Ford Mondeo TDCi 2.0


Was denn?
Heute war's dann ein Ford Mondeo Business Edition mit 2.0-Liter Dieselmaschine (TDCi, 163 PS, 340Nm bei 2000-3250 U/min). Getönte Scheiben, üppig getöntes Interieur, kein Xenon :-(.






Laufleistung
800km, alles neu, alles glänzt.


Wie weit?
so ca. 350km, Mix zwischen Autobahn, Landstrasse und Innerstädtisch (im Kaff rumgucken, Stau). 


Handbuch gelesen?
Nö.


Erster Eindruck
Reinsetzen, Neuwagengeruch einschnüffeln, feststellen, dass das Auto tasächlich ähnlich riecht wie der Granada von einem Nachbarn vor 30 Jahren. Ansonsten hat der Mondeo aber zum Glück nichts gemein mit der goldenen Keksdose und dem 70er Jahre Sofainterieur. Sitze sind mit grauem und schwarzem Stoff bezogen, leider kein Mückenleder. Weder beim Anfassen noch beim Anschauen machen die Materialien einen billigen Eindruck, allerdings kann man auch kaum von hochwertig sprechen. Der Zierrat aus Alu entpuppt sich als angemalter Kunststoff, im Gegensatz zum ansonsten üppig vorhandenen schwarzen Kunststoff, der sieht nämlich wirklich aus wie Kunststoff, hört und fühlt sich auch so an. Bäh. Aber gut, der Gesamteindruck entspricht den Erwartungen, von aussen sieht das Auto aus wie der politisch korrekte Pampersbomber auf Rädern, innen ergeben sich dementsprechend keine positiven oder negativen Überraschungen. Man findet alle Schalter und den Multimediakrempel da, wo man es erwartet, keine Fragezeichen. Die Sitz- und Lenkradposition ist schnell gefunden, aber ich muss mich schon fragen, wieso man die längs- und Lehnenverstellung manuell, aber die Höhenverstellung elektrisch gelöst hat. Hä? Gabs irgendwo noch Stellmotoren zum halben Preis? Und den Fensterheberschalter aus dem 96erFor kA noch gratis dazu? Bluetooth mit meinen abgerockten Lumia 920 geht wunderbar, inkl. Musik. Das Paarungsritual dauert bestenfalls 30 Sekunden. Für ein Autoleben erfrischend schnell.


Zeigefinger (Assistenzssysteme)

Spurassisstent

Ein ganz komischer Zeitgenosse. Das vibrieren vom Lenkrad bei einem Spurwechsel ohne Blinker kann man ignorieren. Man spürt nämlich fast nix davon, es geht in den normalen Vibrationen der Fahrbahn komplett unter. Als ob einem jemand an einem Metalkonzert ins Ohr flüstert, dass es irgendwo alkoholfreies Freibier gibt. Man schenkt dem einfach aus verschiedenen Gründen keine Beachtung. Zudem, dieses verhaltene Lenkradzittern kommt erst, wenn man die Fahrbnahnmarkierungen schon überquert hat, also im schlimmsten Fall dann, wenn der LKW gerade das vibrierende Lenkrad plattmacht. Sorry Ford, sinnlos.

Totwinkelassistent
Mittels gelben LED's in den Seitenspiegeln wird man darauf aufmerksam gemacht, dass man doch einen Spurwechsel vermeiden möchte, es könne zu Kaltverformungen kommen. Paralell dazu wird im Tacho noch die vormals grün gepunktete Linie rot. Nur, bei Sonnenschein sehe ich die LED fast nicht und auch wenn das Ding leuchtet, sehe ich den Hintermann im Spiegel noch problemlos. Den Blick habe ich in der Regel auf der Strasse und nicht dauernd im Tacho, ausser in ner 30er Zone (da geht das Ding sowieso nicht). Auch kam es des öfteren vor, dass sich der Assistent mal zum Kaffee verabschiedet hat, auch auf ausgewachsene und mit Holz beladene 40-Tönner reagierte der Assi mit Abwesenheit und Ignoranz. Würde ich dem Ding mein Leben anvertrauen wollen? Ja, sofern ich damit abgeschlossen hätte.


Antrieb/Motor
Ich nehm's gleich vorweg, ich bin kein Fan von Frontkratzern und Heizölmaschinen. Die Kombination von viel Drehmoment und frontgetriebenen Rädern empfinde ich als falsches Konzept. Man verzeihe mir deswegen meine etwas kritische Haltung.

