Audi A1 1.2 TFSI Sportback

Vorwort
Kleinwagen sind einfach nicht so meins. Sie mögen kompakt, wendig und vor allem in parkplatzarmen Städten auch mal Platz in einem Fahrradständer oder unter einem Briefkasten finden, aber das Fahren in diesen Bierkästen kommt mir manchmal etwas arg gedrungen vor. Nicht, dass ich so gross wäre dass ich aus Dachrinnen saufen könnte, aber manchmal erscheint solch ein Kleinwagen wie ein Schraubstock auf mich. Ich hab gerne mal etwas Luft um mich herum, hauptsächlich weil ich eher ein ungeschickter Grobmotoriker bin und damit immer viel Platz brauche.


Was denn?
Ein Audi A1 1.2 TFSI Sportback mit 86PS und 160Nm Drehmoment, die schon bei angenehm frühen 1600 Umdrehungen anliegen. Fünf Gänge manuell, Frontantrieb.
 
 
 

 
Laufleistung
10600km.

Wie weit?
ca. 130km, überwiegend Autobahn


Handbuch gelesen?
Ne.


Erster Eindruck
Als ob ein A6 einen VW Polo geknallt hätte. Definitiv etwas mutiger als der Konzernbruder von derselben Mutti und unverwechselbar ein Audi, dank Single-Frame Grill und den bekannten Designelementen aus dem Konzernregal. Die Mittelkonsole erinnert mit ihren runden Lüftungsdüsen entfernt an Wall-E im Panikmodus.

 


Schick, knuffig, stylish-ish.

Zeigefinger (Assistenzsysteme)
ABS, ESP.

Innenraum
Die Audis sind da grundsätzlich eine Klasse für sich. Auch der knubbelige A1 ist da keine Ausnahme, hier hat man die Linie auch beim Kleinsten konsequent durchgezogen. Bei dem hier gefahrenen Modell war die Innenausstattung auf minimal gebürstet, aber von einem früher von mir gefahrenen A1 mit etwas gehobener Ausstattungslinie blieb mir doch in Erinnerung, dass kein anderer Kompakter einen solch hochwertigen Eindruck gemacht hätte. Er hebt sich hier auf jeden Fall vom Polo ab, auch in der 0815-Ausstattung.


Dieser A1 hier war vom Innenraum durch das straff budgetierte Zubehör aber eher spartanisch bestückt, abgesehen von der omnipräsenten LED-Beleuchtung im Innenraum. So waren hier dann auch die Türgriffmulden mit kaltweissen LED's ausgeleuchtet. Ich persönlich mag es, wenn man Innenräume mit sanften Lichtpunkten etwas schmeichelhafter gestaltet, aber diese immer häufiger verwendeten kaltweissen, ja fast schon blauen LED's versprühen eher den Charme einer unbeheizten Metzgerei als den von einem Raum, in dem man sich gerne mal länger aufhält. Da gefiel mir das Rot der alten Tage besser.

Die Sitze sind straff und gut konturiert, aber für meinen Geschmack ist die Oberschenkelauflage etwas zu kurz geraten. Die Materialien sind für einen Kompakten ungewöhnlich hochwertig, haptisch wie optisch. Nichts knarzt, klappert oder quietscht, nicht selbstverständlich in einem Kleinstbierkasten.

Die ersten Kilometer
Huch, der hat ja sogar etwas Dampf? Der kleine Audi tritt sofort als flinker Zeitgenosse in Szene, fast schon dieselartig zieht der kleine Vierzylinder den Mini-Me vom A3 nach vorne. Allerdings tue ich mich etwas schwer mit der Sitzposition, alles scheint etwas arg in meine Nähe gerückt und die Sitze sind wohl nix für grossgewachsene Leute. Mir ist irgendwie nicht so ganz wohl in dem A1, zumindest nicht von Anfang an.


