ich deswegen keine Kompromisse eingehe und mal über den Tellerrand hinausschaue, z.B. für eine Notlösung. Aber trotzdem, wie Meister Röhrl schon sagte;


"Im Rallye Sport wurde meine Vermutung bestätigt, dass ein Auto mit 2 angetriebenen Rädern nur eine Notlösung ist."

Jep. Wo kann ich unterschreiben?

Kaufen?
Kaufen kann man die Legacy Turbos der ersten Generation kaum mehr und wenn auch nur mit vielen Kilometern und Rost. Die Dinger wären heute über 20 Jahre alt und auch wenn man ein optisch gutes Exemplar findet, wird es wohl doch schon einige Umdrehungen auf der 5-fach gelagerten Kurbelwelle drauf haben. Und jene, welche fest in Liebhaberhand sind und auch dementsprechend gepflegt wurden, gehen kaum für kleines Geld weg. Auch wenn das jetzt schmerzt, aber als Winterhure kann man sich sowas noch in die Garage stellen und damit nicht mal etwas falsch machen.


Aber nochmals zurück in der Zeit würde ich den Legacy Turbo gleich nochmals kaufen, ich könnte mir sicher sein, dass ich hier eine Menge Spass haben und ein paar tolle Erfahrungen sammeln könnte. Und auch Unmengen Schnee in den Radhäusern, es gibt nichts Schöneres wenn es in der Garage vom Auto runterpflatscht oder der Lader weissglühend den Motorraum erhellt. Rally für kleines Geld halt.
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Über Duck@Cars

Mit dem Drehmomentschlüssel in der Hand zur Welt gekommen, aufgezogen mit Super verbleit. Wenn andere mit Lego gespielt haben, hat er Reifen gestapelt. Das ist Duck. Und das ist Quatsch. Tatsächlich ein Bürohengst der IT-Sorte, gerne und viel unterwegs und noch viel lieber hinter seinem Instrument. Benzin im Blut. Maschinen im Kopf. Rad ab.

2 Kommentare :

  1. Vielen, vielen Dank für einen weiteren absolut genialen Bericht =)

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  2. Auf die Idee bin ich noch nie gekommen, dass an den Seitenscheiben Scheibenwischen nötig wären. (Ich bieg mich vor lachen!!!) Bei mir ist es das kleinste Übel beim Driften durch den Schnee.

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Kommentare und Kritik sind immer herzlich willkommen. Grundsätzlich wird jeder Kommentar veröffentlicht und ggf. spiele ich auch noch Senfautomat. Auf verletzten Markenstolz gehe ich aber idR nicht ein.
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