Die Maschine hängt turbotypisch am Gas wie ein Betrunkener am Tischfussball. Möchte man die Leistung abrufen, folgt erstmal die Gedenksekunde. Nach einer gefühlte Ewigkeit ist dann auch Leistung da, aber ich empfinde es als irritierend und fast schon frech, wenn der Motor nach besagter Sekunde sich dann doch dazu entschliesst, die Vorderräder um Gnade winseln zu lassen. Diese Überheblichkeit vom Triebwerk gegenüber dem Rest des Autos geht gar nicht. Kurz, der Motor ist das, was man umgangssprachlich als überhebliches rschlch bezeichnet. Und ich für mich bin immer noch das grösste rschlch im Fahrer-Auto-Universum, ich habe den Schlüssel, ich habe den Fahrzeugausweis, das Auto soll tun was ich sage. Punkt. Aufgeladene Dieselmaschinen nerven mich wie ein Wadenkrampf, wenn es darum geht das zu tun was ich gerade erwarte.

Innenraum
Wie schon geschrieben, Plaste, gefaktes Alu, aber gute Haptik, das Pseudoleder auf dem Armaturenbrett ist sogar etwas weich. Alles da wo man es erwartet. Instrumente sind gut ablesbar und so emotional gestaltet wie eine Bushaltestelle in Düsseldorf. Sitze sind ok, wenn auch etwas hart. Aber bei einem Auto mit 800km kann sich die Härte noch etwas geben. Spätestens nach 200Tkm sind auch die so weich, wie das Sofa im Granada. Kein Bandscheibenvorfall nach 160km, grundsätzlich bequem, mit genügend Seitenhalt.






Das Handschuhfach ist aberwitzig tief, wer da mal was verliert, findet's nie wieder.



Die ersten Kilometer
Die Maschine klingt zum Glück und trotz dem öligen Kraftstoff nicht nach Fischerboot oder LKW. Das zu Anfang wahrnehmbare leise Nageln sei verziehen, kalt nageln sie alle. Nach ein paar km innerorts rauf auf die Autobahn und erstmal den Tempomaten ausgecheckt. Funzt wunderbar. Die Geräuschkulisse ist überraschend leise. Kein Brummen, nix. Bei 120 hat die Maschine knapp über 2000 Umdrehungen und da ist sie fast nicht hörbar. Der dicke Ford kann also durchaus als langstreckentauglich bezeichnet werden. Die Schaltung (6-Gang) geht flutschig, die Lenkung gibt sogar etwas sportlich ambitionierte Rückmeldung. Im zweiten Gang bei Vollast aus dem Kreisel raus zeigt sich der kleine Rebell im Mondeo. Die Antriebseinflüsse sind dann doch spürbar, aber nicht störend. Solides Auto. Fahrwerk offenbart keine Schwächen, zumindest nicht im normalen Strassenverkehr.


Nach 10 Kilometern
Alles noch bestens, ich bin entspannt, gleite dahin, Überholmanöver gehen gerade so zügig genug. Die Maschine kann als elastisch bezeichnet werden, aber ein Beschleunigungswunder ist sie nicht. Ich sehe der weiteren Fahrt gelassen entgegen, Tempoexzesse rücken in die unendlichen Weiten des Weltraums.


Multimediaplunder
Wichtig; Musik. Kurz die Klangregler ein wenig nach rechts verschoben, damit sich auch bei normaler Lautstärke das ganze mal etwas ordentlicher anhört. Pegeltest mit Lorde, der Zufallsgenerator hat sich dort gerade für "A world alone" entschieden. Heilige Scheisse!!! Drehe ich den Regler soweit, dass der Balken von der Lautsärkeregelung ungefähr in der Mitte liegt, bügelt es mir die Ohren glatt. Und nein, es scheppert nix, es verzerrt nix, es klappert kein Aschenbecher, lediglich der Innenspiegel erweist sich als obsolet, darin erkennt man nämlich nix mehr. Mir drängt sich der Gedanke auf, dass der Entwickler fürs Audiosystem früher gerne mal seine Zeit in den Clubs vor den Subwoofern verbracht hat, nur um sich mal ordentlich die Klöten föhnen zu lassen. Und nochmals nein, ich gehöre nicht zu den Spezies, die 2x100 Watt Sinusleistung im Wohnraum für ausreichend halten, ich bin da recht anspruchsvoll. Auch wenn man das Soundsystem im Mondeo eher als recht basslastig wahrnimmt, gehört es tatsächlich zum besten, was ich bis anhin an werksseitig verbauten Systemen in Autos gehört habe. Leider kapituliert die Kiste vor Muse's Exogenesis, Symphony Pt.1, Hier offenbart sich die Schwäche, mittig und in den höheren Bereichen klingt alles recht platt. Trotzdem, ich bin schwer beeindruckt, dass sich in solch einem Vertreterschlitten eine Anlage versteckt, welche jedem Bassfetischisten die Tränen in die Augen und den Schmalz aus den Ohren treibt. Geil. Ich fange an, die Skiptaste am Lenkrad einem Belastungstest zu unterziehen, ich suche Bass, Bass, was geht'n Alter? Damit kann man an der Ampel auch dem pubertierenden Hatchbackfahrer mit Nachrüsthifi zeigen, dass die Herren bei Ford durchaus einen sehr subtilen Humor besitzen. Handyanbindung klappt wirklich problemlos, Musik geht, telefonieren geht, mehr brauch ich nicht. Navi ist ok, tut was es soll und hat keine Links/Rechts-Schwäche, trotz weiblicher Stimme.


