Die Suche nach dem richtigen Auto

Vorwort
Jeder, der sich schon mal ein Auto kaufen wollte oder noch schlimmer; musste, hat sich selbst die Gretchenfrage gestellt; Welches überhaupt? Der Markt ist voll von allen denkbaren und undenkbaren Konzepten. Benzin, Diesel, Frontantrieb, Heckantrieb, Elektrisch, Halbelektrisch, Allrad, Cabrio, Targa, Roadster, Coupe, Kombi, Limousine, SUV, rot, blau, schwarz, Automatik, Handschalter oder Doppelkupplung? Und so weiter und so fort. Und das alles macht die Suche ja nicht einfacher. Aber fangen wir mal bei Adam und Eva an...

Design
Am Anfang war das Licht. Und es hat sich in vielen Fällen erstmal in einem Auto reflektiert, welches einem auf der Strasse entgegenkam oder schlicht nur auf einem Parkplatz rumstand. Die Form und das Design eines fahrbaren Untersatzes ist für viele Leute der allererste Eindruck, lange bevor man es überhaupt gefahren ist oder sich über den finanziellen Aspekt Gedanken gemacht hat. Und dieser erste Eindruck kann sich tief in die Windungen des Gehirns einbrennen und eine unvorstellbare Menge von Habenwollen-Hormonen in den Körper rausballern, welche in der Regel alle bereitwillig vom Herzen aufgesogen und in einen erhöhten Puls umgewandelt werden. Nicht das schlechteste Gefühl das man haben kann.



Das Herz
Das Herz ist ja bei solchen Entscheidungen immer ganz vorne mit dabei und vor allem ziemlich laut. "Nimm es! Du willst es haben und es wird uns glücklich machen, wenn wir damit über die Berge und Landschaften fahren, den Wind in den Haaren und den Sound des grossen Motors im Ohr.". Jaha, sowas schönes sein Eigen zu nennen und unbeschränkten Zugriff darauf haben, das kann schon mal ein nicht unerheblicher Treiber dazu sein, einen richtig grossen Blödsinn zu machen. So wie vieles, welches das Herz im Alleingang zu entscheiden versucht. Und dafür benutzt es uns, es beeinflusst uns mit Emotionen und verführt uns zum Träumen. Wo der Mensch für Träume doch so empfänglich ist. Wer mit offenen Augen im Strassenverkehr unterwegs ist, sieht ab und zu solch ein Herzauto. Sie sind selten, aber meistens sehr auffällig und die Besitzer scheinen meist recht glücklich.

Dummerweise (oder zum Glück?) sind nebst dem Herzen aber noch andere, welche mitreden wollen.

Der Verstand
Der Verstand kann uns die Suche nach dem Auto zur Hölle machen. Man sieht den roten Flitzer, wie er seine wohlwollenden Proportionen in der Sonne zur Schau stellt, als ginge es um das Casting für einen Erwachsenenfilm. Man will es haben, anfassen, fahren, dieses Konstrukt aus Blech, Kunststoff und Leder, aber plötzlich fährt der Verstand in diesen feuchten Traum hinein und sagt; "Nix da, viel zu teuer, viel zu durstig und Platz hat es sowieso keinen. Wo soll denn das Fahrrad und der Kinderwagen hin? Und überhaupt, was sollen denn die Leute denken??" In dem Moment kann es für so manchen für einen kurzen Moment ziemlich deprimierend werden. Man stellt fest, dass der Verstand gerade das Herz überstimmt hat. Und das kann einem schon fast das Herz brechen, oder zumindest ein wenig anknacksen. Der Traum in rot steht zwar nur einen Meter vor dir, ist aber gleichzeitig so weit weg wie Donald Trump vom Nobelpreis für passende Haarschnitte.



