Erfahrungen UHP / Semi-Slicks 3. Teil


Getreu dem Motto: das Beste zum Schluss, schreibe ich im 3. Teil noch etwas über meine zwei Favoriten für Strasse und Rennstrecke.

Yokohama Advan Neova AD08
225/45-17 (auf 2002 Subaru Impreza WRX STI Prodrive, 265 PS, Allrad, Fahrwerk / Chassis / Bremsen optimiert)

Optisch sieht der Yokohama speziell aus, mit runden Profilen auf der Lauffläche. Auffallend ist, wie steif der Aufbau ist, wenn man von Hand auf die Flanken drückt. Das macht Vorfreude auf ein direktes, reaktionsschnelles Lenkverhalten, was sich dann schon bei der ersten zügigen Passfahrt bestätigt. Der Bauernporsche reagiert bei Lenkbewegungen um einiges unmittelbarer als mit allen davor getesteten Reifen. Speziell im Zusammenspiel mit den Modifikationen des STI (Tieferlegung, stärkere Stabilisatoren, Domstreben und optimierter Bremse) möchte man nur noch von einer Kurve in die nächste schiessen, der Fahrspass ist extrem hoch! Der Advan braucht auf der Strasse kaum eine Aufwärmphase, glänzt mit hohem Kurvengrip und sehr stabilem Bremsverhalten. Insgesamt fühlt es sich sehr sicher und vom Fahrer autonom kontrollierbar an, trotzdem (oder gerade deswegen?) dass der allradgetriebene Impreza kein ESP / ASR oder dergleichen elektronische Sicherheitsnetze hat.

Auch im Nassen zeigt sich eine erstaunliche Gutmütigkeit. Aber zurück zum trockenen, eng gewundenen Asphaltband: da gibt es wenig Gegner, auch wenn diese deutlich mehr Leistung haben… Fahrer früherer Mitsubishi Evos können sicher nachvollziehen, wieviel Spass das machen kann! Ich könnte Freudensprünge im Auto machen, wenn ich die Kopffreiheit eines gestrippten Cabrios hätte! Das alles ist zwar nicht komfortabel, dafür aber authentisch, echt und kein bisschen „synthetisch“, was zusehends bei moderneren Autos zum guten Ton gehört. Möchten (gemäss Hersteller??) die Kunden sportlicher Autos wirklich immer mehr von der Fahrbahn entkoppelt werden mit all den 100 Fahrmodis, die alles können sollten und trotzdem nichts konsequent gut können, ausser versuchen zu gefallen? Eher wohl nicht, denn damit geht meistens auch sehr viel vom Charakter eines Sportautos verloren. Es gibt bestimmt auch heute noch positive Ausnahmen auf dem Automarkt, die sind jedoch rar zu finden. Aber ich schweife ab…
 
Zurück zum Yokohama: auf der Rennstrecke zieht sich das positive Bild weiter, der Grip und das ganze Fahrverhalten überzeugen mich weiterhin, vor allem weil er auf der Strasse schon sehr vieles gut kann. Der AD08 kommt meiner Meinung einem reinen Semi-Slick am nächsten, denn auch die Ausdauer passt. Nach längerem, permanenten Heizen beginnt zwar auch dieser langsam zu schmieren, aber das weiterhin auf relativ hohem Niveau agierend. Der Verschleiss ist ein weiteres Plus, denn dank dem harten Grundaufbau verteilen sich die Kräfte bei beherzter Kurvenfahrt gut auf das ganze Profil und malträtiert nicht durch Verformung des Reifens die äussere Flanke bis zu deren „Schmelzpunkt“.

Fazit: Mein klarer Tipp für Leute, die ihr Auto gerne sportlich bewegen, einem Abstecher auf die Rennstrecke nicht abgeneigt sind und dazu noch eine gute Alltagstauglichkeit erwarten. Irgendwie spürt man, dass der Advan halt etwas mehr kostet als die schon besprochenen Federal (und Kumho)…dafür fliegt er einem auf der italienischen Autobahn nicht um die Ohren und bekommt auch keine Risse. Gespannt bin ich auf den Nachfolger, den AD08R, dieser sollte ja in allen Belangen noch einen Tick besser sein.