Die Fahrt
Alles in allem war die Fahrt unspektakulär, ein Auto welches einem entspannt von A nach B bringt.


Fazit
Man könnte meinen, der Benchmark bei der Entwicklung war Durchschnitt. Keine übermässigen Verfehlungen, kein übermässiges Übertreffen von Erwartungen in dieser Fahrzeugklasse. Alles wie es sein soll, bis auf die Audiogeschichte, da saut man die Bratensosse ordentlich über den klassenüblichen Tellerrand. Ausstattung, Durchschnitt. Motor; Durchschnitt. Inneraum; Durchschnitt. Verbrauch, durchschnittlich 6.7L/100km gemäss Bordfunzel.

Kaufen?
Sucht man ein gut ausgestattetes Auto mit solider wenn auch emotionsloser Verarbeitung und Antrieb? Ja. Kaufen. Oder mieten, lohnt sich alleweil.

Update: Der 200'000km Mondeo
Wie es der Zufall so wollte, habe ich kürzlich wieder einen Mondeo ausgefasst. Diesmal aber das Modell vor dem Facelift und dem 140PS Diesel. Der grösste Unterschied war allerdings in der Laufleistung, dieses Exemplar hatte schon stolze 200'000km abgespult, Zeit für einen schnellen Vergleich (300km Fahrt)zwischen nagelneu und mit ordentlich Metern auf der Welle:



Kurz, man merkt hier nicht viel von der rund vierfachen Erdumrundung. Innen wie aussen sieht man dem grossen Kombi keinen übermässigen Verschleiss an. Das ist allerdings auch einer ausserordentlich guten Pflege geschuldet. Lediglich der etwas weichere Fahrersitz, die schwergängigere Servolenkung und die knackenden und knisternden Knöpfe des Radios zeigen, dass dieses Auto schon eine Menge hinter sich hat. Am Schalter für den Warnblinker geht der Softlack ab.


Der Diesel hat wohl seine 140 Pferde wohl alle noch am Start, der Heizölbrenner zieht gut, erscheint mir aber lauter als das 163PS Aggregat aus dem Nachfolger. Nichts klappert, scheppert, wackelt oder ist defekt. Im Fahrtenbuch stehen zwei Einträge wegen der Motorenlampe und ein Eintrag, weil das Kurvenlicht mal seinen Dienst versagt hat.

Die restlichen Eindrücke vom obenstehenden Jüngling decken sich mit dem älteren Modell, Musik gut, viel Platz, robuster Innenraum, grosses Handschuhfach, noch emotionslosere Armaturen.

Fazit
Grundsolider Familienbomber mit guten Fahreindruck, trotz und vor allem wegen der hohen Laufleistung. Was beweist, Fahrzeugpflege zahlt sich aus. Ich mag jetzt mal mein Auto staubsaugen...
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Über Duck@Cars

Mit dem Drehmomentschlüssel in der Hand zur Welt gekommen, aufgezogen mit Super verbleit. Wenn andere mit Lego gespielt haben, hat er Reifen gestapelt. Das ist Duck. Und das ist Quatsch. Tatsächlich ein Bürohengst der IT-Sorte, gerne und viel unterwegs und noch viel lieber hinter seinem Instrument. Benzin im Blut. Maschinen im Kopf. Rad ab.

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