Der Bauch
Der Bauch ist ja auch noch da, und er ist in den meisten Fällen aufgrund des guten Nachbarschaftsverhältnisses im Lager des Herzens. Er ist vielfach die letzte Instanz beim Autokauf, auch wenn der Verstand dies of nicht wahrhaben möchte. Der Bauch hat nämlich nur wenig Gehör für den Verstand, aber sehr viel Gehör für das Herz. Im Gegensatz zum Verstand ist der Bauch auch der Quell aller Spontanität, sein Motto ist "mirdochwurschthaltmalmeinbier!". So kann es passieren, dass man den Autokauf aus dem Bauch heraus entscheidet, ungeachtet dessen, dass der Verstand zetert und tobt ob dieser Entscheidung. Und damit das Herz in Verzückung versetzt, ja eben, höher schlagen lässt, hat man sich dann doch dazu entschieden, diesen eigentlichen Blödsinn auf Rädern gegen einen Krater auf dem Girokonto und den Hass und Missgunst der Nachbarn zu tauschen. Ein Auto aus dem Bauch heraus kaufen ist für viele "die beste Entscheidung meines Lebens!", für aber sicherlich auch nicht wenige "das mit Abstand dümmste was ich je gemacht habe!". Beides mir bekannte Originalzitate...

Aber...
nicht jede(r) entscheidet aufgrund von Emotionen, Verstand oder einem Bauchgefühl darüber, was er denn nun für einen (meist noch) fahrbaren Untersatz in seine heimische Garage stellt. Und es ist völlig klar, dass nicht jeder sich jedes Auto auf diesem Planeten leisten kann, welches gerade zu haben ist. Dafür braucht es nämlich vielfach eines, eine richtig dicke Brieftasche. Und da fängt die Heulerei eben auch für mich an. Wo wir wieder beim "Aber" sind, es muss ja nicht immer gleich der Ferrari, der Bentley oder der Aston Martin sein. Der Markt ist ja zum Glück auch richtig voll mit allerlei Konzepten, Farben und Preislisten, welche einfach nur in einen von Kompromissen erfüllten gemeinsamen Nenner gebracht werden möchten.



Was will ich denn überhaupt?
Eine Frage, die sich jeder selber mal in aller Ruhe beantworten sollte und dies sollte man da machen, wo das Herz nix zu sagen, der Verstand keinen Einfluss und der Bauch gerade besseres zu tun hat. Am besten gleich nach dem dritten Kaffee mit dem Blick auf eine weisse Wand. Oder eine Tür mit Kleiderhaken. Dabei hat man bekanntermassen oft die besten Einfälle.

Was die anderen sagen
Man hört ja ab und zu drauf, was andere sagen, wenn es darum geht sich eine Meinung über etwas zu bilden, was man selber noch nicht gesehen, gehört, gerochen, gefühlt, geschmeckt oder eben gefahren hat. Das kann zwar hilfreich sein, sollte aber in keinen Fall als alleinige Grundlage dazu dienen, wenn man sich ein Auto kaufen möchte. Und dazu gehört nicht nur das, was Leute im Bekanntenkreis sagen.



Dazu gehöre z.B. auch ich bzw. alles was im Internet steht. In den hochfrequentierten Foren kann man sich sicherlich mal darüber informieren, welches Auto denn was für Zicken macht und was für Macken es hat. Das ist nämlich das erste, was Leute an die breite Masse kommunizieren möchten. Ihre Unzufriedenheit über die defekte Aschenbecherbeleuchtung soll die ganze Welt erfahren, der Hersteller hat gepfuscht und dafür gehört er öffentlich angeprangert. Damit werden gerade Markenforen gerne mal zur Schlachtbank mit viralem Charakter.


Gleichauf kann ein zufriedener Kunde eine ebenfalls etwas eingeschränkte Sicht der Dinge und damit eine zementierte Meinung über einen Hersteller oder ein Modell haben. Hat so jemand auch noch ein gewisses Redetalent, ist man schnell dazu überredet, sich dasselbe Auto wie der Nachbar oder Freund zu kaufen, nur um dann festzustellen, dass man ja eigentlich ganz andere Bedürfnisse hat. Was nützt einem ein flinker, spassiger und knackiger Daihatsu Copen, wenn man einsfünundneunzig ist und zwei Hunde hat? Was soll man als direkter Anwohner des Nürburgrings mit einem VW up!?

Also, auch hier, die Vielfalt der Meinungen festigt den ersten Eindruck.

