Erfahrungen: sportliche Reifen für die Strasse - 1. Teil

Vorstellung Gastautor Mr. Good Stuff

Eine altbekannter Spruch ist, dass die Reifen die einzige Verbindung vom Auto zur Strasse sind, Fakt! Und dies bringt die Wichtigkeit von diesem schwarzen Rund auf den Punkt. Denn was nutzt die technische Finesse eines Fahrzeuges, wenn diese nicht auf die Strasse gebracht werden kann? Durch meine Erfahrungen auf Strasse und Rennstrecke, in Autos und auf Motorrädern, komme ich zur Überzeugung, dass der richtige Reifen die beste und sicherste Tuningmassnahme ist.
 
In den folgenden Abschnitten möchte ich meine (nicht wissenschaftlich zementierten) Eindrücke und Fahrerlebnis von sportlichen Reifen bei Autos mit euch teilen…als Gast der benzingeschwängerten Ente.
 
Grundsätzlich
ist es wichtig, die passenden Reifen für seine Bedürfnisse und sein Auto zu finden. Dies beinhaltet einerseits die richtige Dimension zu finden, unter der Berücksichtigung, ob Felgen, Fahrwerk, Bremsen und Motorenleistung noch original sind, oder ob schon etwas „optimiert“ wurde. Auch entscheidend ist, wie und wo setze ich das Fahrzeug ein? Das heisst, bewege ich das Fahrzeug im Alltag, bei Sonne und Regen, über Wald und Wiesen, oder ist es ein „Hobby-Wochenende-Trackday-Sport-Gerät“, welches auch mal um Rennstrecke getrieben wird. Denn es ist nicht unbedingt zu empfehlen, mit Semislicks durch einen Monsunregen zu fahren oder umgekehrt mit Vollgummireifen und voller Siegeshoffnungen an der Startampel zum nächsten Grand Prix zu stehen... ausser es ist der Gabelstapler-GrandPrix Werkshalle 4 oder sowas.

Ebenfalls entscheidend ist natürlich der Reifendruck. Im Alltag kann man sich grundsätzlich gut an die Vorgaben des Herstellers halten. Auf der Rennstrecke ist aber zu beachten, dass nach kurzer Zeit der Reifen heiss wird und dadurch der Reifendruck stark ansteigt. Also nach ein paar Runden den Druck kontrollieren und anpassen. Es ist kaum zu glauben, was für einen Unterschied man spürt, ob der Druck stimmt oder nicht. Auch dies ist kostenloses Tuning, kostet ein paar Minuten in der Box und resultiert in wertvollen Sekunden auf der Stoppuhr.

Noch etwas: Es soll bitte niemand nachfragen, ob ich eine Aussage über den Benzinverbrauch mit unterschiedlichen Reifen machen kann…denn dieser wundervolle Saft aus der Zapfsäule wurde einzig und alleine zum Zweck der Verbrennung hergestellt. Wer den Sprit lieber im Tank bunkert, ist bei der Suchmaschine irgendwie falsch abgebogen.
Nun denn, weiter zu den einzelnen getesteten Gummis (nein, nicht die mit den Noppen und dem Gleitmittel, sondern die schwarzen Dinger, die um die Felgen gezogen werden):
 
Pirelli P ZERO 225/40-18 
(auf Mazda 6 MPS, 260PS, Allrad)




Mit dem Mazda bin ich nur auf der Strasse gefahren, keine Rennstrecke. Im Gegensatz zur Originalbereifung (Bridgestone schiessmichtot?) fühlt sich das Auto mit den Pirellis um einiges direkter an, lenkt mit weniger Verzögerung ein und wirkt insgesamt steifer, sportlicher im Aufbau. Der Grip ist auf hohem Niveau, ohne im Grenzbereich abrupt abzureissen und auch sonstige fiese Eigenheiten sind nicht zu verzeichnen. Der MPS liegt satter auf der Strasse und man spürt besser, was sich zwischen Fahrbahn und Fahrzeug abspielt. Durch das insgesamt höhere Gripvermögen wankt der Mazda auch mehr beim anbremsen oder in schnellen Kurven. Jetzt könnte das Fahrwerk und das Chassis eine gezielte Optimierung vertragen... so mancher kennt diesen kostspieligen Teufelskreis. Bei Nässe ist mir nichts Negatives aufgefallen, die Pirelli vermitteln viel Sicherheit. Für diejenigen, die es interessiert: Abrollgeräusch und Komfort sind (glaube ich) im Normbereich.
 
Fazit: Mit den P ZERO macht das Auto um einiges mehr Spass, dies ohne Sicherheitseinbussen (im Gegenteil) oder Kompromisse im Alltag eingehen zu müssen. Ein guter, sportlicher Reifen den ich klar empfehlen kann.

