OPEL Astra 1.6 CDTi Sports Tourer

Vorwort
Manchmal tun sich Hersteller etwas schwer bei der Namensgebung ihrer Produkte. Ein EXPERT Scooter Pro 76 RD ist z.B. ein simpler Rasenmäher. Und  Miami Sun-Tower Open Sky ist nicht die Bezeichnung für ein Erstklasshotel in Florida, sondern für ein Münzmallorca. Auch bei den Autoherstellern hat sich der Krampf mit der Fahrzeugbezeichnung zu so manchem Zungenbrecher entwickelt, man denke an den Subaru Impreza WRX STi 2.0R spec C. Oder eben...


Was denn?
Ein OPEL Astra 1.6 CDTi Sports Tourer. Angetrieben von einem 1.6er Diesel mit 136PS und 320Nm, verheiratet mit einem manuellen 6-Gang Getriebe.




Laufleistung
18'300km

Wie weit?
ca. 190km

Handbuch gelesen?
Ne.

Erster Eindruck
Boah, ist der riesig! Ne, Moment, die Mietwagenfirmen stellen die Autos ja immer gleich verstellt auf den zugewiesenen Parkplatz, der Fahrersitz ist meist bis zum Anschlag nach hinten geschoben. Also, erstmal den Sitz so einstellen, dass ich das Lenkrad und die Pedale auch dann erreiche, ohne auf der Sitzkante rumzurutschen. Was mit etwas Sorgen macht, ist der Inhalt der Armablage;

Kann es sein, dass ihr irgendwas mit GPS zu tun habt??
Ich glaube nicht, dass diese Teile da hineingehören, mal schauen ob an und in dem Astra alles geht. Von der Optik her finde ich den Astra gefällig unauffällig, und ein bisschen Chromzierrat hat noch nie geschadet.

Zeigefinger (Assistenzsysteme)
ABS, ESP.

Innenraum
Schwarz wie die dunkle Seite der Macht. Zur Auflockerung des Fahrergemüts noch etwas dunkelgrau und alugraues Plastik. Tatsächlich ist der Innenraum des Astras etwas bedrückend. Bis man die Zündung einschaltet, dann kommen ein paar Akzente zum Vorschein, da die rot unterlegte Schaltkulissenabdeckung und dort die weiss und rot beleuchteten Armaturen.



Nun ja, man kann damit gut leben. Auch leben kann man mit den Sitzen:


Etwas weich, aber mit ordentlichem Seitenhalt. Eine gute Sitzposition ist schnell gefunden und alles ist einigermassen gut erreichbar, ohne dass man im ganzen Fahrgastraum herumklettern muss, abgesehen vom Schalter für die Justierung der Aussenspiegel;


Der pappt recht weit vorne an der Verkleidung der Fahrertür. Spiegel einstellen, während man sich aus dem Sitz strecken muss, das ist irgendwie nicht der Sinn der Sache.

Anscheinend obligatorisch, auch im Astra findet sich das Rotzmagnetenplastik aus der Home-Cinema Abteilung vom Mediamarkt&Co. Bin ich froh, wenn die Hersteller davon wieder wegkommen...

Die ersten Kilometer
Der kalte Diesel singt sein Lied, nagelnd, ratternd, vibrierend. Die Lenkung scheint etwas schwer und verlangt nach einer gewissen Entschlossenheit. Das wird allerdings unterstützt durch das griffige und dicke Lenkrad. Irgendwie fühlt sich das nicht nach einem Golfklassenauto an. Und schon gar nicht nach Sports?

Nach 10 Kilometern
Der warme Diesel ist dann auch etwas leiser geworden, Danke. Was aber immer noch komisch ist, das Auto fühlt sich immer noch viel grösser an, als es in Wirklichkeit ist. Nach meiner ersten Etappe kucke ich mal in den Fahrzeugschein und oh Wunder, mir offenbart sich der Grund meines Eindrucks; 1730kg! Der Astra Kombi ist rund 150kg schwerer, als eine S-Klasse aus dem Jahr 1985.

Der Inbegriff von Schiff.
Wer hätte damals gedacht, das ein kompakter 1.6er Opel mal schwerer daherkommt wie ein Chefbenz??



Multimediaplunder
Der Astra war bestückt mit einem NAVI SD 950 IntelliLink und 6 Premium Lautsprechern, welche mit 4x20 Watt befeuert werden. So jedenfalls steht es geschrieben auf den Seiten der Internetpräsenz von Opel.


Wirklich herausragend ist an dem System aber irgendwie nichts, weder der pampige Klang noch die knopflastige Bedienung ohne Touch, aber man gewöhnt sich ja an alles.