Die Fachpresse
Die Fachpresse kann sehr hilfreich sein, wenn es darum geht, einen kleinen Einblick in den Markt zu erhalten. Dort gibt es Fahrberichte, Alltagtests von Neuwagen, Langzeittests über Gebrauchte und eine Menge Hochglanzbilder, meist doppelseitig und mit einem weiten Horizont im Hintergrund. Aber, auch diese Texte sollten wie meine nicht überbewertet werden, vor allem wenn es um einen finalen Kaufentscheid gehen soll, den man einfach noch bestätigt haben will. Denn auch dort sind die Texte geprägt von der Tagesverfassung des Schreibenden, der Wetter, der Rahmenveranstaltung oder einfach nur von einem guten Frühstück am Morgen. Und die Fotos sind immer professionell gemacht und sollen Emotionen wecken, jene von Freiheit und Unabhängigkeit.

Werbung :-)
Realität :-/

Man kauft sich den flotten Roadster, nur um damit im täglichen Stau auf dem Weg zur Arbeit zu stehen und sich nach 15 Minuten über die schwergängige Kupplung und die harten Sitze zu ärgern? Oder man kauft sich den bombastischen SUV, nur um damit Hausverbot in allen Waschanlagen kriegen und bei jedem Einkauf einen Kilometer vom Eingang weg zu parkieren? Auch blöd.

Der Händler
Immer wieder verlockend, Kiesplatzschnäppchen. Von einem Kiesplatz kauft man vielfach ein Auto aus dem Bauch heraus. Aber Achtung Risiko, es kann uU eben eine jener ganz dummen Entscheidungen sein. Also, bitte Vorsicht vor verlockenden Angeboten auf leuchtgelben Plakaten mit Explosionsumrandung. Ich hatte schon Kaufberatungen für Bekannte gemacht und bin dabei auch schon ein paar Autos vom Kiesplatz weg zur Probe gefahren. Auch wenn das keinesfalls repräsentativ ist, aber aus eigener Erfahrung waren gefühlte 90% jener Autos von A-Z faul. Verdeckte Unfallschäden, massive Defekte und fehlende Wartungsunterlagen. Konfrontierte man die Händler mit den Umständen, wurde es erst recht lustig, nicht alle Händler wissen einerseits über die Historie ihrer Fahrzeuge wirklich Bescheid oder sind einfach von Grund auf nicht immer ehrlich.

Fuck you Baltimore!

Also, es ist wirklich nicht verkehrt, gerade den guten Gebrauchten auch bei einem Händler zu kaufen, welcher für die besagte Marke eine Vertretung besitzt und damit eine Menge(!) Auflagen der Hersteller zu erfüllen hat. Selbstverständlich schlägt sich das auch vielfach im Preis nieder, aber im Falle von Problemen hat man oft Anspruch auf eine transparente Garantie statt einem Gewährleistungversprechen, welches das Papier nicht wert ist, auf dem es gedruckt wurde. Was nicht heissen soll, dass man beim Fähnchenhändler keine guten Autos findet, aber man sollte einfach noch viel genauer hinschauen, als bei der Markenvertretung und sich die Risiken vor Augen führen. Nicht jeder Feld-, Wald- und Wiesenhändler ist imstande, einen 911er fachmännisch zu reparieren. Und nicht vergessen, alle Händler streben aus existenziellen Gründen nach Umsatz, das Objekt der Begierde wird immer als tiptop in Schuss angepriesen, obwohl es schon sechs Vorbesitzer hatte. Und sowieso hat das Objekt der Begierde schon 56 Interessenten und man sollte sich beeilen, will man nicht dass es morgen schon verkauft ist. Nicht zum Kauf drängen lassen, eine Nacht drüber schlafen schadet gar nix und wenn das Auto am anderen Tag wirklich weg ist hat's einfach nicht sein sollen. Wer nicht schlafen kann, kann sicher sein, dass das Herz gerade das Sagen hat. Unter Umständen ist eine schlaflose Nacht also auch nicht immer die beste Grundlage für eine fundierte Kaufentscheidung. Ausser man hat sich fest vorgenommen, endlich auch mal etwas richtig Dummes und damit genau das Richtige zu tun.