 
Michelin Pilot Super Sport vorne 265/40-19 / hinten 285/35-20 (auf 2012 ShelbyMustang GT500)


 Ich heisse Shelby und fresse Reifen.
 Hallo Shelby! *zitter
 
Mit stillgelegtem ESP / TC 650 PS und 850 Nm in Richtung Hinterräder zu schicken ist gleichzusetzen mit: blauem Rauch aus den Radkästen, Graffiti auf der Strasse, Adrenalinschüben, mit Daumen nach oben zeigenden oder auch kopfschüttelnden Passanten (je nachdem ob man an einem Amitreffen oder einer Gutmenschen-Veganer-Parade vorbeifährt). Und dem eigenen Grinsen im Gesicht, das vom linken bis zum rechten zu Ohr reicht! Da kommen natürlich die Reifen ins schwitzen und jammern, aber es hilft nichts, da müssen die Michelins jetzt durch, denn ihr Name verspricht ja Supersport. Und da sportliches fahren wenig mit Burnouts zu tun hat, widme ich mich mehr der Fahrdynamik und der Traktion…verdammt, schon wieder durchgedreht!
 
Kurz zur Originalbereifung, dies sind Goodyear Eagle F1 Supercar Tires. Grundsätzlich ein ganz guter Reifen, jedoch ist mir im Alltag eine starke Abhängigkeit der Temperatur aufgefallen. Sobald der Asphalt kühler ist (Aussentemperatur weniger als 10 bis 15 Grad) verliert der Reifen extrem an Grip. Situation; 120km/h auf der Autobahn, im Rückspiegel tänzelt ein Sport-V8 aus Ingolstadt mit linkem Dauerblinker hin und her, das nervt. 3. Gang, das Beschleunigungspedal auf den Teppich und dann drehen die Hinterräder hoffnungslos durch (TC, bist du eingeschlafen?). Das Heck beginnt, zwar gut kontrollierbar, zu tanzen und zu qualmen. Wenn man darauf vorbereitet ist, macht das grossen Spass, vor allem wenn man im Rückspiegel den quattro-verwöhnten Fahrer beobachtet, dessen Kinnlade auf den (aufpreispflichtigen) Sportsitz runterknallt (ist bei den Autos deswegen das Lenkrad unten abgeschrägt, um Kieferbrüche zu vermeiden?). Das hat zwar einen sehr hohen Unterhaltungswert, aber schnell ist das nicht unbedingt und grundsätzlich auch nicht so ganz strassenverkehrskonform.

Immerhin haben die Goodyear gut 6000km durchgehalten, dann mussten sie die begehrten(?) Plätze in den Radhäusern für die Michelin Pilot Super Sport räumen. Ich war sehr gespannt auf den Unterschied, rechnete aber nicht mit einer so positiven Veränderung der Fahrdynamik. Der oben erwähnte Effekt der Temperaturabhängigkeit ist viel weniger zu spüren. Insgesamt ist die Traktion markant besser, der Shelby bringt nun die Leistung ab dem 2. Gang praktisch ohne Verluste auf den Boden, was eine klar verbesserte Beschleunigung zur Folge hat. Wie schon erwähnt, der richtige Reifen ist das effektivste Tuning. Man kann nun gut kontrolliert und satt auf der Strasse liegend aus den Kurven beschleunigen, ohne dass der weitere Strassenverlauf plötzlich durch die Seitenscheibe ins Visier genommen werden muss. Auch beim Einbremsen und Einlenken in Kurven vermittelt der Mustang mehr Vertrauen und Gefühl für die Haftgrenze, das Untersteuern ist so gut wie nicht mehr vorhanden. Das Gripniveau ist in jedem Bereich um einiges höher. Auch bei Nässe muss man nicht mit bösen Überraschungen rechnen und ich habe nicht mehr so das Gefühl, dass ich nach jeder Fahrt Gummiteile aus den Radkästen popeln müsste.
Das Auto wirkt mit dem Michelin sehr gut ausbalanciert, in langsamen wie in schnellen Kurven. Auch das dadurch klar verbesserte Vertrauen, fördert bei zügiger Fahrweise den Fahrspass enorm und man fühlt sich wie aus der Kanone geschossen, im guten Sinne.
 
Leider war ich bis jetzt noch nicht auf der Rennstrecke mit dem GT500, darum kann ich keine Aussage machen, wie lange die französischen Gummis bei entsprechend grosser Beanspruchung durchhalten.
Fazit: Die beste Optimierung des ganzen Autos! Die Goodyear waren nicht wirklich schlecht, aber bei sportlicher Fahrt und im Alltag sind die Michelin klar die bessere Wahl für den Shelby. Einiges am sportlichem Fahrverhalten ist bestimmt auch der Fahrwerksoptimierung und der Chassis-Versteifung (alles Produkte der Marke „Steeda“) zu verdanken, aber dies wurde schon vor dem Wechsel auf die Michelin installiert und entsprechend vermessen.
Ich bin gespannt, wie lange die Süperspörtler dem Shelby Paroli bieten…denn Burnouts gehen nach wie vor sehr gut, mon dieu!

 

 
Im zweiten und dritten Teil folgen dann die Erfahrungen von einigen UHP / Semislicks auf und neben der Rennstrecke. Da gibt es unter anderem eine interessante Story der Federal RS-R 595…wollt ihr Taiwanesen mich eigentlich umbringen??
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Über Mr.Goodstuff

Mit dem Drehmomentschlüssel in der Hand zur Welt gekommen, aufgezogen mit Super verbleit. Wenn andere mit Lego gespielt haben, hat er Reifen gestapelt. Das ist Duck. Und das ist Quatsch. Tatsächlich ein Bürohengst der IT-Sorte, gerne und viel unterwegs und noch viel lieber hinter seinem Instrument. Benzin im Blut. Maschinen im Kopf. Rad ab.

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