Rot! 
Woran ich mich aber nicht gewöhnen konnte, waren die Aussetzer des Navis. Zweimal hatte das Navi still und leise die Verbindung zu den Kollegen im Weltraum verloren und ich wurde so zu einem jener Opfer, welche sich blind auf die Technik verlassen haben. Nicht dass ich den Astra dann in einem Fluss versenkt habe, aber die fehlende Ansage für eine relativ wichtige Ausfahrt führte mich dann auf einen kleinen Umweg von sagen wir mal 30 Minuten Länge. Schönen Dank auch.


Hier sollte eigentlich das Navi sein; am Arsch.
Die Fahrt
Vorab, die Schaltung flutsch superweich und der 136PS Diesel rennt angemessen. Schneller würde ich den Astra Kombi auch gar nicht haben wollen, zumindest nicht in dieser Fahrwerksabstimmung. Schiffig fährt er sich und das Auto macht auch gar keine Geheimnisse um seinen Speck. Bodenwellen haben in diesem Auto immer ein Echo, vor allem der Vorderbau schwingt gerne mal etwas nach und bei etwas schärferen Bremsmanövern hebt sich das Heck spürbar aus den Dämpfern raus.
 
Aber grundsätzlich ist das alles nicht so unangenehm wie Klappergeräusche oder drückende Sitze. Der Astra ist einfach ein eher gemütlicher Geselle. Auch die Geräuschdämmung ist wirklich gut, der Tourer ist definitiv ein komfortabler, mehr als ein Sportler. Und fährt man ihn auch so, passt das ganz gut. Der Opel mag keine Kurvenhetzerei, dafür neigt er sich in Kurven einfach etwas zu sehr in Richtung des äusseren Kurvenrandes. Eingriffe des ESP's habe ich keine provoziert, man merkt auch schon lange davor, dass dem Astra nicht mehr so ganz wohl ist, was sich durch eine Tendenz zum Untersteuern zeigt.

Der Motor ist keine Ausgeburt an Temperament, erschien mir aber einiges elastischer als die Maschine im Focus Turnier. Der Vortrieb ist auch im sechsten Gang noch völlig ausreichend, so dass man meistens auf forderndes Herunterschalten verzichten kann. Die Antriebseinflüsse an der Vorderachse sind zwar spürbar, allerdings nicht so schlimm wie bei den meisten Fronttrieblern mit drehmomentstarken Heizölbrennern.

So ging dann die Fahrt mit dem toten und damit auch sehr leisen Navi eigentlich recht entspannt vonstatten. Gerade auf Langstrecke kann der Astra trumpfen, die Sitze sind bequem und gut konturiert, die Bedienung ist trotz der versammelten Knopfarmada einigermassen schlüssig und abgesehen von der etwas trägen Lenkung geht alles butterweich. Und im Alltag glänzt der Kombi durch eine gute Übersicht, ergänzt durch eine Rückfahrkamera.  


Die Dinger sind zwar praktisch, ich bin aber eher ein Kind jener, welche mit der rechten Hand an der Beifahrerkopfstütze die Flucht nach hinten planen. Ich glaube einfach nicht an alles, was im Fernseher kommt.

Fazit
Fett ist er, der Astra Kombi. Aber nicht das gute Fett, sondern das schlechte, das hat mit Sports schon mal gar nix zu tun. Klar, das Auto ist gut ausgestattet, aber es fehlen immer noch Leder, vollelektrische Sitze oder überhaupt ein schweres und potentes Triebwerk. In dieser Hinsicht kann der Astra also mit seinen Mitbewerbern nicht (mehr) mithalten. Die anderen bauen leichter und fühlen sich auch entsprechend leichter an. Auch der Innenraum bzw. das Bedienkonzept scheint etwas in die Jahre gekommen, auch wenn es weit entfernt von altbacken ist. Mal schaun, was die nächste Generation des Astras zu bieten hat. Sport würde dem Tourer wirklich mal gut tun, dann wären vielleicht auch mal 200kg weniger auf den Achsen. Aber so bleibt der Astra vorerst mal ein guter Tourer.

Kaufen?
Wer eine sportlichen und flinken Kompaktkombi sucht, ist bei dem Astra falsch, der Zusatz "Sports" passt dabei in etwa gleich gut wie das Sport auf der Ritter-Schokolade. Wer allerdings einen komfortablen und gut ausgestatteten Kombi mit Langstreckenqualitäten sucht, der sollte sich den Astra mal unter den Hintern klemmen und eine ausgiebige Probefahrt machen. Der Rest ist Verhandlungssache für ein gutes, wenn auch nicht tolles Auto.  
 
 
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Über Duck@Cars

Mit dem Drehmomentschlüssel in der Hand zur Welt gekommen, aufgezogen mit Super verbleit. Wenn andere mit Lego gespielt haben, hat er Reifen gestapelt. Das ist Duck. Und das ist Quatsch. Tatsächlich ein Bürohengst der IT-Sorte, gerne und viel unterwegs und noch viel lieber hinter seinem Instrument. Benzin im Blut. Maschinen im Kopf. Rad ab.

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