Die Probefahrt
Hat man sich dann auf eines oder auch mehrere Modelle festgelegt welche einem zusagen, steht eine klärende Probefahrt an. Für mich persönlich nach der intensiven optischen Prüfung des Autos und der Wartungsunterlagen der wichtigste Aspekt beim Autokauf. Das Auto soll sich gut anfühlen, man soll sich darin und damit wohl fühlen. Und um das rauszufinden, dafür reicht eine Runde um den Block einfach nicht, vor allem nicht, wenn der Händler nebendran sitzt und einem zuschwallt. Eine Probefahrt soll so ausführlich wie überhaupt möglich sein und nach Möglichkeit sollte man diese auch alleine durchführen können. Nur so kann man das Auto erstmal mit allen Sinnen erfassen, auf Geräusche achten und damit auch die einen oder anderen Punkte für eine Preisverhandlung mitnehmen. Also, Radio aus, Fenster zu und einfach alles mal ausprobieren. Bei Gelegenheit auf einen Parkplatz rausfahren und das Handbuch aus dem Handschuhfach zücken. Lesen bildet. Nicht traurig sein, wenn der vermeintlich wunderschöne Flitzer sich bei der Probefahrt als Bock herausstellt und damit die eine oder andere Illusion zerstört. Schöne Autos müssen sich nicht zwangsläufig für jeden schön fahren. Und bekanntermassen kann bzw. sollte man sich nicht ein Auto vor der Probefahrt schönsaufen.

Gekauft! Meins!
Der grosse Tag der Übergabe naht und das sind meist wirklich schöne Tage. Man hat sich mit dem einen oder anderen (unvermeidbaren) Kompromiss arrangiert und freut sich auf den neuen Schlüssel am Schlüsselbund. Der Händler überreicht nach ein wenig Papierkram das Auto, evtl. eine gte Flasche Wein und einen Blumenstrauss für die Misses und man fährt zufrieden lächelnd vom Hof desselben. Vielleicht macht man auf dem Weg nach Hause noch einen kleinen Umweg über eine verkehrsärmere Strasse und freut sich hoffentlich über den Neuerwerb. Ab jetzt gilt ein ungeschriebenes Gesetz. Man sollte ab sofort eine ganz lange Zeit die Finger von Automobilzeitschriften lassen und am besten gleich auch die gängigen Verkaufsportale im Internet meiden. Sonst passiert nämlich sowas:


Keine weiteren Preisvergleiche mehr, keine Vergleichstests, das birgt potentielle Frustration. Und schon gar nicht sollte man sich von der Meinung anderer über den Zuwachs in der Garage beeinflussen lassen. Es gibt nur einen einzigen Indikator, der einem mit Sicherheit sagt, ob man das richtige Auto für sich gekauft hat. Wenn man das Auto abschliesst, davon weggeht und sich nochmal danach umdreht, dann ist es mit allergrösster Wahrscheinlichkeit das richtige Auto.




Bilderquellen; http://mycariq.com, http://www.autocarsmagz.xyz, www.forcegt.com, www.lamborghini-talk.com, www.jeanknowscars.com
Share on Google Plus

Über Duck@Cars

Mit dem Drehmomentschlüssel in der Hand zur Welt gekommen, aufgezogen mit Super verbleit. Wenn andere mit Lego gespielt haben, hat er Reifen gestapelt. Das ist Duck. Und das ist Quatsch. Tatsächlich ein Bürohengst der IT-Sorte, gerne und viel unterwegs und noch viel lieber hinter seinem Instrument. Benzin im Blut. Maschinen im Kopf. Rad ab.

0 Kommentare :

Kommentar veröffentlichen

Kommentare und Kritik sind immer herzlich willkommen. Grundsätzlich wird jeder Kommentar veröffentlicht und ggf. spiele ich auch noch Senfautomat. Auf verletzten Markenstolz gehe ich aber idR nicht ein.
Nicht veröffentlicht wird all jenes Zeug, welches unsere geschätzten Rechtsverdreher so zum Leben benötigen. Dazu gehören Beleidigungen, Verleumdungen, Rufmord etc.

Vielgelesen

Blog-Archiv