Nach 10 Kilometern
Da bin ich auch schon auf der Autobahn. Auf der Auffahrt macht der 1.2er Benziner eine gute Figur, auch wenn hier die Drehfreude oberhalb von 4500 Umdrehungen dem früh anliegenden Drehmoment geopfert wurde. Hohe Drehzahlen mag der der aufgeladene Motor nicht so, da erscheint er etwas gequält. Und irgendwann habe ich mich dann auch an die Sitzposition gewöhnt, wenn auch untermalt von einem dezenten Zähneknirschen, den Porsche von meinem Zahnarzt freut's.  


Multimediaplunder
Auch hier, minimalst: Chorus Standardradio mit CD. Im wahrsten Sinne des Wortes kein Brüller, aber für Serienausstattung OK. Um sich für die Disco einzustimmen reicht die abgegebene Leistung aber nicht.


Die Fahrt
So flink und angenehm straff der A1 in der City sein mag, auf einer mässig gepflegten und vom Staat ungeliebten Autobahn wird der Audi mit seinem kurzen Radstand zum Schüttelbecher. Der A1 ist definitiv sportlicher abgestimmt als der grössere Bruder A3, das attestiert dem Kleinen zwar mehr Fahrspass auf Landstrassen, Bergstrassen und in der Stadt, aber auf der Autobahn kann dies auf längeren Strecken etwas anstrengend sein. Der A1 neigt zum hoppeln und fühlt sich stellenweise an wie ein zu hart aufgepumpter Gymnastikball. Nicht problematisch, aber etwas nervös kommt das Fahrwerk bei höheren Geschwindigkeiten daher. Ein ADHS-Audi?

Aber sonst ist auch das Nesthäkchen aus der Audi-Familie tatsächlich ein richtiger Audi. Die Lenkung ist angenehm straff, auf der Autobahn dröhnt der Motor nicht überanstrengt in den Innenraum hinein und die Materialien fühlen sich an wie bei den Grossen. Von der nahen Verwandtschaft zum Polo spürt man nicht mehr viel, der A1 erscheint da vom Gefühl her etwas erwachsener. Lediglich das etwas gedrungene Innenraumgefühl trübt den sonst eigentlich guten Fahreindruck, würde noch jemand im Fond seine Beine irgendwo hintun wollen, bedeutet dies für den Fahrer, dass er noch näher an das Lenkrad rücken müsste. Für mich (ich bin ca. 175cm ohne Schuhwerk) wäre das ein No-Go, wo der Polo grad noch so OK war, scheint mir der Audi innen wie besagter Schraubstock. Eine zweistündige Fahrt mit Kanye West und Kim Kardashian hinten und einem zugekoksten Charlie Sheen auf dem Beifahrersitz wäre in dem A1 der absolute Horror, vorher würde ich mir die letzte Staffel vom Musikantenstadl stocknüchtern am Stück reinziehen oder zwei Wochen Camping-Urlaub in Afghanistan machen.

Aber ok, ich bin ja alleine unterwegs und kann den Sitz so weit nach hinten schieben, ohne dass ich auf dem Lenkrad rumkauen müsste. Nochmal Schwein gehabt.

Mit den 86PS ist der 1140kg schwere A1 nicht sonderlich üppig, aber ausreichend gut motorisiert. Im Innerortsbereich sowieso erstaunlich elastisch, auf der Autobahn grad noch flott genug für kurze Überholsprints. Runterschalten ist kaum nötig, auch im eher lange übersetzten 5.ten Gang zieht der 1200er noch ausreichend nach vorne. Bei moderaten Geschwindigkeiten ist die Maschine auch wirklich angenehm leise und meldet sich nur unter Last und hohen Drehzahlen knurrend aus dem Motorraum. Lenkung und Bremse geben keinen Grund zum Tadel, gerade weil der A1 so kurz geraten ist, könnte die Kurvenhatz auf engen Bergstrassen durchaus Spasspotential haben, auch das flutschig zu schaltende 5-Gang Getriebe würde dazu positiv beitragen. Habe ich aber leider nicht ausprobiert, meine Fahrstrecke befand sich hauptsächlich in der Talebene.