Michelin Pilot Sport Cup
Vorne 225/40-18 / hinten 235/40-18 (auf 2014 BMW M135i, 320PS, Heckantrieb, Fahrwerk / Bremsen / Felgen optimiert)


Nun zur Mutti der Semi-Slicks, dem Michelin Cup. Ich kann mich noch erinnern, dass der legendäre BMW M3 CLS erstmalig von Werk mit diesen Gummis ausgestattet wurde und die Fachpresse wie auch die Besitzer dieses seltenen Modells schlugen Purzelbäume vor lauter Begeisterung auf trockener Fahrbahn. Aufgrund des Erfolgs (die Rundenzeiten fielen dramatisch), kamen dann bis heute immer mehr dieser Sportreifen mit Strassenzulassung, von verschiedenen Herstellern, auf den Markt.

Das „lästige“ zuerst: bei Nässe oder Kälte ist definitiv Zurückhaltung mit dem Gaspedal angesagt, dafür wurde der Franzose ja auch nicht gebaut. Er ist aber im Alltag klar fahrbar, einfach mit angepasstem Tempo.

Auf der Strasse im trockenen braucht der Reifen seine Zeit, bis er warm wird und seine Gripreserven zu erkennen sind. Da ist man mit dem Yokohama schneller schnell. Sofort ist die hohe Steifigkeit des Reifenaufbaus zu spüren, ich habe das Gefühl, dass die Lenkübersetzung in Richtung Direktheit optimiert wurde.

Zur Paradedisziplin auf der Rennstreck ist erstmal zu sagen: dorthin gehört der Cup! Der Hammer, wie sich alles anfühlt! Der reine Grip beim Bremsen, im Scheitelpunkt und beim herausbeschleunigen ist beeindruckend. Ich habe das Gefühl, der kleine BMW ist auf dem Asphalt angetackert. Wechselkurven gehen wieselflink von statten und die Rückmeldung über den aktuellen Fahr- / Haftzustand ist sehr gut. Die Balance stimmt perfekt. Wenn die Haftgrenze mit leichten Rutschern erreicht ist, dann passiert das gut kontrollierbar und parallel über alle vier Räder. Den M135i kann ich fliegen lassen wie nie zuvor und das vor allem Runde um Runde. Bei passendem Luftdruck ist der Michelin bezüglich Überhitzung kaum klein zu kriegen. Da verstehe ich, warum die Semi-Slicks bei Trackday-Fans so eingeschlagen haben, denn auch Fahrer von vermeintlich wesentlich schnelleren Autos, die aber normale, sportliche Strassenreifen montiert haben, machen spätestens nach zwei, drei Runden keinen Stich mehr. Der Fahrspass steht mir mit einem Dauergrinsen von Ohr zu Ohr buchstäblich ins Gesicht geschrieben!

Ich persönlich gehe dafür im Alltag gerne einen (recht hohen) Kompromiss ein…oder noch besser wäre, zwei Satz Felgen zu haben, einen für die Strasse, z.B. mit den Yokohama und einen für die Strecke mit den Michelin Cup…macht insgesamt eigentlich inklusive Winterreifen drei Satz Räder. Hmm, das ufert ja schon fast aus…

Was mir aber noch gar keine Ruhe lässt ist, dass beim besagten Trackday ein guter Freund von mir mit seinem verdammt schnellen, auch leicht optimierten Porsche Cayman R von den Cup auf die nigelnagelneuen Cup 2 gewechselt hat. Danach war er so begeistert und nochmals mehr als zwei Sekunden schneller pro Runde, dass er nur noch die Cup 2 im Kopf hatte. Er konnten es kaum glauben, dass nochmals eine so grosse Steigerung möglich ist und ich sah ab da nur noch sein Heck immer weiter vor mir davon ziehen. Und alle, die an diesem Tag die neueren Michelin gefahren sind, kommen ins schwärmen…da sind gestandene Porsche GT3 / Ferrari 458 / McLaren 12C Fahrer dabei, die es richtig fliegen lassen.

Fazit: wie oben gesagt, der Michelin Pilot Sport Cup wurde in erster Linie für die Rennstrecke entwickelt, das spürt man klar. Mit allen Vor- und Nachteilen. Der Preis ist angemessen, aber bestimmt kein Schnäppchen. Auf schnellen Runden ist dem Fahrspass keine Grenzen gesetzt. Um das Potential des Gummis zu nutzten, sollte auch das Auto entsprechend vorbereitet sein, am Besten mit einem straffen Fahrwerk und standfesten Bremsen. Ich kann kaum warten bis die Wintermonate um sind, um den nächsten Trackday zu buchen!