Beim Parken ist der A1 natürlich der King, was der Innenraum nicht hergibt, bleibt dafür auf den Parkplätzen dieser ungerechten Welt wieder übrig. Da hilft übrigens auch die gute Übersicht, das Parkdistanzorchester würde ich auf der Aufpreisliste weglassen wollen, braucht's hier wirklich nicht.

Da ist noch viel Parkplatz übrig

"Das Auto" nebenan braucht da wesentlich mehr Platz.

Allerdings, ich hatte den A1 ja nicht zum parken, sondern zu fahren. Die letzten Meter in das enge Flughafenparkhaus waren die entspanntesten, mit der leichtgängigen Lenkung ist man durchaus versucht, etwas sportlicher durch die engen Gassen zu preschen, als es der gesunde Menschenverstand erlauben würde. Das wäre in meinen Augen nicht so anstrengend wie das hoppelige Fahrverhalten auf der Autobahn.

Fazit
Fahren tut sich der Baby-Audi wirklich gut. Er ist nicht nur optisch ein Kompakter, er fühlt sich auch so an. Was heute immer seltener wird finde ich überraschenderweise gerade hier, nämlich Rückmeldung von der Strasse und ein gutes Gefühl für die Abmessungen. Das kann der kleine Audi definitiv besser als seine grösseren Brüder. Aber das bezahlt man mit einem wirklich sehr engen, wenn auch schönen Innenraum. (Wer an Klaustrophobie leidet, kann den A1 kaufen und dann als Schocktherapiemassnahme von der Steuer absetzen) Mir ist der kleine Audi einfach etwas zu klein geraten, so 5% mehr Raumgefühl wären echt lecker. Wer es so wie ich liebt, sich im Auto auf schnellstem Weg in die Hölle zu fluchen, der sollte auf die Untermalung durch wildes Gestikulieren verzichten, zu schnell schlägt man mit der Hand irgendwo am Interieur an oder reisst den Innenspiegel runter. Nix für die Ente.

Aber; der A1 setzt sich gerade in der Verarbeitung und im Innenraum angenehm von der Konkurrenz ab. Etwas was dem A3 leider nicht vollumfänglich gelungen ist.


Kaufen?
Nun, man fragt sich wozu. Wer lediglich ein kompaktes Stadtauto sucht, wird woanders auch zu Hauf fündig. Für die Familie ist innen trotz der fünf Plätze einfach zu klein. Und für sportlich ambitionierte ist der 86PS Benziner dann doch etwas zu schmalbrüstig, aber da gibt's ja zum Glück aller flotten Fahrer doch noch munterere und drehfreudigere Triebwerke. Aber, wer einfach ein schickes und wertiges Zweitauto für die Einkäufe oder kürzere Strecken sucht, kann mit dem A1 glücklich werden. Und das sogar mit dezenten sportlichen Ambitionen. Das sollte dem Käufer aber auch etwas wert sein, da die Aufpreisliste eine Menge Nice-to-have Gimmicks bietet und damit eine Menge Potential für die Versuchung besitzt. Also ja, kann man kaufen, wenn man denn etwas ausgeben möchte für etwas eingeschränkte Platzverhältnisse und sportliches Kleinwagenflair.


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Über Duck@Cars

Mit dem Drehmomentschlüssel in der Hand zur Welt gekommen, aufgezogen mit Super verbleit. Wenn andere mit Lego gespielt haben, hat er Reifen gestapelt. Das ist Duck. Und das ist Quatsch. Tatsächlich ein Bürohengst der IT-Sorte, gerne und viel unterwegs und noch viel lieber hinter seinem Instrument. Benzin im Blut. Maschinen im Kopf. Rad ab.

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