Abschlussgedanken
Die Entwicklung im Sektor der sportlichen Reifen ist imposant! Viele Sportautos wären heute kaum halb so gut, wenn die Reifenhersteller nicht entsprechend mitgehalten hätten. Das ist beim praktischen Test, insbesondere auf der Rennstrecke, gut zu beobachten. Eines meiner Erkenntnisse ist, dass günstige Reifen nicht unbedingt schlecht sein müssen, ausser wenn einem taiwanesisches Gummi in Fetzen an der Felge hängt (so, jetzt habe ich das letzte mal über die Federal hergezogen). Wichtig ist, dass man für seine Bedürfnisse und für das jeweilige Fahrzeug das Richtige auswählt. Es nützt wenig, an einem SUV mit weichem Fahrwerk Semi-Slicks zu montieren, da würde man möglicherweise plötzlich auf zwei Rädern um die Kurve kommen…wobei, das würde sicher zum brüllen aussehen! Oder andersrum, ein verkappter Rennwagen mit normalen Strassengummis, würde hilflos umherrutschen…das wäre bestimmt auch zum Brüllen, aber vor lauter Frust.

Wichtig noch, wie schon mehrfach erwähnt: der Reifendruck ist zentral…Gratis-Tuning-Tipp!

Was mir persönlich am Wichtigsten erscheint, insbesondere auf der Rennstrecke, ist ein Fahrzeug, wo alle wichtigen Komponenten (Fahrwerk, Chassis, Bremsen, Leistung) aufeinander abgestimmt und eingestellt sind. Dann braucht es nicht unbedingt 500PS oder mehr um schnell und glücklich zu sein. Im Gegenteil, gut nutzbare Leistung und ein festes Vertrauen in das eigene Fahrzeug (ohne „zickiges“ Fahrverhalten) machen entspannt schnell…meist schneller als einem zugetraut wird. Die oben genannten Beispiele mit dem Subaru und dem BMW bestätigen mich subjektiv dabei. Wobei ich auch sagen muss, der früher schon beschriebene Shelby GT500, mit einem abartigen Kraftwerk zwischen den Achsen, macht auch ungemein Spass. Denn das ist so ein Auto, das sich echt und auch etwas roh anfühlt: kein adaptives Fahrwerk, alle elektronischen Rettungsanker (bis auf ABS) mit einem Kopfdruck abschaltbar und einem kompressorgeladenen V8-Sound zum niederknien.

Zum Glück gibt es heute noch Autohersteller, die den Mut haben, wo nicht alle Modelle allen gefallen müssen. Und zum Glück sind es nicht nur Nischenmarken wie z.B. Lotus, Ferrari, Lamborghini, KTM, McLaren, etc. Sondern es gibt auch Grosskonzerne die ab und zu etwas unvernünftiges, sportliches wagen. Da kommt mir die SRT-Linie von Dodge in den Sinn mit der abartigen 8,4 litrigen Viper und dazu einem Challenger mit über 700PS. Oder das hämmern eines AMG V8 Motor, eine Corvette von GM, ein GT-R aus dem eher prüden Nissan-Haus, ein Alfa 4C, ein Porsche GT3 oder der "kleine" Cayman R, ein Subaru BRZ und so weiter…verdammt, mein Budget als auch meine Garage sind definitiv zu klein.

Ich hoffe ganz fest, dass das kleine aber feine Segment der echten Sportwagen, so gut wie möglich vom momentan hässlich grassierenden Downsizing-Syndrom verschont wird. Da ist der (ohnehin wenig realistische) Normverbrauch nicht zu Oberst auf der Prioritätenliste. Denn diese Autos sind vor allem für eines gebaut: dem Besitzer Fahrfreude zu bereiten und dies ohne schlechtes Gewissen!

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Über Mr.Goodstuff

Mit dem Drehmomentschlüssel in der Hand zur Welt gekommen, aufgezogen mit Super verbleit. Wenn andere mit Lego gespielt haben, hat er Reifen gestapelt. Das ist Duck. Und das ist Quatsch. Tatsächlich ein Bürohengst der IT-Sorte, gerne und viel unterwegs und noch viel lieber hinter seinem Instrument. Benzin im Blut. Maschinen im Kopf. Rad ab.

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